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1066: Die Schlacht von Stamford Bridge und der Tod Harald Hardrådes

18.11.2024Verlag NorseStory · Berlinca. 19 Min. Lesezeit

Am 25. September 1066 trafen bei Stamford Bridge östlich von York zwei Könige aufeinander, deren Namen nahezu gleich klingen und deren politische Ziele nicht unterschiedlicher hätten sein können. Harold Godwinson war zu Beginn desselben Jahres zum König der Engländer erhoben worden. Harald Sigurðarson, genannt Hardråde, König von Norwegen, war mit einem großen Heer über die Nordsee gekommen, um selbst Anspruch auf die englische Krone zu erheben. An seiner Seite stand ausgerechnet Tostig Godwinson, der verbannte Bruder des englischen Königs. Nach einem norwegischen Sieg bei Fulford und der Unterwerfung Yorks schien Haralds Feldzug zunächst erfolgreich. Nur fünf Tage später wurde sein Heer bei Stamford Bridge überraschend gestellt und vernichtend geschlagen. Harald und Tostig kamen ums Leben.

Die Schlacht wird häufig als „Ende der Wikingerzeit“ bezeichnet. Als historiographischer Epochenmarker ist diese Datierung verständlich: Ein skandinavischer König führte noch einmal ein großes Heer mit einem direkten Eroberungsanspruch nach England, wurde besiegt und fiel auf dem Schlachtfeld. Doch der 25. September 1066 beendete weder skandinavische Seefahrt noch Expansion, Migration, Handel oder politische Einflussnahme. Bereits wenige Jahre später erschienen erneut dänische Flotten in England. Skandinavische Königreiche blieben eng mit den britischen Inseln verbunden, und normannische Herrschaft selbst war Teil einer Geschichte, deren Wurzeln in der Ansiedlung skandinavischer Gruppen im Westfrankenreich lagen. Stamford Bridge ist deshalb ein sinnvoller konventioneller Endpunkt einer Epoche – kein historischer Schalter, nach dessen Umlegen die Welt des Nordens plötzlich eine andere wurde.

Ebenso wichtig ist die Einordnung der Schlacht in das gesamte Jahr 1066. Stamford Bridge war kein isoliertes Ereignis. Eduard der Bekenner war im Januar ohne Sohn gestorben, mehrere Männer erhoben Ansprüche auf die englische Krone, Tostig hatte bereits vor Haralds Ankunft versucht, militärisch nach England zurückzukehren, und in der Normandie bereitete Herzog Wilhelm seine eigene Invasion vor. Zwischen dem norwegischen Sieg bei Fulford am 20. September, Stamford Bridge am 25. September und der Schlacht von Hastings am 14. Oktober lagen nur 24 Tage. In kaum einem anderen Abschnitt der englischen Geschichte folgten militärische und dynastische Entscheidungen so schnell aufeinander.

1066 – eine englische Krone und mehrere Ansprüche

Als Eduard der Bekenner am 5. Januar 1066 starb, hinterließ er keinen direkten männlichen Nachkommen. Bereits am folgenden Tag wurde Harold Godwinson zum König gekrönt. Harold gehörte zur mächtigsten Adelsfamilie Englands und hatte während Eduards letzter Regierungsjahre eine herausragende politische Stellung eingenommen. Seine Erhebung wurde von den führenden englischen Großen getragen und entsprach damit einem zentralen Element angelsächsischer Königswahl: Abstammung war wichtig, doch die Anerkennung durch die politische Elite spielte ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Harolds Stellung blieb dennoch umstritten. Herzog Wilhelm von der Normandie begründete seinen eigenen Anspruch unter anderem mit einem angeblichen Versprechen Eduards und einem von Harold geleisteten Eid. Wie genau diese Vorgänge zu bewerten sind, hängt stark von normannischen Quellen ab, die nach der Eroberung ihre eigene Legitimation erklärten. Gleichzeitig existierte mit dem jungen Edgar Ætheling ein Angehöriger des alten englischen Königshauses. Und aus Norwegen erhob Harald Hardråde ebenfalls einen Anspruch, der auf ältere Vereinbarungen innerhalb der skandinavisch-englischen Königspolitik zurückgeführt wurde.

Das England des Jahres 1066 stand damit nicht einfach vor einem Kampf zwischen „Angelsachsen und Wikingern“. Es ging um konkurrierende Vorstellungen legitimer Königsherrschaft in einer bereits seit Generationen international verflochtenen politischen Welt. Dänische Könige hatten wenige Jahrzehnte zuvor über England geherrscht, englische Königinnen besaßen normannische Verwandtschaft, und politische Bündnisse verbanden die britischen Inseln mit Skandinavien und dem Kontinent.

