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878 – Die Schlacht von Edington und der Wendepunkt für Wessex

03.02.2025Verlag NorseStory · Berlin

Im Jahr 878 stand das Königreich Wessex vor einer seiner schwersten Krisen. Seit mehr als einem Jahrzehnt hatten große skandinavische Heeresverbände die politische Ordnung Englands verändert. Northumbria war zusammengebrochen, East Anglia unter neue Herrschaft geraten und Mercia schwer geschwächt worden. Wessex blieb als bedeutendes angelsächsisches Königreich bestehen, doch zu Beginn des Jahres 878 schien auch seine Zukunft unsicher. Ein überraschender Angriff unter Guthrum zwang König Alfred zum Rückzug in die sumpfige Landschaft Somersets. Wenige Monate später kehrte Alfred mit einem neu versammelten Heer zurück und errang bei Edington einen Sieg, der nicht nur sein eigenes Königtum rettete, sondern die weitere politische Entwicklung Englands entscheidend beeinflusste.

Die Schlacht von Edington gehört deshalb zu den wichtigsten militärischen Ereignissen der englischen Geschichte des 9. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde sie in späteren Darstellungen häufig stärker vereinfacht, als es die Quellen erlauben. Edington war nicht der Moment, an dem sämtliche skandinavischen Heere aus England vertrieben wurden. Es entstand dort auch nicht unmittelbar das Danelag, und ein umfassender „Vertrag von Wedmore“, der England an einem einzigen Tag zwischen Alfred und Guthrum geteilt hätte, ist als solche Urkunde nicht überliefert. Die zeitnahen Quellen berichten stattdessen von einer militärischen Krise, Alfreds Rückzug und Gegenoffensive, Guthrums Niederlage, einer anschließenden Belagerung, der Stellung von Geiseln und schließlich Guthrums Taufe.

Besonders wertvoll sind dabei die Angelsächsische Chronik und die Lebensbeschreibung Alfreds durch den walisischen Gelehrten Asser. Beide berichten vergleichsweise ausführlich über das Jahr 878. Asser schrieb sein Werk noch während Alfreds Lebenszeit und kannte den König persönlich. Dennoch sind auch diese Texte keine modernen Schlachtenprotokolle. Sie entstanden aus dem Umfeld der Sieger und präsentieren Alfred als christlichen Herrscher, dessen Überleben und Erfolg religiöse sowie politische Bedeutung besaßen. Gerade deshalb muss zwischen den vergleichsweise gut belegten Ereignissen und späteren Ausschmückungen unterschieden werden.

England vor Edington – ein Land im politischen Umbruch

Die Krise von 878 war das Ergebnis einer Entwicklung, die bereits Jahre zuvor begonnen hatte. Seit 865 bewegte sich das in den angelsächsischen Quellen als micel here, „großes Heer“, bezeichnete Bündnis skandinavischer Gefolgschaften durch England. Die Bezeichnung „Großes Heidnisches Heer“ gibt die christliche Perspektive der angelsächsischen Überlieferung wieder und sollte nicht mit dem Namen einer zentral organisierten stehenden Armee verwechselt werden. Wahrscheinlich bestand der Verband aus mehreren Gefolgschaften, die zeitweise gemeinsam agierten, sich aber auch aufteilen konnten.

Die Auswirkungen waren tiefgreifend. Northumbria verlor seine bisherigen Könige, York wurde eingenommen und East Anglia militärisch bezwungen. In Mercia wurde König Burgred 874 ins Exil gedrängt. Teile des Landes wurden später unter Angehörigen der skandinavischen Heere aufgeteilt. Damit veränderte sich der Charakter ihrer Präsenz: Aus mobilen Kriegerverbänden wurden in mehreren Regionen Landbesitzer und dauerhafte Siedler.

