Wissensarchiv

Weltenkunde

Wie sah Haithabu wirklich aus – und wie lebten die Menschen in der Wikingerstadt?

10.10.2026Verlag NorseStory · Berlinca. 38 Min. Lesezeit

Ein Schiff fährt durch die Schlei. Das Wasser wird ruhiger, die Ufer rücken näher, und schließlich öffnet sich eine geschützte Bucht. Vor der Siedlung reichen hölzerne Landebrücken ins Wasser. Menschen bewegen sich zwischen Schiffen und Häusern, tragen Waren über schmale Stege und verschwinden in den Gassen. Hinter den Landestellen stehen Gebäude aus Holz, manche mit lehmverstrichenen Flechtwerkwänden, andere aus kräftigen Bohlen. Rauch steigt über den Dächern auf. Irgendwo wird Metall bearbeitet, ein Handwerker schneidet Geweih zurecht, und zwischen den Häusern werden Gegenstände transportiert, die aus weit entfernten Regionen stammen.

So ungefähr könnte sich die Ankunft in Haithabu während seiner Blütezeit angefühlt haben. Die Szene ist keine überlieferte Augenzeugenbeschreibung. Sie verbindet archäologisch nachgewiesene Einrichtungen und Tätigkeiten zu einem möglichen Augenblick des 9. oder 10. Jahrhunderts. Gerade bei Haithabu ist diese Unterscheidung wichtig, denn der Ort war über Generationen hinweg ständig im Wandel. Häuser wurden errichtet, verändert und abgerissen. Wege erhielten neue Beläge, Grundstücke wurden anders genutzt, und die mächtigen Befestigungen entstanden nicht alle gleichzeitig.

Der Handelsplatz ist auch unter dem Namen Hedeby bekannt. Dabei handelt es sich nicht um zwei verschiedene Orte, sondern um unterschiedliche historische und sprachliche Namensformen derselben Siedlung. Während sich im Deutschen die Bezeichnung Haithabu etabliert hat, wird international häufig Hedeby verwendet. Beide Namen gehen auf die altnordische Bezeichnung Heiðabýr zurück, deren Bestandteil býr eine Siedlung beziehungsweise einen Wohnplatz bezeichnet.

Haithabu war weder ein gewöhnliches Dorf noch eine Stadt nach modernen Vorstellungen. Es gab keine steinernen Häuserzeilen, keine gepflasterten Boulevards und keinen Marktplatz, dessen Gestalt sich heute vollständig rekonstruieren ließe. Stattdessen entwickelte sich am westlichen Ufer des Haddebyer Noors ein ungewöhnlich dichter Handels- und Handwerksplatz. Hier lebten Menschen, die von der Herstellung und dem Austausch von Waren abhängig waren, während die überwiegende Bevölkerung Skandinaviens weiterhin auf Höfen und in ländlichen Gemeinschaften lebte.

Die besondere Bedeutung Haithabus liegt darin, dass die Archäologie weit mehr als einzelne Schmuckstücke oder Waffen ans Licht gebracht hat. In den feuchten Böden blieben Bauhölzer, Hauswände, Wege, Zäune und Teile der Hafenanlagen erhalten. Hinzu kommen Werkzeuge, Produktionsreste, Schuhe, Textilien, Kämme, Spielsteine und Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Schriftliche Quellen berichten außerdem von Königen, Handelsreisen und den ersten christlichen Missionsversuchen.

Aus diesen Zeugnissen entsteht ein ungewöhnlich anschauliches Bild des Lebens in der Wikingerzeit. Doch es bleibt ein Bild aus vielen Einzelteilen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was hätte ein Mensch tatsächlich gesehen, wenn er Haithabu betreten hätte – und wo beginnt unsere moderne Vorstellung von der Wikingerstadt?

Ein Handelsplatz zwischen Nordsee und Ostsee

Haithabu lag am westlichen Ufer des Haddebyer Noors, einer geschützten Wasserfläche am inneren Ende der Schlei im heutigen Schleswig-Holstein. Über die Schlei bestand Zugang zur Ostsee. Nach Westen führte die Schleswiger Landenge in Richtung Treene und Eider, deren Gewässersysteme Verbindungen zur Nordsee ermöglichten. Zwischen den beiden Meeresräumen lag allerdings kein durchgehender schiffbarer Kanal. Waren mussten auf einem Teil der Strecke über Land transportiert werden.

Diese geographische Lage war für den Aufstieg Haithabus entscheidend. Wer Waren zwischen Nord- und Ostsee bewegen wollte, konnte die gefährliche und langwierige Fahrt um die jütländische Halbinsel umgehen. Stattdessen ließen sich Handelsgüter über die Landenge transportieren und anschließend auf anderen Schiffen weiterbefördern. Haithabu wurde dadurch zu einem wichtigen Umschlagplatz zwischen unterschiedlichen Verkehrsnetzen.