Harald Hardrådes Anspruch auf England

Haralds Anspruch auf die englische Krone war nicht einfach die Behauptung eines erfolgreichen Kriegers, er könne nehmen, was er militärisch erobere. Die spätere Überlieferung und moderne Rekonstruktionen verbinden ihn mit einer älteren Nachfolgeregelung zwischen Magnus dem Guten von Norwegen und Harthaknut, dem Sohn Knuts des Großen. Nach dieser Tradition sollte beim kinderlosen Tod eines der beiden der andere dessen Herrschaft übernehmen können. Harthaknut starb 1042 ohne Nachkommen, Magnus erhob daraufhin Ansprüche auf Dänemark und möglicherweise auch auf England.

Ob diese frühere Vereinbarung Harald 1066 tatsächlich einen allgemein anerkannten Rechtsanspruch auf England gab, ist eine andere Frage. Die englische politische Elite hatte zwischenzeitlich Eduard den Bekenner und anschließend Harold Godwinson anerkannt. Harald konnte seinen Anspruch daher nicht allein durch eine alte dynastische Vereinbarung durchsetzen. Er musste ihn militärisch verwirklichen.

Harald war dafür kein unerfahrener Anwärter. Er hatte Jahrzehnte in den politischen und militärischen Konflikten Nordeuropas verbracht, in der Kiewer Rus gelebt, in byzantinischen Diensten gekämpft und seit 1046/47 in Norwegen geherrscht. Seine Laufbahn machte ihn zu einem der erfahrensten Könige seiner Generation – erklärt aber nicht automatisch jede spätere Sagaerzählung über seine Abenteuer.

Tostig Godwinson – der Bruder auf der anderen Seite

Eine Schlüsselrolle spielte Tostig Godwinson, Harolds jüngerer Bruder. Tostig hatte seit 1055 als Earl von Northumbria regiert, war dort jedoch zunehmend auf Widerstand gestoßen. 1065 erhoben sich northumbrische Eliten gegen ihn und setzten Morcar als neuen Earl ein. Harold unterstützte schließlich eine politische Lösung, durch die Tostigs Absetzung bestätigt wurde. Für Tostig muss dies ein schwerer Verlust gewesen sein – politisch wie familiär.

Nach seiner Verbannung suchte er Unterstützung außerhalb Englands und unternahm 1066 bereits eigene Angriffe auf englische Küsten. Schließlich verband er seine Sache mit Harald Hardråde. Welche genauen Verhandlungen zwischen beiden stattfanden und wie Tostig Haralds Entschluss beeinflusste, lässt sich nicht bis ins Detail rekonstruieren. Sicher ist jedoch, dass der norwegische König und der verbannte Bruder des englischen Königs gemeinsam gegen Harold Godwinson vorgingen.

Die norwegische Invasion im September 1066

Haralds Flotte erreichte im September die englische Küste. Mittelalterliche Quellen nennen unterschiedliche beziehungsweise sehr hohe Schiffszahlen; die oft wiederholte Größenordnung von rund 300 Schiffen gehört zur Überlieferung und vermittelt zumindest den Eindruck eines sehr bedeutenden Unternehmens. Eine daraus errechnete exakte Zahl von Kriegern wäre dagegen spekulativ. Wir besitzen keine zuverlässige Mannschaftsliste des norwegischen Heeres.

Nach Angriffen im Nordosten drangen Harald und Tostig über Humber und Ouse in Richtung York vor. Die Wahl dieses Raumes war politisch und strategisch nachvollziehbar. York war seit dem 9. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren skandinavischer und anglo-skandinavischer Geschichte in England gewesen. Auch ein Jahrhundert nach dem Ende der eigenständigen Königsherrschaft von Jórvík bestanden im Norden starke regionale Traditionen und enge Beziehungen über die Nordsee.

Die Verteidigung lag zunächst nicht bei Harold Godwinson selbst. Die Earls Edwin von Mercia und Morcar von Northumbria stellten ein Heer auf und versuchten, den Vormarsch abzufangen. Am 20. September kam es südlich von York zur Schlacht bei Fulford.