Wessex hatte bereits schwere Kämpfe erlebt. Alfred war 871 nach dem Tod seines Bruders Æthelred König geworden und musste unmittelbar gegen starke skandinavische Verbände kämpfen. In den folgenden Jahren wechselten militärische Auseinandersetzungen und Vereinbarungen miteinander ab. Ein dauerhafter Frieden entstand jedoch nicht.

Guthrum und der Kampf um Wessex

Zu den bedeutendsten Anführern der späteren Phase gehörte Guthrum. Über seine Herkunft und frühe Biographie wissen wir nur wenig. Er erscheint vor allem als militärischer Führer jenes Verbandes, der gegen Wessex kämpfte und später in East Anglia herrschte. Anders als viele berühmte Figuren späterer nordischer Erzählungen ist Guthrum in zeitnahen angelsächsischen Quellen klar greifbar.

Im Jahr 877 hatte sich ein Teil des großen Heeres in Mercia niedergelassen. Guthrums Verband dagegen setzte seine Unternehmungen gegen Wessex fort. Anfang 878 gelang ihm ein Angriff, der Alfred offenbar vollständig überraschte und das west-sächsische Königreich an den Rand des politischen Zusammenbruchs brachte.

Wessex war keineswegs sicher

Aus späterer Perspektive erscheint Alfred häufig als unvermeidlicher Sieger und Gründer einer kommenden englischen Einheit. Die Situation des Jahres 878 sah vollkommen anders aus. Asser berichtet, viele Bewohner seien unterworfen worden oder hätten das Land verlassen. Alfred selbst verfügte zeitweise nur über eine kleine Gefolgschaft.

Der Ausgang war offen. Northumbria, East Anglia und große Teile Mercias hatten bereits gezeigt, dass alte angelsächsische Königreiche tatsächlich zusammenbrechen konnten. Dass Wessex dieses Schicksal nicht teilte, war zu Beginn des Jahres 878 keineswegs selbstverständlich.

Der überraschende Angriff auf Chippenham

Nach der Angelsächsischen Chronik zog Guthrums Heer nach der Weihnachtszeit überraschend nach Chippenham in Wiltshire. Asser berichtet ebenfalls, dass die Truppen dort ihr Winterlager bezogen und große Teile der Umgebung unter ihre Kontrolle brachten. Chippenham war kein unbedeutender Ort, sondern ein königlicher Besitz und damit politisch sowie logistisch wertvoll.

Der Zeitpunkt des Angriffs war wirkungsvoll. Königliche Herrschaft beruhte im Frühmittelalter stark auf persönlicher Präsenz, lokalen Gefolgschaften und der Fähigkeit, Männer kurzfristig zum Heer aufzubieten. Ein überraschender Vorstoß konnte verhindern, dass diese Kräfte rechtzeitig zusammengezogen wurden.

Die Quellen schildern die Folgen dramatisch. Viele Westsachsen unterwarfen sich, andere flohen über das Meer. Alfred zog sich mit einer kleinen Gruppe in schwer zugängliche Gebiete zurück. Diese Nachricht bildet den historischen Kern jener später beinahe legendär gewordenen Erzählung vom König, der aus den Sümpfen heraus sein Reich zurückgewann.

Alfreds Rückzug nach Athelney

Nach Ostern ließ Alfred auf Athelney in Somerset eine befestigte Stellung errichten. Die Landschaft war damals von Sümpfen, Wasserläufen und schwer zugänglichen Inseln geprägt. Gerade diese Geographie machte den Ort für einen bedrängten Herrscher geeignet. Von dort aus konnte Alfred mit den ihm verbliebenen Männern kleinere Angriffe durchführen und Verbindungen zu loyalen Gruppen aufrechterhalten.

Asser beschreibt, wie Alfred mit Männern aus Somerset gegen die feindlichen Kräfte operierte. Der Aufenthalt in Athelney war damit keine passive Flucht. Der König versuchte vielmehr, seine militärische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen, während Guthrums Heer weite Teile Wessex unter Druck hielt.