Gleichzeitig verlief hier eine bedeutende Verbindung zwischen dem dänischen Herrschaftsraum im Norden und den Gebieten des fränkischen beziehungsweise später ostfränkischen Reiches im Süden. Die Schleswiger Landenge war somit nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch politisch und militärisch bedeutsam.

Die UNESCO hebt genau diese besondere Lage hervor. In ihrer Beschreibung des Welterbes „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“ bezeichnet sie Haithabu als Handelszentrum, das die Verkehrsnetze Skandinaviens und des europäischen Festlandes miteinander verband. Der archäologische Komplex wurde 2018 in die Welterbeliste aufgenommen.

Die Umgebung war dabei keineswegs eine unbesiedelte Landschaft. Landwirtschaftliche Höfe, kleinere Siedlungen, Verkehrswege und Befestigungen prägten das Gebiet. Haithabu war auf dieses Umland angewiesen, denn die Bewohner der dicht bebauten Siedlung konnten ihren Bedarf an Nahrung, Brennmaterial und Rohstoffen nicht allein auf den eigenen Grundstücken decken.

Haithabus außergewöhnliche Stellung beruhte darauf, dass sich hier Landwege, Schifffahrt, wirtschaftliche Interessen und politische Macht auf engem Raum begegneten.

Wie aus einem Handelsplatz eine frühe Stadt wurde

Die Anfänge Haithabus reichen in das 8. Jahrhundert zurück. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass sich die Besiedlung über längere Zeit entwickelte und verschiedene Bereiche des späteren Handelsplatzes unterschiedlich genutzt wurden. Besonders seit dem 9. Jahrhundert verdichtete sich die Bebauung am Ufer, während Handel und spezialisierte handwerkliche Tätigkeiten zunehmend an Bedeutung gewannen.

In der Forschung werden Orte wie Haithabu häufig als Emporien bezeichnet. Damit sind frühmittelalterliche Handelsplätze gemeint, an denen sich wirtschaftliche Tätigkeiten in einer für ihre Zeit ungewöhnlichen Dichte konzentrierten. Solche Orte waren keine Städte im heutigen Sinn, besaßen aber bereits wichtige Merkmale städtischen Lebens: eine dauerhafte Bevölkerung, spezialisierte Handwerker, regelmäßigen Fernhandel und eine erkennbare räumliche Ordnung.

Das Gebiet innerhalb des späteren Halbkreiswalles umfasst ungefähr 25,5 Hektar. Archäologische Untersuchungen und geophysikalische Messungen zeigen, dass große Teile dieses Areals dicht bebaut waren. Wie viele Menschen gleichzeitig dort lebten, lässt sich nicht exakt bestimmen. Häufig werden für die Blütezeit Größenordnungen von etwa tausend Einwohnern oder mehr diskutiert. Solche Schätzungen bleiben jedoch unsicher, weil nicht jedes nachgewiesene Haus gleichzeitig bewohnt war und die Zahl der Bewohner pro Gebäude unbekannt ist.

Für einen Menschen, der von einem einzelnen Hof kam, dürfte Haithabu dennoch außergewöhnlich gewirkt haben. Hier standen zahlreiche Gebäude eng beieinander. Menschen bewegten sich auf schmalen Wegen zwischen Grundstücken, während in unmittelbarer Nachbarschaft gearbeitet, gekocht, gehandelt und gelagert wurde. Viele Tätigkeiten, die auf einem Hof innerhalb eines Haushalts erledigt wurden, konnten sich in Haithabu stärker spezialisieren.

Gerade diese Konzentration veränderte den Alltag. Wer als Handwerker arbeitete, war auf Rohstoffe und Kunden angewiesen. Händler benötigten Transportmöglichkeiten, sichere Lagerplätze und Menschen, die ihre Waren kauften. Die Versorgung der Bewohner erforderte regelmäßige Lieferungen aus dem Umland.

Haithabu war damit nicht einfach ein besonders großes Dorf. Es war eine Siedlung, deren Bewohner in ungewöhnlichem Maß vom Austausch mit anderen Menschen lebten.

Der Hafen – Haithabus Tor zur Welt

Für viele Reisende begann Haithabu am Wasser. Die geschützte Lage des Haddebyer Noors bot günstige Bedingungen für Schiffe, und entlang des Ufers entstanden ausgebaute Hafenanlagen. Ihre Überreste gehören zu den wichtigsten archäologischen Befunden des Ortes.

