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Beltane: Keltisch oder nordisch?

Wenn heute vom Jahreskreis alter Völker gesprochen wird, fällt häufig der Name Beltane. Feuer auf Hügeln, Fruchtbarkeitsrituale, Übergänge zwischen Winter und Sommer – Bilder von tanzenden Menschen um lodernde Flammen prägen die moderne Vorstellung dieses Festes. Doch bei aller Faszination ist eines entscheidend: Beltane ist kein nordisches Fest. Es gehört in den keltischen Kulturraum, insbesondere nach Irland und Schottland.

Für ein Werk wie Die Lehre der nordischen Rituale und Feste ist diese Differenzierung essenziell. Denn historische Genauigkeit verlangt, zwischen belegter nordischer Kultpraxis und späteren oder fremdkulturellen Zuschreibungen klar zu unterscheiden. Beltane steht exemplarisch für ein Fest, das häufig mit „Wikingerritualen“ vermischt wird – ohne dass es dafür belastbare Quellen gibt.

Beltane: Keltisch oder nordisch?

Ursprung und historische Einordnung von Beltane

Der Name Beltane (altirisch Beltene) wird meist mit dem Gott Belenus oder dem Begriff „helles Feuer“ in Verbindung gebracht. Die frühesten schriftlichen Hinweise stammen aus mittelalterlichen irischen Quellen, darunter das Sanas Cormaic sowie verschiedene Annalen. Dort wird Beltane als Fest zum Beginn des Sommers beschrieben, gefeiert um den 1. Mai.

Die zentrale Symbolik war das Reinigungs- und Schutzfeuer. Vieh wurde zwischen zwei Feuern hindurchgeführt, um es vor Krankheit und Unheil zu bewahren. Gemeinschaften entzündeten große Höhenfeuer, die weithin sichtbar waren und den Übergang in die lichte Jahreszeit markierten.

Wichtig ist hier die geografische und kulturelle Verortung: Beltane ist im inselkeltischen Raum verankert. Es gehört in denselben Zusammenhang wie Samhain, Imbolc und Lughnasadh – die vier großen Jahreskreisfeste der keltischen Welt.

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Beltane und die nordische Welt – eine notwendige Abgrenzung

In der nordischen Überlieferung existiert kein Fest namens Beltane. Die Quellen der Edda, die Sagas, archäologische Funde und Runeninschriften nennen dieses Fest nicht.

Was es jedoch im nordischen Raum gibt, sind Übergangszeiten im Jahreslauf. Besonders bedeutend war die Einteilung des Jahres in Winter- und Sommerhälfte. Der Beginn des Sommers wurde in Island beispielsweise mit dem Sumarmál begangen – einem Termin im April, der den Eintritt in die helle Jahreshälfte markierte.

Auch hier spielte die Vorstellung des Übergangs eine Rolle. Doch anders als bei Beltane sind die Quellen spärlicher und weniger ritualisiert beschrieben. Es finden sich keine expliziten Hinweise auf doppelte Feuer oder das Hindurchführen von Vieh als zentralen Akt.

Eine Gleichsetzung von Beltane mit nordischen Sommerfesten wäre daher historisch unzulässig. Zwar kannten auch die Nordgermanen Feuer als rituelles Element, doch der konkrete Beltane-Ritus gehört in den keltischen Kulturraum.

Feuer als gemeinsames Motiv – aber kein Beweis für Identität

Das Feuer war in nahezu allen indoeuropäischen Kulturen ein sakrales Element. Es reinigte, schützte und markierte Übergänge. In der nordischen Welt war es bei Bestattungen, Opferfesten (Blóts) und Schwurritualen präsent.

Die Existenz von Feuer in beiden Kulturen bedeutet jedoch nicht, dass die Feste identisch waren. Ähnliche symbolische Handlungen entstehen oft unabhängig voneinander, weil sie grundlegende menschliche Erfahrungen widerspiegeln – Licht in der Dunkelheit, Wärme nach dem Winter, Schutz vor Krankheit.

Historisch betrachtet gibt es keine Belege dafür, dass Wikinger Beltane feierten oder das Fest in ihre religiöse Praxis übernahmen.

Beltane im Kontext der Wikingerzeit – mögliche Berührungspunkte

Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert kamen nordische Siedler nach Irland und Schottland. Städte wie Dublin entstanden unter starkem skandinavischem Einfluss. Hier begegneten sich keltische und nordische Kulturen.

Es ist daher denkbar, dass nordische Siedler Beltane beobachteten oder sogar an lokalen Feiern teilnahmen. Doch solche Kontakte sind nicht gleichzusetzen mit einer Übernahme in die nordische Religionspraxis.

Die Wikinger waren pragmatische Händler und Siedler. Kulturelle Durchmischung fand statt, doch religiöse Systeme blieben in vielen Fällen klar unterscheidbar.

Die symbolische Bedeutung von Beltane

Beltane markiert den Übergang vom Dunkel ins Licht, vom Winter in die Zeit des Wachstums. Es ist ein Fest der Fruchtbarkeit, der Lebenskraft und der Gemeinschaft.

In symbolischer Hinsicht steht es für das Öffnen der Grenzen – zwischen Jahreszeiten, zwischen Menschen, zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. In irischen Überlieferungen wird Beltane als Zeitpunkt beschrieben, an dem die Anderswelt besonders nahe sei.

Diese Vorstellung eines durchlässigen Schleiers ist typisch für keltische Mythologie. In der nordischen Welt finden sich ähnliche Konzepte – etwa bei Jól oder in Übergangsritualen – doch sie sind anders strukturiert und quellenmäßig anders belegt.

Beltane und moderne Neudeutungen

Heute wird Beltane vor allem im Neopaganismus, im Wicca-Kontext und in esoterischen Jahreskreisfeiern begangen. In diesen modernen Interpretationen werden häufig Elemente verschiedener Kulturen miteinander vermischt.

Dabei verschwimmen historische Grenzen. Beltane wird manchmal als „germanisches Maifest“ oder sogar als „Wikinger-Frühlingsfest“ bezeichnet. Für eine quellenbewusste Darstellung ist es jedoch notwendig, diese Zuschreibungen kritisch zu hinterfragen.

Das nordische Pendant zu einem Sommerbeginn lag eher in der Zweiteilung des Jahres, nicht in einem ausgeprägten rituellen Feuerfest mit spezifischem Namen.

Fazit – Beltane als kulturelles Nachbarfest

Beltane ist ein faszinierendes Frühlingsfest mit starker Feuer- und Fruchtbarkeitssymbolik. Es markiert im keltischen Kulturraum den Beginn des Sommers und trägt eine reiche mythologische Bedeutung. Doch Beltane ist kein nordisches Hochfest. Es ist kein Bestandteil der belegten Wikingerreligion. Gerade deshalb ist seine Einordnung wichtig. Wer sich mit nordischen Ritualen beschäftigt, sollte wissen, wo kulturelle Parallelen enden und historische Fakten beginnen.

Beltane bleibt ein kraftvolles Symbol des Neubeginns – aber es gehört in die Welt der Kelten, nicht in die der Asen und Vanen.


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