Die berühmten verbrannten Kuchen

Eine der bekanntesten Geschichten über Alfred erzählt, wie der verkleidete oder unerkannt lebende König während seiner Zeit im Exil auf die Kuchen einer einfachen Frau achten sollte, sie jedoch verbrennen ließ und dafür ausgeschimpft wurde. Diese Szene gehört fest zum populären Bild Alfreds. Sie stammt jedoch nicht aus Asser oder der Angelsächsischen Chronik. Die Geschichte begegnet erst in späterer mittelalterlicher Überlieferung. Sie kann deshalb nicht als belegtes Ereignis aus Alfreds Aufenthalt in den Sümpfen behandelt werden. Gerade ihre Popularität zeigt jedoch, wie stark Alfreds Krise von 878 später als Geschichte des gefallenen und wiederauferstehenden Königs erinnert wurde.

Die Sammlung des Heeres

In der siebten Woche nach Ostern verließ Alfred seine Stellung und zog nach Egbert’s Stone östlich des Selwood Forest. Dort versammelten sich nach den Quellen Männer aus Somerset, Wiltshire und Teilen Hampshires, die Alfred weiterhin die Treue hielten. Asser beschreibt ihre Reaktion auf den wiedererscheinenden König beinahe wie die Freude über einen von den Toten Zurückgekehrten.

Auch hier ist die religiös und rhetorisch geprägte Sprache des Autors erkennbar. Historisch bedeutsam ist jedoch der Kern der Nachricht: Alfred war es gelungen, erneut ein größeres west-sächsisches Heer zusammenzuziehen. Seine Herrschaft war trotz der Krise nicht vollständig zerfallen. Von Egbert’s Stone zog das Heer nach einem Ort, den die Quellen als Iley beziehungsweise Æcglea nennen, und anschließend weiter nach Edington. Die schnelle Abfolge deutet auf eine gezielte Gegenoffensive hin.

Wer kämpfte für Alfred?

Die Quellen nennen insbesondere Männer aus Somerset, Wiltshire und Hampshire. Ein frühmittelalterliches angelsächsisches Heer bestand nicht aus einer permanenten nationalen Armee. Der König stützte sich auf regionale Aufgebote, Adlige mit ihren Gefolgschaften und persönliche Bindungen. Dass Alfred nach Monaten schwerer Krise erneut ein ausreichend großes Heer aufstellen konnte, ist deshalb politisch vielleicht ebenso bedeutend wie der spätere Sieg. Es zeigt, dass seine königliche Autorität und die Loyalität wichtiger regionaler Eliten weiterhin bestanden.

Keine bekannten Truppenstärken

Wie viele Männer bei Edington auf beiden Seiten kämpften, wissen wir nicht. Die zeitnahen Quellen nennen keine belastbaren Zahlen. Moderne Schätzungen bewegen sich zwangsläufig im Bereich der Rekonstruktion. Gerade deshalb sollte die Schlacht nicht mit vermeintlich exakten Angaben über Tausende Kämpfer ausgeschmückt werden. Wir wissen, dass beide Seiten ausreichend stark waren, um eine entscheidende Feldschlacht auszutragen – nicht aber, wie viele Männer tatsächlich in den Reihen standen.

Die Schlacht von Edington

Asser berichtet, Alfred habe bei Edington gegen das gesamte Heer Guthrums gekämpft. Er beschreibt eine geschlossene Schlachtordnung und einen langen, heftigen Kampf, an dessen Ende die west-sächsischen Kräfte die Oberhand gewannen. Die Angelsächsische Chronik fasst das Geschehen knapper: Alfred kämpfte gegen das gesamte Heer, schlug es in die Flucht und verfolgte die Gegner bis zu ihrer befestigten Stellung.