Besonders die große Hafengrabung von 1979 und 1980 brachte umfangreiche hölzerne Konstruktionen ans Licht. Archäologen untersuchten Überreste von Landebrücken, Uferbefestigungen und Schiffen. Die feuchten Ablagerungen hatten zahlreiche Hölzer über Jahrhunderte hinweg bewahrt. Dadurch lässt sich erkennen, dass Haithabu nicht lediglich einen natürlichen Strand als Anlegeplatz nutzte. Der Hafen war ein baulich gestalteter Wirtschaftsraum.

Die Landebrücken ragten in das Wasser und ermöglichten den Zugang zu Schiffen, die nicht unmittelbar am flachen Ufer liegen konnten. Über sie gelangten Menschen und Waren zwischen Schiffen und Siedlung. Welche Tätigkeiten auf einzelnen Brücken stattfanden, lässt sich nicht in jedem Fall feststellen. Doch ihre Verbindung mit Wegen und Grundstücken zeigt, wie eng der Hafen in das Leben Haithabus eingebunden war.

Die Hafenanlagen waren auch nicht zu jeder Zeit gleich. Neue Konstruktionen wurden errichtet, ältere repariert oder ersetzt. Ein moderner Plan, der sämtliche ausgegrabenen Brücken gleichzeitig zeigt, kann deshalb ein irreführendes Bild erzeugen. Nicht jede archäologisch nachgewiesene Anlage stand während derselben Jahrzehnte zur Verfügung.

Für die Menschen des Ortes war der Hafen weit mehr als ein Platz zum Be- und Entladen. Hier kamen Rohstoffe und Lebensmittel an, hier verließen Händler die Siedlung, und hier trafen Nachrichten aus entfernten Regionen ein. Die Ankunft eines Schiffes konnte neue Waren, neue Kunden oder Informationen über politische Ereignisse mit sich bringen.

Wer am Hafen arbeitete, musste Ladungen bewegen, Schiffe sichern und mit den wechselnden Bedingungen des Wassers umgehen. Der Betrieb dürfte sich je nach Jahreszeit, Wetter und Handelsverkehr deutlich verändert haben. Die archäologischen Funde zeigen die materiellen Voraussetzungen dieser Tätigkeiten, nicht aber einen vollständigen Tagesablauf.

Ohne seinen Hafen hätte Haithabu seine besondere wirtschaftliche Bedeutung kaum erreichen können. Das Wasser war nicht der Rand der Stadt, sondern eine ihrer wichtigsten Lebensgrundlagen.

Ein Schiff aus Haithabu – was der Hafen über den Schiffbau verrät

Zu den eindrucksvollsten Funden aus dem Hafen gehört das Schiff Haithabu 1. Seine Überreste wurden während der großen Unterwasseruntersuchungen geborgen und wissenschaftlich ausgewertet. Der Fund zeigt, wie hoch entwickelt der Schiffbau der Wikingerzeit war.

Haithabu 1 war ein langes, schmales Fahrzeug, das gewöhnlich als schnelles Kriegs- beziehungsweise Ruderschiff interpretiert wird. Seine Konstruktion unterscheidet sich damit von breiteren Frachtschiffen, die vor allem auf den Transport größerer Warenmengen ausgelegt waren. Der Fund darf deshalb nicht als Muster für sämtliche Schiffe verstanden werden, die Haithabu anliefen.

Die archäologischen Untersuchungen des Hafens haben mehrere Schiffsreste erbracht. Zusammen mit anderen Funden und Vergleichsbeispielen zeigen sie, dass unterschiedliche Fahrzeugtypen für unterschiedliche Aufgaben genutzt wurden. Kleine Boote konnten den Verkehr auf der Schlei und im näheren Umfeld übernehmen. Größere Fahrzeuge ermöglichten längere Reisen und den Transport umfangreicherer Ladungen.

Auch die Schiffe selbst waren Arbeitsmittel. Sie mussten gebaut, ausgerüstet, gepflegt und repariert werden. Holz, Seile, Segel und andere Ausstattungsstücke gehörten zu einer Wirtschaft, die ohne spezialisierte Kenntnisse nicht funktionieren konnte.

Die erhaltenen Schiffshölzer erzählen allerdings nur einen Teil dieser Geschichte. Sie zeigen Bauweisen und technische Möglichkeiten, nicht aber sämtliche Besatzungen, Ladungen oder Reiseziele. Ein im Hafen gefundenes Schiff muss auch nicht während seiner gesamten Nutzungsdauer in Haithabu beheimatet gewesen sein.

Gerade darin liegt die Aussagekraft des Fundes: Er macht sichtbar, welche technische Welt hinter den Handelsverbindungen stand, ohne aus einem einzelnen Schiff die gesamte Schifffahrt Haithabus erklären zu wollen.

Vom Hafen führte der Weg durch eine dicht bebaute Siedlung

Hinter den Landebrücken begann ein Netz aus Wegen, Grundstücken und Gebäuden. Die archäologischen Grabungen zeigen, dass Haithabu keineswegs eine völlig ungeordnete Ansammlung von Hütten war. Besonders in den hafennahen Bereichen blieben Holzwege, Zäune, Hauskonstruktionen, Brunnen und Uferbefestigungen erhalten.