20. September – der Sieg bei Fulford

Bei Fulford errangen Harald Hardråde und Tostig einen bedeutenden Sieg. Die Truppen Edwins und Morcars wurden geschlagen, beide Earls überlebten jedoch. Für die englische Verteidigung des Nordens war die Niederlage schwerwiegend. York konnte nun nicht mehr durch ein intaktes regionales Heer geschützt werden.

Die Schlacht zeigt zugleich, warum Stamford Bridge nicht als einzelner überraschender Zusammenstoß betrachtet werden sollte. Fünf Tage vor Haralds Tod hatte der norwegische Feldzug seinen größten Erfolg erreicht. Der militärische Zugang zu York war geöffnet, und Harald befand sich in einer Position, aus der ein weiterer Ausbau seiner Herrschaft zumindest denkbar erschien.

York ergab sich beziehungsweise schloss eine Vereinbarung mit den Siegern. Geiseln sollten gestellt werden, und nach den Quellen sollten außerdem Männer aus der Region für Haralds Heer bereitgestellt werden. Die norwegische Streitmacht zog anschließend nach Stamford Bridge am Derwent, wo weitere Geiseln und Unterstützung erwartet wurden.

York war nicht einfach „erobert“ und dauerhaft besetzt

Die häufige Formulierung, Harald habe York nach Fulford „erobert“, benötigt deshalb etwas Präzision. Die Stadt unterwarf sich nach der Niederlage der regionalen Verteidigung und traf Vereinbarungen mit dem Sieger. Harald richtete dort jedoch keine langfristige Herrschaft ein, weil sein Feldzug bereits wenige Tage später zusammenbrach.

Seine Schiffe lagen weiter südlich bei Riccall an der Ouse. Ein Teil der Mannschaft blieb dort zur Sicherung der Flotte zurück. Die Männer bei Stamford Bridge befanden sich damit nicht unmittelbar bei ihrer gesamten maritimen Infrastruktur. Diese räumliche Trennung sollte beim überraschenden Auftauchen Harolds eine wichtige Rolle spielen.

Harold Godwinsons Marsch nach Norden

Während Harald und Tostig im Norden vorgingen, hatte Harold Godwinson einen erheblichen Teil des Sommers mit Blick auf eine mögliche normannische Landung an der Südküste verbracht. Wilhelm bereitete jenseits des Kanals eine Invasion vor, doch ungünstige Winde verzögerten die Überfahrt. Anfang September konnten die englischen Kräfte nicht unbegrenzt an der Küste gehalten werden; Versorgung und Dienstpflichten setzten ihrer Mobilisierung Grenzen.

Dann erreichten Harold Nachrichten vom norwegischen Angriff. Seine Reaktion gehört zu den bemerkenswertesten militärischen Leistungen des Jahres. Der König bewegte sich mit seinen Kräften in sehr kurzer Zeit von Südengland nach Yorkshire und sammelte auf dem Weg weitere Männer. Die Angelsächsische Chronik hebt ausdrücklich hervor, dass er Tag und Nacht nach Norden zog.

Die genaue Tagesleistung einzelner Truppenteile lässt sich nicht mit moderner Präzision rekonstruieren. Häufig genannte Angaben von etwa 185 oder 200 Meilen innerhalb weniger Tage veranschaulichen jedoch die außergewöhnliche Geschwindigkeit. Am 24. September befand sich Harold in der Gegend von Tadcaster; am folgenden Tag zog er durch York und weiter nach Stamford Bridge.

Die Überraschung von Stamford Bridge

Am 25. September 1066 erreichte das englische Heer die Stellung Haralds und Tostigs. Die Geschwindigkeit des Vormarsches hatte offenbar dazu geführt, dass die norwegisch-englische Streitmacht nicht mit einem unmittelbaren Angriff des Königs rechnete. Die Quellen vermitteln deutlich den Eindruck einer Überraschung.

Spätere Überlieferungen betonen, viele Männer Haralds hätten aufgrund des warmen Tages Teile ihrer Rüstung bei den Schiffen zurückgelassen. Solche Einzelheiten stammen vor allem aus nordischen Erzähltraditionen und sollten nicht zum zweifelsfreien Ausrüstungszustand jedes Kämpfers gemacht werden. Plausibel ist jedoch, dass ein Heer, das auf Geiselübergaben und nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Feldschlacht eingestellt war, militärisch ungünstig überrascht werden konnte. Ein zusätzlicher Nachteil bestand darin, dass Teile des norwegischen Heeres bei den Schiffen in Riccall geblieben waren. Verstärkungen mussten erst zum Schlachtfeld gelangen.