Der genaue taktische Ablauf lässt sich daraus nur begrenzt rekonstruieren. Spätere Darstellungen sprechen häufig vom Schildwall, und Asser verwendet tatsächlich eine Formulierung, die auf eine eng geschlossene Schlachtordnung verweist. Doch wir besitzen keine Beschreibung einzelner Formationen, Flankenbewegungen oder persönlicher Zweikämpfe. Die Schlacht sollte deshalb nicht wie ein modernes taktisches Gefecht nacherzählt werden, dessen einzelne Schritte bekannt wären. Sicher ist vor allem: Alfred stellte Guthrums Heer in offener Schlacht, besiegte es und zwang die Überlebenden zum Rückzug in eine befestigte Stellung.

Wo genau fand die Schlacht statt?

Das in den Quellen genannte Ethandun wird gewöhnlich mit dem heutigen Edington in Wiltshire identifiziert. Diese Zuordnung ist in der Forschung weithin akzeptiert. Ein exakt archäologisch nachgewiesenes Schlachtfeld mit eindeutig zuordenbaren Befunden des Jahres 878 ist jedoch nicht vorhanden. Die Landschaft selbst lässt unterschiedliche Möglichkeiten zu, und einzelne Hügel und Geländepunkte wurden später mit der Schlacht verbunden. Solche lokalen Traditionen sind interessant, sollten aber nicht mit einem gesicherten archäologischen Nachweis verwechselt werden.

Der Sieg war erst der Anfang

Besonders wichtig ist, dass Guthrums Heer nicht unmittelbar nach der Feldschlacht verschwand. Alfred verfolgte die fliehenden Gegner bis zu ihrer befestigten Stellung und schloss sie dort ein. Asser und die Chronik berichten von einer vierzehntägigen Belagerung beziehungsweise Blockade.

Erst Hunger, Angst und die Aussichtslosigkeit ihrer Lage zwangen die eingeschlossenen Truppen zur Verhandlung. Damit war der Erfolg von Edington nicht allein ein taktischer Sieg auf dem Schlachtfeld. Alfred konnte auch verhindern, dass sich Guthrums Männer einfach neu sammelten und den Krieg unmittelbar fortsetzten.

Vierzehn Tage bis zur Kapitulation

Nach vierzehn Tagen bot Guthrums Heer Frieden an. Die Bedingungen waren für Alfred ungewöhnlich vorteilhaft. Die Männer stellten Geiseln, ohne im Gegenzug Geiseln von Alfred zu erhalten, und schworen, sein Königreich zu verlassen. Besonders bemerkenswert war Guthrums Zusage, sich taufen zu lassen.

Geiselstellungen waren ein wichtiges Instrument frühmittelalterlicher Diplomatie. Sie sollten Vereinbarungen absichern und demonstrierten zugleich das Machtverhältnis zwischen den Parteien. Die Quellen betonen ausdrücklich, dass Alfred die Geiseln bestimmen konnte.

Der Friede nach Edington war damit keine Verhandlung zwischen zwei völlig gleich starken Seiten. Guthrum hatte die Schlacht verloren, war anschließend eingeschlossen worden und musste Bedingungen akzeptieren. Zugleich zeigt Alfreds Verhalten, dass er nicht die vollständige Vernichtung der Gegenseite anstrebte. Aus dem militärischen Gegner sollte ein politisch berechenbarer Herrscher werden.

Warum ließ Alfred Guthrum leben?

Wir besitzen keine persönliche Erklärung Alfreds, warum er Guthrum nicht töten ließ. Seine Entscheidung passt jedoch gut zu frühmittelalterlicher Herrschaftspolitik. Ein besiegter Anführer konnte als Partner einer Vereinbarung nützlicher sein als ein getöteter Gegner, dessen Gefolgschaft möglicherweise einen neuen Führer wählte und den Krieg fortsetzte. Guthrum verfügte über erhebliche Autorität innerhalb seiner Gemeinschaft. Durch Frieden, Taufe und eine neue persönliche Beziehung zu Alfred konnte diese Autorität in eine stabilere politische Ordnung eingebunden werden.