Ein wichtiger Weg verlief annähernd parallel zum Ufer. Von ihm führten weitere Verbindungen zu den Landebrücken und den Grundstücken. Feuchte Abschnitte wurden mit Holz befestigt. Solche Bohlenwege erleichterten den Transport von Waren und ermöglichten es, auch bei schwierigen Bodenverhältnissen zwischen den Häusern zu verkehren.

Die Grundstücke waren teilweise durch Zäune voneinander abgegrenzt. Dadurch entstanden erkennbare Bereiche, in denen Gebäude errichtet und unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt wurden. Manche Grundstücksgrenzen bestanden über längere Zeit, während sich die Bebauung innerhalb dieser Grenzen veränderte.

Besonders wichtig sind die Forschungen des Archäologen Joachim Schultze zur Auswertung der Siedlungsgrabungen. Er untersucht die erhaltenen Baustrukturen mithilfe digitaler Datenbanken und geographischer Informationssysteme. Häuser, Zäune, Wege, Brunnen, Speicher und andere Konstruktionen werden dabei nicht nur räumlich erfasst, sondern nach Möglichkeit auch zeitlich eingeordnet.

Gerade diese zeitliche Einordnung verändert das Bild Haithabus. Werden sämtliche gefundenen Häuser gleichzeitig dargestellt, entsteht leicht eine Siedlung, die es in dieser Form niemals gegeben hat. Ein Gebäude konnte bereits verschwunden sein, bevor auf dem Nachbargrundstück ein anderes entstand. Wege konnten verlegt, Grundstücke umgestaltet und ältere Bauhölzer wiederverwendet werden.

Die Forschung versucht deshalb nicht nur zu bestimmen, wo Gebäude standen. Sie untersucht auch, wann sie existierten und wie sich die Siedlung im Laufe der Zeit veränderte.

Haithabu war kein einmal angelegter Stadtplan, der anschließend unverändert blieb. Es war ein lebendiger Ort, dessen Bewohner ihre Umgebung über Generationen immer wieder neu gestalteten.

Die Häuser von Haithabu – Holz, Lehm und erstaunlich präzise Baukunst

Die Gebäude Haithabus bestanden überwiegend aus Holz und anderen organischen Materialien. Je nach Konstruktion wurden Pfosten, Bohlen, Flechtwerk und Lehm verwendet. Die Häuser unterschieden sich in Größe, Grundriss und Bauweise. Ein einheitliches Wikingerhaus, das für alle Bewohner gleichermaßen typisch gewesen wäre, gab es nicht.

Besonders außergewöhnlich sind die Erhaltungsbedingungen im feuchten Boden. Während an vielen archäologischen Fundplätzen nur Pfostenlöcher oder Fundamentreste erhalten bleiben, konnten in Haithabu teilweise tatsächliche Wandkonstruktionen untersucht werden. Das ermöglicht Aussagen, die weit über die bloße Lage eines Hauses hinausgehen.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist ein Gebäude, dessen Errichtung auf das Jahr 874 oder kurz danach datiert wird. Das Wikinger Museum Haithabu bezeichnet es als Grundlage für die heutigen Rekonstruktionen der Häuser 1 und 7. Es war ungefähr zwölf Meter lang und an seiner breitesten Stelle etwa fünfeinhalb Meter breit. Die Grundfläche betrug rund 66 Quadratmeter.

Die Konstruktion bestand aus einem hölzernen Wandgerüst mit schrägen Außenstützen. Zwischen den tragenden Teilen befanden sich lehmverstrichene Flechtwerkwände. Besonders bemerkenswert ist, dass Teile dieser Wände und des Giebels erhalten blieben.

Nach Angaben des Wikinger Museums Haithabu konnten deshalb sogar die Wandhöhe von ungefähr zwei Metern und eine Dachneigung von etwa 40 Grad erschlossen werden. Das ist für einen frühmittelalterlichen Hausbefund ungewöhnlich präzise.

Die Erhaltung hat eine besondere Ursache. Nach Darstellung des Museums wurden die tragenden Pfosten des Gebäudes in den 880er Jahren entfernt und die Flechtwände umgelegt. Im feuchten Untergrund blieben sie anschließend erhalten. Damit wurde ausgerechnet der Abbau eines Hauses zu einer Voraussetzung dafür, dass seine Konstruktion heute so genau untersucht werden kann.

Die genaue Dachkonstruktion ist dennoch nicht vollständig bekannt. Bei den heutigen Häusern 1 und 7 wurde sie deshalb hypothetisch ergänzt. Dieser Unterschied ist entscheidend: Die Wandhöhe und Dachneigung besitzen eine besonders starke archäologische Grundlage, während einzelne konstruktive Lösungen des Daches wissenschaftlich begründete Rekonstruktionen bleiben.

