Der Blog zur nordischen Mythologie und den Wikingern

Farben der Wikinger: Violett

In der rauen Welt der Wikinger, in der Naturgewalten und göttliche Mächte das Leben bestimmten, war Lila eine Farbe voller Mysterium. Sie war kostbar, selten und schwer zu gewinnen – und gerade deshalb eine der mächtigsten Farben im spirituellen und gesellschaftlichen Gefüge der nordischen Völker. Wo sie auftauchte, deutete sie auf Macht, spirituelle Tiefe und rituelle Bedeutung hin. Lila war nicht für den Alltag bestimmt – sondern für jene Momente, in denen sich die Menschen den Göttern näherten oder die höchsten Ämter des Lebens bekleideten.

Farben der Wikinger: Violett

Symbolik in der Gesellschaft – Die Bedeutung der Farbe Lila

Die Wikinger verbanden mit Farben nicht nur ästhetische Werte, sondern spirituelle und gesellschaftliche Konzepte. Lila wurde mit Adel, Geheimwissen, spiritueller Kraft und Magie assoziiert. Es war eine Farbe, die Respekt forderte – nicht laut und wild wie Rot, sondern tiefgründig, mächtig und fast unheimlich.

Wer Lila trug, der bewegte sich nahe an den Schleiern der anderen Welt: an den Göttern, an den Ahnen, an den Runen, an der Seiðr-Magie. In zeremoniellen Gewändern, bei Runenritualen oder bei kultischen Handlungen wurde Violett gezielt eingesetzt, um den Zugang zum Unsichtbaren zu stärken.

Lila wurde außerdem als Zeichen von Autorität und Weisheit verstanden. In manchen Regionen galt es als eine Farbe, die nur Anführern, Priestern oder Seherinnen vorbehalten war – jenen also, die Verantwortung über das Schicksal einer Gemeinschaft trugen.

Wie wurde Lila in der Wikingerzeit gewonnen? – Auf der Suche nach dem Purpur

Das Herstellen eines kräftigen Violetttons war in Skandinavien eine alchemistische Kunst. Anders als in südlichen Kulturen, wo der berühmte Purpurfarbstoff aus Meeresschnecken gewonnen wurde, mussten die Wikinger kreativ mit ihren natürlichen Ressourcen umgehen.

Nur über Fernhandel – etwa entlang der Flüsse nach Süden oder über das Frankenreich – konnten kleine Mengen des teuren Purpurs importiert werden. Diese wurden wie Gold gehütet und kamen meist nur bei hochrangigen Persönlichkeiten oder in Ritualkleidung zum Einsatz.

Einheimische Methoden kombinierten Pflanzen wie Färberkrapp (für Rottöne) mit Waid oder Indigo (für Blau), um ein Violett zu erzeugen. Doch diese Töne waren oft stumpfer, dunkler – eher symbolisch als leuchtend. Trotzdem waren sie ausdrucksstark genug, um Status zu vermitteln.

Auch Beerenfarbstoffe – etwa aus Holunder, Brombeere oder Heidelbeere – kamen zum Einsatz, besonders bei kleineren Kleidungsstücken, Kopftüchern oder Gürtelborten. Ihre blassen Violetttöne verwelkten jedoch schnell und waren damit mehr Zeichen des Moments als dauerhafte Pracht.

Besondere Verwendung von Lila – Wo die Farbe wirklich zählte

Im Alltag war Lila kaum zu sehen – dafür jedoch umso eindrucksvoller bei besonderen Anlässen. Zeremonien, Blóts (Opferfeste), göttliche Riten oder Seiðr-Zusammenkünfte waren Momente, in denen violette Töne ihre Macht entfalteten.

Priesterinnen und Völvas, die mit der Welt der Geister kommunizierten, sollen in dunklen Violetttönen gekleidet gewesen sein – Zeichen für ihren Zugang zum Verborgenen. Auch Banner und rituelle Tücher, die in kultischen Handlungen genutzt wurden, konnten violette Verzierungen tragen – nicht als Hauptfarbe, sondern als magischer Akzent.

In Adelsgewändern und bei Bestattungen war Violett ebenfalls ein Hinweis auf Macht und jenseitige Bedeutung. Kleidungsreste, die in Gräbern mit Indigo und Krapp gemischt gefärbt wurden, geben Hinweise darauf, dass diese Farben Bewusstseinsräume markierten – zwischen Leben und Tod, Diesseits und Jenseits.

Farbkombinationen – Wenn Lila auf Rot oder Blau trifft

Lila entstand oft aus der Mischung von Blau und Rot – und wurde so zur Verbindung von zwei polaren Kräften. In der Symbolik galt Rot als aktiv, feurig und körperlich, während Blau für Kälte, Tiefe und Spiritualität stand.

Lila brachte diese Gegensätze in harmonische Balance. Daher wurde es gerne mit Gold kombiniert – ein weiteres Symbol für Licht, Macht und göttliche Gunst. Die Kombination von Lila und Gold war eine machtausstrahlende Farbwahl, die vor allem in zeremoniellen Gewändern ihre Wirkung entfaltete.

Götterzugehörigkeit – Lila als Farbe Odins

Odin, der Gott der Weisheit, Magie, Runen und des Opfers, wird oft mit dunklen, geheimnisvollen Farben assoziiert – darunter auch Violett. Zwar gibt es keinen direkten Beleg für lilafarbene Kleidung Odins, doch die symbolische Verbindung ist überdeutlich.

Lila steht für Wissen, das verborgen liegt, für jene Ebenen, die sich nur durch Opfer, Suche und geistige Reife öffnen. Odin, der sein Auge für Weisheit opferte, durch die Welt der Toten ritt und sich selbst an den Weltenbaum hing, um die Runen zu finden – ist ein Archetyp jener Kraft, die Lila verkörpert: das Streben nach Wahrheit jenseits des Sichtbaren.

Zusammenfassung zur Farbe der Wikinger Violett

Lila war in der Welt der Wikinger eine Ausnahmefarbe – selten, teuer, schwer herzustellen, aber voller Kraft. Sie war reserviert für jene, die zwischen den Welten wandelten: Seherinnen, Götter, Anführer. Als Zeichen der Nähe zum Heiligen, zur Weisheit und zum Göttlichen war Lila mehr als nur ein Farbton – es war ein Schleier, der zwischen Diesseits und Jenseits schwebte. Wer ihn trug, zeigte: Ich trage Wissen, Magie und Verantwortung. In der modernen Welt wird Lila oft als spirituelle oder kreative Farbe verstanden – doch wer ihre ursprüngliche Bedeutung kennt, weiß: Lila ist eine Farbe der Schwelle. Und an der Schwelle beginnt jede Reise ins Unbekannte.


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