Edington war kein Vernichtungskrieg

Gerade dieser Ausgang unterscheidet Edington von später romantisierten Vorstellungen eines Kampfes, in dem eine Seite die andere vollständig aus England vertrieb. Guthrums Männer blieben eine bedeutende politische Kraft. Wenige Jahre später herrschte Guthrum christlich getauft über East Anglia. Alfred hatte nicht „die Nordmänner aus England vertrieben“. Er hatte verhindert, dass Wessex unter Guthrums Herrschaft geriet, und damit das Überleben seines eigenen Königtums gesichert.

Guthrums Taufe in Aller

Drei Wochen nach der Kapitulation kam Guthrum nach den Quellen mit dreißig hochrangigen Männern zu Alfred nach Aller bei Athelney. Dort wurde er getauft. Alfred übernahm die Rolle des Taufpaten und nahm den ehemaligen Gegner damit symbolisch in eine neue christliche und persönliche Beziehung auf.

Guthrum erhielt den christlichen Namen Æthelstan. Dieser Schritt war weit mehr als eine private Glaubensentscheidung. In der politischen Kultur des frühen Mittelalters konnte die Taufe eines Herrschers neue Bündnisse schaffen und seine Stellung innerhalb der christlichen Ordnung verändern.

Die Taufe bedeutete allerdings nicht, dass sämtliche Menschen unter Guthrums Herrschaft nun schlagartig Christen wurden. Die Christianisierung skandinavischer Gemeinschaften in England war ein längerer Prozess. Herrschertaufen konnten ihn beschleunigen, ersetzten aber keine Generationen gesellschaftlicher Veränderung.

Alfred als Taufpate

Besonders bedeutend war Alfreds Rolle als Pate. Christliche Taufpatenschaft konnte eine Form geistlicher Verwandtschaft schaffen. Der besiegte Guthrum wurde damit nicht nur politisch gebunden, sondern symbolisch in die christliche Welt Alfreds aufgenommen.

Asser beschreibt Alfred sogar als eine Art geistlichen Vater Guthrums. Diese Darstellung passt zu seinem größeren Bild des Königs als christlichem Herrscher. Unabhängig von der religiösen Rhetorik hatte die Zeremonie jedoch eindeutig politische Bedeutung.

Von Aller nach Wedmore

Acht Tage nach der Taufe fand in Wedmore die Lösung des Chrisambandes statt, ein Bestandteil des damaligen Taufrituals. Guthrum und seine Begleiter blieben anschließend zwölf Nächte bei Alfred und erhielten Geschenke. Gerade diese Abfolge ist wichtig: Die Taufe fand in Aller statt, nicht in Wedmore. Wedmore war der Ort der anschließenden Zeremonie und des königlichen Aufenthalts. Daraus entstand später die verbreitete Vorstellung eines umfassenden „Vertrags von Wedmore“, die jedoch quellenmäßig wesentlich schwieriger ist.

Gab es 878 einen Vertrag von Wedmore?

Ein vollständig erhaltener Vertrag namens „Vertrag von Wedmore“, der unmittelbar nach Edington England zwischen Alfred und Guthrum geteilt hätte, existiert nicht. Die Angelsächsische Chronik und Asser berichten von der Kapitulation, den Geiseln, Guthrums Zusage zur Taufe und seinem Aufenthalt bei Alfred. Sie überliefern jedoch keine entsprechende Grenzurkunde aus Wedmore.

Ein tatsächlicher schriftlicher Vertrag zwischen Alfred und Guthrum ist erhalten. Seine Datierung wird in der Forschung diskutiert, häufig wird er jedoch in die spätere Phase ihrer Beziehungen – ungefähr zwischen 886 und Guthrums Tod 890 – eingeordnet. Der Text regelt unter anderem eine Grenze, Tötungsdelikte, Eide und den Handel zwischen den jeweiligen Herrschaftsbereichen.