Haithabu zeigt damit nicht nur, dass die Menschen der Wikingerzeit Häuser aus Holz bauten. Der Fund erlaubt einen ungewöhnlich genauen Blick darauf, wie sorgfältig solche Gebäude konstruiert waren.

Ein Haus war Wohnraum, Werkstatt und Lager zugleich

Wer ein Haus in Haithabu betrat, gelangte nicht unbedingt in einen Raum, der ausschließlich dem Wohnen diente. Die archäologischen Befunde zeigen, dass Gebäude unterschiedliche Funktionen verbinden konnten. Feuerstellen, Öfen, Einbauten und Zugänge liefern Hinweise auf Wohnbereiche, Arbeitsräume und Lagerplätze.

Das für die heutigen Häuser 1 und 7 zugrunde liegende Gebäude besaß eine dreiteilige Raumgliederung. Das Wikinger Museum Haithabu beschreibt einen zentralen Wohnbereich mit Herdplatte und seitlichen Podesten, die als Wohn- und Schlafstätten gedient haben können. Hinzu kamen ein Wohn- beziehungsweise Wirtschaftsbereich und ein gesonderter Raum, der für Handwerk oder Lagerung genutzt worden sein könnte.

Solche Befunde zeigen, wie eng die verschiedenen Aufgaben des täglichen Lebens miteinander verbunden waren. Menschen mussten Nahrung zubereiten, Vorräte aufbewahren, Werkzeuge unterbringen und einen Platz zum Schlafen finden. Gleichzeitig konnten handwerkliche Tätigkeiten innerhalb desselben Gebäudes oder unmittelbar davor stattfinden.

Die Größe eines Hauses sagt allerdings nicht unmittelbar aus, wie viele Menschen darin lebten. Ein größerer Bau konnte unterschiedliche Arbeitsbereiche enthalten, während ein kleineres Gebäude vielleicht vor allem als Werkstatt genutzt wurde. Auch die genaue Zusammensetzung eines Haushalts lässt sich aus dem Grundriss allein nicht erschließen.

Das Leben in solchen Häusern dürfte stark von den Jahreszeiten abhängig gewesen sein. Im Winter waren Wärme und geschützte Arbeitsbereiche besonders wichtig. Im Sommer konnten zahlreiche Tätigkeiten nach draußen verlagert werden. Feuerstellen spendeten Wärme und dienten der Zubereitung von Speisen, verursachten aber zugleich Rauch und benötigten Brennmaterial.

Wie hell oder dunkel ein einzelnes Gebäude war, hing von seiner Konstruktion ab. Kleine Fensteröffnungen sind archäologisch nachgewiesen. Besonders Haus 2 des heutigen Museums besitzt eine Rekonstruktion einer kleinen Fensteröffnung, deren Form auf einem entsprechenden Fund aus Haithabu beruht. Damit lässt sich auch die verbreitete Vorstellung korrigieren, wikingerzeitliche Häuser hätten grundsätzlich keinerlei Fenster besessen.

Für die Bewohner war ein Haus vor allem ein praktischer Lebensraum. Hier wurde nicht nur gewohnt. Hier wurden Dinge hergestellt, repariert, aufbewahrt, gegessen und wahrscheinlich viele Stunden gemeinsam verbracht.

Wie sah der Alltag zwischen den Häusern aus?

Die Wege Haithabus verbanden nicht nur Wohnhäuser mit dem Hafen. Sie waren Teil eines dicht genutzten Arbeitsraumes. Menschen mussten Wasser holen, Brennmaterial transportieren, Rohstoffe zu Werkstätten bringen und fertige Gegenstände an Händler oder Käufer übergeben. Viele Tätigkeiten fanden vermutlich unmittelbar vor den Gebäuden statt, wo Licht und Platz günstiger waren als im Inneren.

Das Wikinger Museum Haithabu betont in seiner Dauerausstellung, dass professionelle Handwerker häufig unter freiem Himmel arbeiteten. Diese Beobachtung passt zu einer Siedlung, in der kleine Gebäude und dicht bebaute Grundstücke den verfügbaren Innenraum begrenzten.

Die Geräusche eines solchen Ortes lassen sich nicht direkt archäologisch nachweisen. Doch die erhaltenen Werkzeuge und Produktionsabfälle zeigen, welche Tätigkeiten stattfanden. Holz wurde bearbeitet, Metall erhitzt und geformt, Knochen und Geweih wurden zugeschnitten, Glas wurde zu Schmuck verarbeitet. Dazu kamen die Arbeiten des Hafens und die alltägliche Versorgung der Haushalte.