Verhandlungen vor der Schlacht?

Die spätere nordische Überlieferung erzählt ausführliche Gespräche zwischen den Gegnern. Harold soll Tostig die Rückgabe seiner früheren Stellung angeboten haben, während Harald Hardråde lediglich „sieben Fuß englischen Boden“ – oder etwas mehr wegen seiner Größe – erhalten sollte. Diese Szene gehört zu den bekanntesten Geschichten des Feldzuges.

Sie ist literarisch wirkungsvoll, aber kein gesichertes Gesprächsprotokoll des 25. September. Unsere ausführlichen nordischen Erzählungen entstanden lange nach der Schlacht. Sie können ältere Traditionen bewahren, doch wörtliche Reden gehören grundsätzlich zu den Teilen mittelalterlicher Geschichtsschreibung, die besonders vorsichtig behandelt werden müssen.

Die Schlacht von Stamford Bridge

Der genaue taktische Verlauf lässt sich nur in Grundzügen rekonstruieren. Der Name Stamford Bridge verweist auf den Übergang über den River Derwent. Die englischen Kräfte mussten den Fluss beziehungsweise die Brücke überwinden, bevor sie das Hauptheer auf der anderen Seite vollständig angreifen konnten. Die Kämpfe zogen sich nach der Angelsächsischen Chronik lange über den Tag hin.

Harald und Tostig konnten ihre Männer zum Widerstand sammeln, doch die Lage blieb schwierig. Das englische Heer hatte die Initiative, während die Verstärkung aus Riccall erst herangeführt werden musste. Im Verlauf der Kämpfe fiel Harald Hardråde. Auch Tostig wurde getötet. Mit dem Tod beider führenden Anspruchsträger verlor die Invasion ihre politische Spitze.

Die Chronik beschreibt anschließend eine schwere Niederlage und Flucht der Überlebenden. Männer ertranken oder wurden während der Verfolgung getötet. Die englische Seite behielt das Schlachtfeld. Damit war innerhalb eines einzigen Tages der Feldzug, der fünf Tage zuvor bei Fulford noch so erfolgreich gewirkt hatte, praktisch zusammengebrochen.

Der berühmte Verteidiger auf der Brücke

Eine der eindrucksvollsten Episoden findet sich in einer Fassung der Angelsächsischen Chronik: Ein einzelner Norweger soll den englischen Vormarsch an der Brücke aufgehalten und verhindert haben, dass das Heer den Übergang nehmen konnte. Schließlich sei ein Engländer unter die Brücke gelangt und habe den Verteidiger von unten tödlich verwundet. Damit besitzt die Geschichte eine mittelalterliche Quellenbasis und ist nicht lediglich eine moderne Erfindung. Dennoch wurde sie in späteren Chroniken weiter ausgeschmückt. Dort erhält der namenlose Krieger eine nahezu übermenschliche Rolle und soll zahlreiche Gegner erschlagen haben. Der Kern der Episode ist überliefert; ihre spektakulärsten Einzelheiten gehören zu ihrer späteren literarischen Entwicklung. Auch der häufig dargestellte „Berserker auf der Brücke“ ist deshalb problematisch. Die zeitnahe englische Überlieferung nennt einen norwegischen Kämpfer – sie liefert uns keine sichere Grundlage dafür, ihn als Berserker im spezifischen altnordischen Sinn zu identifizieren.

Wie starb Harald Hardråde?

Dass Harald bei Stamford Bridge fiel, ist gesichert. Die berühmte Darstellung, er sei von einem Pfeil in den Hals getroffen worden, stammt dagegen aus der späteren nordischen Überlieferung, insbesondere aus der Sagaerzählung über Harald. Die Angelsächsische Chronik nennt seinen Tod, beschreibt jedoch die konkrete tödliche Verletzung nicht in dieser Form.

Die Unterscheidung ist wichtig. Es spricht nichts dagegen, die Pfeilgeschichte als Teil der mittelalterlichen Harald-Tradition zu erzählen. Sie sollte lediglich nicht als durch einen zeitnahen Augenzeugenbericht belegte Todesursache präsentiert werden. Gesichert ist sein Tod im Kampf; die genaue Art seiner tödlichen Verwundung bleibt Teil der Überlieferung.