Diese beiden Vorgänge sollten deshalb nicht einfach miteinander verschmolzen werden. Der Friede von 878 war unmittelbar Folge der Niederlage Guthrums. Der erhaltene Alfred-Guthrum-Vertrag gehört in einen größeren Prozess, in dem die politische Ordnung Süd- und Ostenglands nach den Kriegen stabilisiert wurde.

Edington gründete nicht das Danelag

Ebenso wenig entstand nach Edington erstmals das Danelag. Teile der skandinavischen Heere hatten bereits 876 Land in Northumbria und 877 Land in Mercia unter sich aufgeteilt. Nach 880 ließ sich Guthrums Verband in East Anglia nieder.

Der später als Danelag bezeichnete Raum entstand damit über Jahrzehnte und umfasste verschiedene Herrschaften. Edington war für dieses Gefüge wichtig, weil es die Grenze der weiteren Expansion gegen Wessex setzte. Es war aber nicht sein Gründungsakt.

Was Edington tatsächlich entschied

Die Schlacht entschied vor allem eine zentrale Frage des Jahres 878: Würde Wessex als eigenständiges angelsächsisches Königreich fortbestehen? Alfreds Sieg beantwortete diese Frage zunächst mit Ja. Diese Tatsache hatte langfristig enorme Konsequenzen. Weil Wessex nicht unterging, blieb eine politische Basis bestehen, von der aus Alfred und seine Nachfolger später Gebiete zurückgewinnen und ihre Herrschaft über größere Teile Englands ausdehnen konnten.

Alfred nach Edington – Herrschaft aus der Krise

Der Sieg von 878 beendete nicht sämtliche militärischen Gefahren. Weitere skandinavische Flotten erschienen in den folgenden Jahren, und besonders ab 892 musste Alfred erneut größere Angriffe abwehren. Doch Wessex geriet nie wieder in eine vergleichbare Lage wie zu Beginn des Jahres 878.

Alfred begann beziehungsweise intensivierte in den folgenden Jahren tiefgreifende Reformen seiner Verteidigung. Ein Netz befestigter Orte – der später im Burghal Hidage dokumentierten Burhs – schuf militärische Stützpunkte, die schnelle Angriffe erschweren sollten. Zugleich wurde das Heer so organisiert, dass nicht sämtliche verfügbaren Männer gleichzeitig im Feld stehen mussten.

Auch der Ausbau einer Flotte gehört in diesen Zusammenhang. Alfred erkannte, dass eine erfolgreiche Verteidigung nicht allein auf einer großen Feldschlacht beruhen konnte. Edington hatte Wessex gerettet; dauerhafte Reformen sollten verhindern, dass sich die Krise wiederholte.

Edington und Alfreds späterer Ruf

Alfred wurde später als „der Große“ bezeichnet – eine Bezeichnung, die erst nach seiner eigenen Zeit feste Gestalt gewann. Sein Ruf beruht nicht allein auf Edington. Bildungsförderung, Übersetzungsprogramme, Rechtsentwicklung und militärische Reformen gehören ebenfalls zu seiner Herrschaft.

Dennoch nimmt 878 innerhalb seiner Biographie eine Schlüsselstellung ein. Ohne den Sieg über Guthrum hätte es viele dieser späteren Entwicklungen möglicherweise nicht gegeben. Alfreds Herrschaft wäre womöglich ebenso beendet worden wie zuvor jene anderer angelsächsischer Könige.

Alfred selbst war noch nicht König eines vollständig vereinigten England. Northumbria, East Anglia und große Teile des östlichen England lagen außerhalb seiner unmittelbaren Herrschaft. Erst seine Kinder und Enkel sollten die west-sächsische Expansion weiterführen. Deshalb ist es historisch präziser, Alfred als einen entscheidenden Wegbereiter der späteren englischen Königsherrschaft zu betrachten, nicht als alleinigen Gründer eines bereits 878 vollendeten England.