Bei Regen dürften unbefestigte Bereiche feucht und schlammig geworden sein. Die hölzernen Wege zeigen, dass die Bewohner auf solche Bedingungen reagierten. Gleichzeitig mussten diese Konstruktionen instand gehalten werden, denn Holz im Boden und unter wechselnden Witterungsbedingungen blieb nicht unbegrenzt haltbar.

Auch Abfälle gehörten zum Siedlungsalltag. Tierknochen, Produktionsreste, zerbrochene Gegenstände und organisches Material sammelten sich in den genutzten Bereichen. Für die Archäologie sind gerade solche unscheinbaren Hinterlassenschaften besonders wertvoll, weil sie Hinweise auf Tätigkeiten liefern, die in schriftlichen Quellen kaum erwähnt werden.

Das historische Haithabu war deshalb wahrscheinlich kein stiller Ort. Es war eine Siedlung, in der viele Menschen auf engem Raum arbeiteten und voneinander abhängig waren. Die Wikingerzeit bestand hier nicht vor allem aus Reisen und Kämpfen, sondern aus einer Vielzahl gewöhnlicher Tätigkeiten, die das Funktionieren des Handelsplatzes erst ermöglichten.

Die Werkstätten – wo aus Rohstoffen Waren wurden

Haithabu war nicht nur ein Ort, an dem Händler fertige Waren kauften und verkauften. Zahlreiche Gegenstände wurden unmittelbar in der Siedlung hergestellt oder weiterverarbeitet. Archäologisch nachgewiesen sind unter anderem Metallverarbeitung, Arbeiten mit Knochen und Geweih, Holzhandwerk und die Herstellung von Glasperlen.

Solche Tätigkeiten lassen sich besonders gut anhand von Produktionsabfällen erkennen. Ein fertiger Kamm kann über weite Entfernungen gehandelt worden sein. Werden dagegen abgeschnittene Geweihstücke, unfertige Kammteile und entsprechende Werkzeuge an einem Ort gefunden, spricht dies unmittelbar für eine Herstellung vor Ort.

Die Verarbeitung von Knochen und Geweih gehörte zu den gut belegten Handwerken Haithabus. Daraus entstanden Kämme, Nadeln, Spielsteine und andere Gegenstände. Ihre Herstellung erforderte unterschiedliche Arbeitsschritte: Das Material musste zugeschnitten, geglättet, geformt und teilweise verziert werden.

Auch Metallhandwerker hinterließen deutliche Spuren. Eisen wurde zu Werkzeugen und anderen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Buntmetalle konnten gegossen und zu Beschlägen oder Schmuckstücken geformt werden. Gussformen, Schlacken und andere Reste solcher Arbeiten geben Einblicke in die verwendeten Techniken.

Die Holzverarbeitung war für die gesamte Siedlung unverzichtbar. Häuser, Zäune, Wege, Boote und zahlreiche Alltagsgegenstände bestanden aus Holz. Die Herstellung und Reparatur dieser Dinge erforderte Erfahrung und geeignete Werkzeuge. Der Bedarf war nicht einmalig, sondern bestand während der gesamten Nutzungszeit Haithabus.

Die archäologischen Funde zeigen allerdings Tätigkeiten und Produktionsbereiche zuverlässiger als individuelle Berufsbiografien. Ein Mensch konnte mehrere handwerkliche Fertigkeiten beherrschen, zugleich Handel betreiben oder innerhalb eines Haushalts unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Haithabu war eine Siedlung, in der wirtschaftliche Spezialisierung sichtbar wurde, ohne dass sich die Arbeitswelt bereits in moderne Berufsgruppen aufteilen ließe.

Die Perlenmacher – ein besonders aufschlussreicher Befund

Glasperlen gehören zu den auffälligsten Funden aus Haithabu. Sie wurden in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen getragen und konnten schlicht oder aufwendig verziert sein. Das Wikinger Museum Haithabu berichtet von mehr als 7.000 gefundenen Perlen und Perlenfragmenten.

Die große Zahl solcher Funde zeigt, welche Bedeutung Glasperlen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben des Ortes besaßen. Besonders interessant ist jedoch die Frage, wie sie hergestellt wurden.

Die Forschung unterscheidet inzwischen deutlich zwischen der Herstellung von Glas und der Verarbeitung bereits vorhandenen Glases. Nach Angaben des Wikinger Museums gibt es bislang keinen Nachweis dafür, dass in Haithabu Glas aus seinen Ausgangsstoffen hergestellt wurde. Die Perlenmacher arbeiteten vielmehr mit importiertem Rohglas, Glasbruch und teilweise mit Tesserae, also kleinen Glassteinen aus Mosaiken.