Das Ende des norwegischen Feldzuges

Nach Haralds und Tostigs Tod brach der Widerstand nicht augenblicklich überall zusammen. Nach der nordischen Sagaüberlieferung erreichten Verstärkungen unter Eystein Orre das Schlachtfeld und unternahmen einen heftigen Gegenangriff, der später als „Orres Sturm“ bezeichnet wurde. Auch diese detaillierte Phase ist vor allem durch spätere nordische Texte überliefert und lässt sich nicht in allen Einzelheiten aus den zeitnäheren englischen Nachrichten bestätigen.

Am Ende war die Niederlage jedoch vollständig. Die Angelsächsische Chronik schildert eine schwere Verfolgung der fliehenden Kräfte bis in Richtung ihrer Schiffe. Harold Godwinson gewährte schließlich Olaf, dem Sohn Haralds, sowie weiteren hochrangigen Überlebenden freien Abzug, nachdem sie Friedens- und Treueeide geleistet hatten.

Besonders eindrucksvoll ist die Nachricht, dass für die Rückfahrt nur 24 Schiffe benötigt wurden. Diese Angabe steht in der Chronik selbst. Sie wird häufig mit den etwa 300 Schiffen der ursprünglichen Flotte verglichen und dadurch zu einem Bild nahezu vollständiger Vernichtung. Trotzdem sollten wir daraus keine exakten Verlustprozente errechnen: Nicht jedes ursprünglich genannte Schiff muss mit voller Besatzung am Schlachtfeld beteiligt gewesen sein, und Teile der Flotte beziehungsweise ihrer Mannschaften waren in Riccall zurückgeblieben.

Harold hatte seinen nördlichen Gegner besiegt

Militärisch war Stamford Bridge ein außergewöhnlicher Erfolg für Harold Godwinson. Innerhalb kürzester Zeit hatte er auf eine Invasion am anderen Ende seines Königreiches reagiert, ein Heer nach Norden geführt und den norwegischen König besiegt. Harald Hardrådes Anspruch auf die englische Krone endete mit seinem Tod.

Doch Harold konnte diesen Sieg kaum nutzen. Während er noch im Norden stand, änderte sich die strategische Lage erneut. Nur wenige Tage nach Stamford Bridge setzte Wilhelm von der Normandie über den Ärmelkanal. Seine Flotte landete am 28. September bei Pevensey in Sussex. Harold musste nun eine zweite große Invasion innerhalb weniger Wochen beantworten.

Von Yorkshire zurück in den Süden

Der englische König zog erneut in großer Geschwindigkeit nach Süden. In London sammelte er weitere Kräfte, bevor er Wilhelm entgegentrat. Am 14. Oktober 1066 trafen die beiden Heere bei Hastings aufeinander.

Wie stark Stamford Bridge direkt für Harolds Niederlage bei Hastings verantwortlich war, lässt sich nicht exakt messen. Der Nordfeldzug hatte zweifellos Zeit, Energie und Menschen gekostet. Die Truppen Edwins und Morcars waren bereits bei Fulford schwer getroffen worden. Teile von Harolds eigenem Heer hatten bei Stamford Bridge gekämpft und mussten anschließend erneut weit nach Süden ziehen. Gleichzeitig sammelte Harold unterwegs neue Männer, und wir kennen weder den exakten Anteil der Veteranen von Stamford Bridge bei Hastings noch den körperlichen Zustand jedes Verbandes. Stamford Bridge war ein wichtiger Faktor innerhalb der Belastungen des Jahres 1066 – aber keine monokausale Erklärung für Wilhelms Sieg.

14. Oktober – Hastings verändert die Geschichte erneut

Nur neunzehn Tage nach Stamford Bridge stand Harold erneut auf einem Schlachtfeld. Bei Hastings traf sein Heer auf die normannischen Kräfte Wilhelms. Anders als im Norden endete die Schlacht mit Harolds Tod und dem Zusammenbruch der unmittelbaren englischen Gegenwehr gegen Wilhelms Anspruch.

Damit erscheinen Fulford, Stamford Bridge und Hastings als unmittelbar zusammenhängende Ereigniskette. Am 20. September wurde ein nordenglisches Heer geschlagen. Am 25. September vernichtete Harold den norwegischen Invasionsverband. Am 28. September landete Wilhelm. Am 14. Oktober fiel Harold.

Gerade deshalb gehört Stamford Bridge nicht nur in eine Geschichte des Endes der Wikingerzeit. Die Schlacht ist zugleich Teil der Vorgeschichte der normannischen Eroberung Englands. Ein Sieg, der Harolds Königsherrschaft retten sollte, zwang ihn zu einer militärischen Belastung unmittelbar vor der zweiten existenziellen Auseinandersetzung seines kurzen Königtums.