Edington als Wendepunkt – aber nicht als Ende

Der Begriff Wendepunkt passt zu Edington gerade deshalb, weil die Schlacht eine Entwicklung umlenkte, nicht weil sie sämtliche Konflikte beendete. Im Januar 878 stand Wessex kurz davor, seine politische Selbstständigkeit zu verlieren. Wenige Monate später war Guthrums Heer besiegt und zu einer Vereinbarung gezwungen.

Aus dieser veränderten Lage entstanden neue politische Beziehungen. Guthrum zog sich schließlich nach East Anglia zurück und herrschte dort als christlicher König Æthelstan. Alfred konnte sich auf den Wiederaufbau und die Sicherung Wessex konzentrieren. Damit standen sich nun nicht mehr einfach eine christliche und eine heidnische Welt gegenüber. Ein getaufter Herrscher skandinavischer Herkunft regierte in East Anglia, während politische Grenzen und Bündnisse wichtiger wurden als eine einfache religiöse Gegenüberstellung.

Guthrum nach 878

Im Jahr 879 zog Guthrums Heer nach Cirencester und blieb dort eine Zeit lang. 880 ging es nach East Anglia, wo Land aufgeteilt und besiedelt wurde. Guthrum regierte dort bis zu seinem Tod im Jahr 890. Seine spätere Münzprägung unter dem Namen Æthelstan zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich seine politische Stellung verändert hatte. Der ehemalige Gegner Alfreds präsentierte sich nun innerhalb einer christlichen Herrschaftstradition. Das Verhältnis zwischen Alfreds Wessex und Guthrums East Anglia war damit keine einfache Fortsetzung des Krieges. Zwischen beiden Herrschaftsbereichen mussten Grenzen, Handel und rechtliche Konflikte geregelt werden. Der später überlieferte Alfred-Guthrum-Vertrag dokumentiert genau diese neue Realität: Die Männer, die sich 878 auf dem Schlachtfeld gegenübergestanden hatten, gehörten anschließend zu einer politischen Ordnung, in der ihre Gemeinschaften dauerhaft nebeneinander existierten.

Was wir über Edington wirklich wissen

Für kaum ein Ereignis dieser Phase besitzen wir eine ähnlich zusammenhängende Erzählung wie für die Krise von 878. Die Angelsächsische Chronik nennt Chippenham, Alfreds Rückzug, Athelney, die Sammlung des Heeres, Edington, die vierzehntägige Belagerung, die Geiselstellung und Guthrums Taufe. Asser ergänzt Einzelheiten und zeichnet zugleich ein stärker auf Alfred konzentriertes Bild.

Gerade diese gute Überlieferung darf jedoch nicht dazu verleiten, Lücken mit späteren Legenden zu füllen. Wir besitzen keine gesicherten Truppenstärken, keinen detaillierten taktischen Schlachtplan und kein zweifelsfrei archäologisch identifiziertes Schlachtfeld. Die Geschichte von Alfred und den verbrannten Kuchen gehört in spätere Überlieferung, ebenso sollte der sogenannte Vertrag von Wedmore nicht als erhaltene Friedensurkunde von 878 ausgegeben werden. Was bleibt, ist auch ohne diese Ausschmückungen eine außergewöhnliche Geschichte. Ein König verlor innerhalb weniger Tage fast die Kontrolle über sein Reich, zog sich in eine schwer zugängliche Landschaft zurück, stellte innerhalb weniger Monate seine Gefolgschaft wieder her und besiegte den Gegner, der sein Königtum beinahe beendet hätte.

Guthrum war ein skandinavischer Heerführer und später König in East Anglia. Seine Taufe gehört zur politischen Neuordnung nach Alfreds Sieg. Der oft genannte „Vertrag von Wedmore“ ist als Bezeichnung problematisch. Überliefert sind unterschiedliche Vereinbarungen; der spätere Vertrag Alfreds und Guthrums regelt Grenzen und Rechtsfragen. Guthrums christliche Taufe war zugleich religiös und politisch. Sie zeigt, wie skandinavische Herrscher in lokale Institutionen integriert wurden. Edington beendet skandinavische Herrschaft nicht. Große Teile Englands bleiben unter skandinavisch geprägter Herrschaft und entwickeln eigene Mischformen.