Damit wird ein bemerkenswerter Zusammenhang sichtbar. Selbst ein Handwerker, der seine Waren unmittelbar in Haithabu herstellte, konnte auf Materialien angewiesen sein, die bereits eine lange Reise hinter sich hatten. Die lokale Produktion und der Fernhandel waren eng miteinander verbunden.

Wie genau die Perlen gefertigt wurden, lässt sich nicht in jedem Einzelnen beweisen. Archäologische Experimente zeigen mögliche Verfahren, bei denen Glas erhitzt, auf einen Metallstab gewickelt und anschließend geformt wurde. Das Museum weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass solche Versuche Erklärungsmodelle darstellen. Sie helfen, die Funde zu verstehen, ersetzen aber keine vollständige Überlieferung des ursprünglichen Arbeitsablaufs.

Besonders aufschlussreich ist, dass bislang nur ein Hinweis auf einen Glasofen und keine eindeutig identifizierten Glasmacherwerkzeuge vorliegen. Die große Menge an Perlen darf deshalb nicht mit einer ebenso großen Zahl nachgewiesener Werkstätten verwechselt werden.

Gerade an den Glasperlen zeigt sich, wie sorgfältig archäologische Forschung unterscheiden muss: Ein Gegenstand kann in Haithabu hergestellt worden sein, obwohl sein Rohmaterial aus einer weit entfernten Region stammte.

Waren aus einer erstaunlich großen Welt

Die Handelsverbindungen Haithabus reichten weit über die Schleswiger Landenge hinaus. Archäologische Funde zeigen Kontakte zum fränkischen Raum, nach Skandinavien, in den östlichen Ostseeraum und zu weiter entfernten Handelsnetzen. Rohstoffe, Schmuck, Textilien, Glas, Keramik und Metalle gelangten über unterschiedliche Wege an die Schlei.

Silber spielte im Handel eine wichtige Rolle. Münzen, Gewichte und andere Funde geben Einblicke in wirtschaftliche Austauschformen. Silber konnte als Zahlungsmittel verwendet oder nach Gewicht bewertet werden. Dabei bestanden verschiedene Möglichkeiten des Bezahlens nebeneinander, und nicht jeder Handel musste mit Münzen abgewickelt werden.

Ein importierter Gegenstand beweist allerdings nicht, dass sein Hersteller persönlich nach Haithabu gereist war. Waren konnten mehrfach den Besitzer wechseln und über zahlreiche Zwischenstationen transportiert werden. Gerade die weitreichenden Handelsnetze der Wikingerzeit bestanden aus vielen miteinander verbundenen Orten.

Für den Alltag bedeutete das, dass Menschen in Haithabu mit Gegenständen in Berührung kommen konnten, deren Herkunft weit außerhalb ihrer eigenen Lebenswelt lag. Ein Handwerker konnte importiertes Glas verarbeiten, ein Händler fremde Münzen besitzen, und ein Haushalt konnte Gegenstände nutzen, die über mehrere Handelsplätze an die Schlei gelangt waren.

Die Anwesenheit solcher Waren bedeutete jedoch nicht, dass alle Bewohner gleichermaßen wohlhabend waren. Kostbare Funde zeigen Zugang zu bestimmten Materialien und wirtschaftlichen Möglichkeiten, nicht den allgemeinen Lebensstandard der gesamten Bevölkerung.

Haithabu war deshalb nicht einfach eine Siedlung voller exotischer Luxusgüter. Es war ein Ort, an dem lokale Bedürfnisse und weitreichende Handelsverbindungen unmittelbar aufeinandertrafen.

Wulfstan – eine Reise von Haithabu nach Truso

Eine der wichtigsten schriftlichen Nachrichten über Haithabus Fernverbindungen stammt aus dem späten 9. Jahrhundert. Im Umfeld des angelsächsischen Königs Alfred des Großen entstand eine altenglische Bearbeitung der Weltgeschichte des Orosius. Ihr wurden geographische Berichte über die Reisen zweier Seefahrer hinzugefügt: Ohthere und Wulfstan.

Wulfstan schildert eine Fahrt von Haithabu nach Truso, einem bedeutenden Handelsplatz im südöstlichen Ostseeraum. Die überlieferte Passage beginnt mit den Worten:

„Wulfstan sæde þæt he gefōre of Hǣðum, þæt hē wǣre on Trūsō on syfan dagum and nihtum“

Sinngemäß: „Wulfstan sagte, dass er von Haithabu aus fuhr und nach sieben Tagen und Nächten in Truso war.“ Die Stelle steht am Beginn von Wulfstans Reisebericht in der altenglischen Orosius-Bearbeitung, Buch I, im geographischen Abschnitt über Nordeuropa. Die Schreibweise wurde hier mit normalisierten Längenzeichen wiedergegeben.