War Harald Hardråde der „letzte Wikinger“?

Harald wird häufig als „der letzte große Wikinger“ bezeichnet. Als literarische Kurzform für seine außergewöhnliche Laufbahn ist verständlich, warum sich diese Bezeichnung durchgesetzt hat. Historisch ist sie jedoch zu absolut. Schon die Frage, wer überhaupt als „Wikinger“ bezeichnet werden soll, macht einen solchen Titel schwierig.

Harald war 1066 vor allem König von Norwegen. Er stand an der Spitze eines christlichen Königreiches, prägte Münzen, betrieb Diplomatie, führte innenpolitische Konflikte und beanspruchte eine andere europäische Krone. Seine Biographie war von außergewöhnlicher militärischer Mobilität geprägt, aber sie gehört ebenso in die Geschichte der mittelalterlichen Königsherrschaft wie in jene der Wikingerzeit.

Und nach seinem Tod verschwanden nordische Heere keineswegs aus England. Bereits 1069/70 erschien eine große dänische Flotte im Zusammenhang mit Aufständen gegen Wilhelm den Eroberer. Spätere skandinavische Könige unterhielten weiterhin Ambitionen und Verbindungen auf den britischen Inseln.

Warum 1066 trotzdem als Epochenende sinnvoll ist

Historische Epochen benötigen häufig Daten, an denen Entwicklungen anschaulich festgemacht werden können. 793 mit Lindisfarne und 1066 mit Stamford Bridge haben sich deshalb als klassische Grenzen der Wikingerzeit eingebürgert. Beide Daten sind Konventionen. Skandinavische Expansion begann nicht plötzlich an einem einzigen Junitag 793 und endete nicht an einem Septembertag 1066.

Dennoch besitzt Stamford Bridge symbolische Kraft. Ein norwegischer König führte noch einmal eine große Flotte nach England, schlug ein regionales Heer, gewann York für kurze Zeit und erhob Anspruch auf die englische Krone. Fünf Tage nach seinem Sieg bei Fulford lag Harald Hardråde tot auf einem Schlachtfeld in Yorkshire. Mit ihm endete tatsächlich eine Form großangelegter skandinavischer Königsexpansion, die die britischen Inseln seit Jahrhunderten geprägt hatte – auch wenn die größere Geschichte selbstverständlich weiterging.

Die Quellen zu Stamford Bridge

Für die Ereignisse besitzen wir mehrere Überlieferungsstränge mit sehr unterschiedlicher Nähe zur Schlacht. Besonders wichtig ist die Angelsächsische Chronik. Sie berichtet über Harald und Tostig, Fulford, Harolds Marsch nach Norden, die Schlacht, den Tod der beiden Anführer, die Verfolgung und den Abzug der Überlebenden. Einzelne Handschriften unterscheiden sich jedoch in Umfang und Formulierungen.

Spätere englische Chronisten erweiterten diese Erzählungen. Noch ausführlicher sind die nordischen Königssagas, besonders die mit Harald verbundene Überlieferung, die Jahrhunderte später in Werken wie Snorri Sturlusons Heimskringla schriftliche Gestalt erhielt. Dort erscheinen detaillierte Gespräche, Truppenbewegungen, Haralds Pfeiltod und der Gegenangriff Eystein Orres. Diese Texte sind für die Erinnerung an Harald unverzichtbar, dürfen jedoch nicht dieselbe quellenkritische Gewichtung erhalten wie zeitnähere englische Zeugnisse. Je genauer eine Episode nur in Jahrhunderte späterer Überlieferung erscheint, desto vorsichtiger muss sie als konkrete Tatsache des Jahres 1066 formuliert werden.

Was wir sicher sagen können

Außergewöhnlich gut gesichert sind die großen Eckpunkte: Eduards Tod und Harolds Königserhebung im Januar, Haralds und Tostigs Invasion, Fulford am 20. September, die Unterwerfung Yorks, Harolds schneller Nordmarsch, Stamford Bridge am 25. September, der Tod Haralds und Tostigs sowie der englische Sieg. Ebenso steht fest, dass Wilhelm nur wenige Tage später in Sussex landete und Harold am 14. Oktober bei Hastings fiel. Vorsichtiger müssen wir mit exakten Heeresgrößen, einzelnen Dialogen und bestimmten dramatischen Episoden umgehen. Selbst die berühmte Todesart Haralds ist quellenkritisch anders zu behandeln als die Tatsache seines Todes. Gerade dadurch verliert Stamford Bridge nichts von seiner Wirkung. Die belegbare Ereigniskette ist bereits außergewöhnlich genug.