Alfred und seine Nachfolger bauen befestigte Zentren und militärische Organisation aus. Die Reaktion auf skandinavische Kriegsführung verändert den angelsächsischen Staat. Wessex und seine Nachfolger erobern schrittweise Gebiete des Danelag zurück und schaffen die Grundlage eines vereinigten englischen Königtums. Mit Sven Gabelbart und Knut kehrt dänische Königsherrschaft über ganz England zurück. Edington war also kein endgültiger Sieg „Englands über die Wikinger“. Die lange englisch-skandinavische Verflechtung kulminiert erneut in Stamford Bridge; wenige Wochen später verändert die normannische Eroberung die politische Ordnung.

Fazit

Die Schlacht von Edington im Jahr 878 war einer der entscheidenden Wendepunkte der politischen Geschichte des angelsächsischen England. Zu Beginn desselben Jahres schien Alfreds Herrschaft beinahe zusammengebrochen zu sein. Guthrums überraschender Vorstoß nach Chippenham hatte große Teile Wessex unter Druck gesetzt, zahlreiche Menschen zur Unterwerfung oder Flucht gezwungen und den König selbst mit einer kleinen Gefolgschaft in die sumpfigen Gebiete Somersets gedrängt. Von Athelney aus gelang es Alfred jedoch, seine politische und militärische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. In der siebten Woche nach Ostern sammelte er Männer aus Somerset, Wiltshire und Hampshire und zog schließlich nach Edington. Dort besiegte sein Heer Guthrums Kräfte in einer offenen Feldschlacht und verfolgte sie bis zu ihrer befestigten Stellung. Der Sieg war damit noch nicht abgeschlossen. Vierzehn Tage lang wurden Guthrums Männer eingeschlossen , bis sie Frieden suchten. Sie stellten Geiseln, versprachen Wessex zu verlassen und Guthrum sagte seine Taufe zu. Erst dieser militärische und politische Gesamterfolg sicherte Alfreds Position. Drei Wochen später wurde Guthrum in Aller getauft, wobei Alfred als sein Taufpate auftrat. Die anschließende Lösung des Chrisambandes fand in Wedmore statt. Gerade diese Abfolge ist wichtig, denn ein umfassender schriftlicher „Vertrag von Wedmore“, der 878 das Danelag geschaffen hätte, ist nicht überliefert. Der erhaltene Vertrag zwischen Alfred und Guthrum gehört in einen späteren beziehungsweise zumindest gesondert zu betrachtenden Zusammenhang. Ebenso wenig vertrieb Alfred bei Edington sämtliche Menschen skandinavischer Herkunft aus England. Große Teile Nord- und Ostenglands standen bereits unter skandinavisch geprägter Herrschaft oder wurden von Siedlern übernommen. Guthrum selbst zog später nach East Anglia und herrschte dort als christlicher König Æthelstan. Edington beendete die skandinavische Präsenz nicht – es setzte ihrer Expansion nach Wessex eine entscheidende Grenze. Gerade dadurch wurde die Schlacht langfristig so bedeutend. Wessex blieb bestehen und konnte sich unter Alfred reorganisieren. Befestigungen, Heeresorganisation und weitere Reformen machten das Königreich widerstandsfähiger. Seine Nachkommen sollten im 10. Jahrhundert von dieser Grundlage aus immer größere Teile Englands unter ihre Herrschaft bringen. Edington schuf deshalb 878 noch kein vereinigtes England. Es sicherte zunächst das Überleben eines einzelnen Königreiches. Doch genau dieses Königreich wurde anschließend zur politischen Kraft, aus der die spätere Einigung weiter Teile Englands hervorging. Der Sieg Alfreds war damit nicht das Ende einer Epoche, sondern der Moment, an dem eine andere Zukunft wieder möglich wurde.
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