Stamford Bridge als Erinnerung an eine Übergangszeit

Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung der Schlacht deshalb weniger in der Vorstellung vom „letzten Wikinger“ als in der Überschneidung zweier Epochenbilder. Harald Hardråde gehört mit seinen Fahrten, seiner Zeit in der Rus und in Byzanz sowie seinen skandinavischen Kriegen noch sehr deutlich in jene weitreichende maritime Welt, die wir mit der Wikingerzeit verbinden. Gleichzeitig war er christlicher König eines zunehmend konsolidierten norwegischen Reiches. Harold Godwinson wiederum verteidigte ein England, das selbst über Jahrhunderte durch skandinavische Migration und Herrschaft verändert worden war. Und Wilhelm von der Normandie, der wenige Wochen später siegte, entstammte einer Herrschaft, deren Ursprung wiederum in der Ansiedlung nordischer Gruppen an der Seine lag. 1066 war deshalb nicht der Moment, in dem „die Wikinger“ auf die mittelalterliche Welt trafen und verschwanden. Es war ein Jahr, in dem längst miteinander verflochtene nordische, englische und normannische Herrschaftstraditionen um dieselbe Krone kämpften.

Die politischen Reiche wurden stärker institutionalisiert, doch Verbindungen über das Meer blieben bestehen. Hansehandel, königliche Heiraten und kirchliche Netzwerke verbanden dieselben Räume weiterhin. Die Wikingerzeit endet als historische Epoche; die nordische Geschichte endet selbstverständlich nicht.

Harold Godwinson gewann bei Stamford Bridge und verlor am 14. Oktober bei Hastings gegen Wilhelm. Diese Abfolge macht 1066 so außergewöhnlich. Normannen besaßen skandinavische Vorfahren, waren zu diesem Zeitpunkt aber französischsprachige christliche Aristokraten. Hastings war nicht einfach die erfolgreiche Version derselben Wikingerinvasion.

England wurde wenige Wochen später normannisch erobert

Haralds Sohn Magnus II. und sein Bruder Olav Kyrre folgten in der Herrschaft. Unter Olav verdichteten sich Städte, Kirche und königliche Verwaltung. Die Geschichte nach dem „letzten Wikinger“ führt geradewegs in das christliche mittelalterliche Königreich Norwegen.

Auch nach 1066 fuhren skandinavische Könige und Krieger über Nordsee und Atlantik. Handel, Kreuzzüge, Bürgerkriege und königliche Flotten prägten die folgenden Jahrhunderte. Stamford Bridge beendet deshalb keine Fähigkeit und keine Bevölkerung – es eignet sich als Epochengrenze, weil sich politische Strukturen verändert hatten.

Harold Godwinson führte sein Heer überraschend schnell nach Norden und traf die Invasoren am 25. September bei Stamford Bridge. Harald Hardråde fiel in der Schlacht. Die berühmte Erzählung vom einzelnen Norweger auf der Brücke gehört zur späteren Chroniktradition und ist nicht sicher als Augenzeugenbericht zu lesen. Harald wird populär als letzter Wikinger bezeichnet. Er war zugleich ein christlicher norwegischer König mit byzantinischer Militärerfahrung und europäischer Dynastiepolitik.

Nur wenige Wochen später musste Harold II. gegen Wilhelm von der Normandie nach Süden ziehen und fiel am 14. Oktober bei Hastings. Das Jahr eignet sich symbolisch, weil ein großer norwegischer Eroberungsversuch scheitert und normannische Herrschaft England neu ordnet. Es beendet aber weder skandinavische Seefahrt noch nordische Kriegsführung. Norwegen entwickelt sich als christliches mittelalterliches Königreich weiter. Bürgerkriegszeit, Kirche und königliche Zentralisierung gehören in die folgenden Jahrhunderte.

Fazit

Die Schlacht von Stamford Bridge am 25. September 1066 war ein entscheidender englischer Sieg über die Invasion Harald Hardrådes und Tostig Godwinsons. Nur fünf Tage zuvor hatte ihr Heer bei Fulford die Kräfte der Earls Edwin und Morcar besiegt und York zur Unterwerfung gezwungen. Der norwegische Anspruch auf England schien damit keineswegs aussichtslos. Harold Godwinsons schneller Marsch nach Norden veränderte die Lage innerhalb weniger Tage vollständig. Bei Stamford Bridge wurde Haralds Heer überraschend gestellt und nach schweren Kämpfen geschlagen. Harald Hardråde und Tostig Godwinson kamen ums Leben. Die Überlebenden wurden bis in Richtung ihrer Schiffe verfolgt, und die Angelsächsische Chronik berichtet schließlich von einem Abzug mit nur 24 Schiffen nach entsprechenden Friedenseiden. Die genaue Zahl der ursprünglich beteiligten Kämpfer lässt sich daraus jedoch nicht sicher errechnen. Auch einige der berühmtesten Episoden benötigen eine quellenkritische Einordnung. Der einzelne norwegische Krieger, der den englischen Übergang über die Brücke aufgehalten haben soll, besitzt tatsächlich eine Grundlage in der mittelalterlichen englischen Chroniküberlieferung. Die später immer spektakulärere Geschichte dieses Kämpfers darf jedoch nicht vollständig auf eine zeitgenössische Augenzeugenschilderung reduziert werden. Ebenso ist Haralds angeblicher Tod durch einen Pfeil in den Hals vor allem aus der späteren nordischen Sagaüberlieferung bekannt . Gesichert ist sein Tod in der Schlacht, nicht die exakte Art seiner letzten Verletzung. Vor allem lässt sich Stamford Bridge nicht aus dem übrigen Jahr 1066 herauslösen. Eduard der Bekenner war im Januar ohne direkten männlichen Erben gestorben. Harold Godwinson war zum König erhoben worden, während Wilhelm von der Normandie und Harald Hardråde eigene Ansprüche verfolgten. Tostig wiederum kämpfte gegen seinen eigenen Bruder. 1066 war eine dynastische und militärische Krise mit mehreren miteinander konkurrierenden Machtzentren. Harolds Sieg im Norden löste diese Krise deshalb nur für wenige Tage. Drei Tage nach Stamford Bridge landete Wilhelm in Sussex. Der englische König musste erneut nach Süden ziehen, bevor er am 14. Oktober 1066 bei Hastings auf das normannische Heer traf und dort selbst fiel. Stamford Bridge und Hastings gehören damit in eine zusammenhängende Ereigniskette, ohne dass Harolds Niederlage im Süden allein durch seine vorherige Nordkampagne erklärt werden könnte. Die verbreitete Bezeichnung Harald Hardrådes als „letzten Wikinger“ sollte ebenfalls mit Vorsicht verwendet werden. Harald war König von Norwegen und Teil einer christlichen europäischen Herrscherwelt. Nach 1066 fanden weiterhin skandinavische Feldzüge, Migration, Handel und politische Einflussnahme auf den britischen Inseln statt. Schon 1069/70 kehrten große dänische Flotten nach England zurück. Die Beziehungen zwischen Skandinavien und den britischen Inseln rissen nicht ab. Trotzdem besitzt das Jahr 1066 einen berechtigten Platz als konventioneller Endpunkt der Wikingerzeit . Epochen werden von Historikern geschaffen, um lange Entwicklungen verständlich zu gliedern. Stamford Bridge bietet dafür ein außergewöhnlich einprägsames Ereignis: Ein norwegischer König führte einen großen Eroberungszug über die Nordsee, errang zunächst einen bedeutenden Sieg und fiel wenige Tage später gemeinsam mit seinem wichtigsten englischen Verbündeten. Die Wikingerzeit endete deshalb nicht buchstäblich am 25. September 1066. Aber Stamford Bridge markiert einen tiefen Wandel. Die Epoche der großen skandinavischen Heerzüge und dauerhaften Landnahmen in England, die seit dem 9. Jahrhundert die politische Ordnung der Insel verändert hatte, war weitgehend vorüber. An ihre Stelle traten konsolidierte christliche Königreiche, deren Herrscher weiterhin über die Nordsee hinweg miteinander konkurrierten und kooperierten. Harald Hardråde steht genau an dieser Grenze. Seine Lebensgeschichte reicht von den skandinavischen Machtkämpfen über die Kiewer Rus und Byzanz bis zur norwegischen Königsherrschaft und schließlich nach England. Sein Tod bei Stamford Bridge ist deshalb kein endgültiger Schlusspunkt nordischer Geschichte – aber ein außergewöhnlich passender Schlusspunkt für eine historische Epoche, deren Menschen Europa über fast drei Jahrhunderte hinweg tiefgreifend verändert hatten.
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