Der Bericht fährt fort, dass das Schiff während der Reise unter Segel unterwegs gewesen sei. Anschließend beschreibt Wulfstan die Länder und Inseln, die er auf seiner Fahrt passierte. Dadurch entsteht eine ungewöhnlich konkrete Vorstellung von den Verkehrsverbindungen der westlichen und südlichen Ostsee.

Die Angabe von sieben Tagen und Nächten ist allerdings die Aussage des überlieferten Reiseberichts. Sie darf nicht als allgemeine Fahrtdauer sämtlicher Schiffe zwischen Haithabu und Truso verstanden werden. Wetter, Wind, Fahrzeugtyp und Route konnten erhebliche Unterschiede verursachen.

Wulfstan beschreibt auch nicht die Häuser, Straßen oder Werkstätten Haithabus. Seine Quelle belegt die Bedeutung des Ortes als Ausgangspunkt einer Fernreise, nicht sein genaues Erscheinungsbild.

Gerade dieser Unterschied ist wichtig. Die Archäologie zeigt, wie der Hafen und die Siedlung gebaut waren. Wulfstans Bericht zeigt, wie weit die Verkehrsverbindungen reichten, die diesen Ort wirtschaftlich bedeutsam machten.

Der Halbkreiswall – eine Stadt hinter mächtigen Erdwällen

Heute gehört der Halbkreiswall zu den eindrucksvollsten sichtbaren Überresten Haithabus. Das mächtige Erdwerk umschließt die ehemalige Siedlung auf der Landseite und bildet zusammen mit dem Haddebyer Noor eine deutlich abgegrenzte Fläche.

Der Wall entstand jedoch nicht bereits mit den ersten Häusern. Seine Errichtung und sein Ausbau gehören vor allem in das 10. Jahrhundert. Die Befestigung wird häufig mit der zunehmenden politischen Bedeutung des Ortes und der Entwicklung des dänischen Königtums in Verbindung gebracht. Die genaue Zuordnung einzelner Bauphasen zu bestimmten Herrschern bleibt jedoch Gegenstand historischer und archäologischer Forschung.

Ein Besucher Haithabus im frühen 9. Jahrhundert hätte deshalb noch nicht dieselbe mächtige Wallanlage gesehen wie ein Mensch des späten 10. Jahrhunderts. Das Erscheinungsbild der Siedlung veränderte sich mit ihrer Geschichte.

Der Halbkreiswall war keine steinerne Stadtmauer. Es handelte sich um ein umfangreiches Erdwerk, dessen Bauweise und Dimensionen sich von späteren mittelalterlichen Befestigungen unterschieden. Die erhaltenen Wallreste zeigen bis heute, wie aufwendig die Sicherung des Handelsplatzes war.

Die Befestigung besaß nicht nur eine militärische Bedeutung. Sie machte auch sichtbar, dass Haithabu innerhalb einer politischen Ordnung stand, die bereit war, erhebliche Arbeitskräfte und Ressourcen für seinen Schutz einzusetzen.

Damit gehörte der Wall zu einer größeren Entwicklung: Aus einem bedeutenden Handelsplatz wurde ein Ort, dessen wirtschaftlicher Wert und politische Bedeutung auch in seiner Befestigung sichtbar wurden.

Das Danewerk – Haithabu war Teil einer befestigten Landschaft

Der Halbkreiswall lässt sich nicht unabhängig vom Danewerk verstehen. Dieses umfangreiche Befestigungssystem erstreckte sich über die Schleswiger Landenge und bestand aus verschiedenen Wällen, Gräben und weiteren Anlagen. Seine Geschichte reicht deutlich vor die Blütezeit Haithabus zurück.

Das Danewerk entstand nicht in einer einzigen Bauphase. Verschiedene Abschnitte wurden zu unterschiedlichen Zeiten errichtet, verändert und erweitert. Die Befestigungen dienten der Kontrolle eines politisch und wirtschaftlich bedeutenden Grenzraumes.

Haithabu lag an einer Stelle, an der sich die Interessen der Herrschaft besonders deutlich mit den Verkehrswegen verbanden. Der Handelsplatz benötigte Zugang zur Ostsee und zu den Landverbindungen nach Westen und Süden. Gleichzeitig war die Kontrolle dieser Wege für die dänischen Herrscher von erheblicher Bedeutung.

Die UNESCO betrachtet Haithabu und Danewerk deshalb als zusammengehörigen archäologischen Komplex. Beide Anlagen zeigen, wie wirtschaftlicher Austausch und militärische Sicherung miteinander verbunden waren.

Moderne Karten können allerdings leicht den Eindruck vermitteln, sämtliche bekannten Wallzüge hätten zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig in ihrer endgültigen Form bestanden. Tatsächlich handelt es sich um ein über Jahrhunderte gewachsenes Befestigungssystem.

Für die Menschen Haithabus war diese Landschaft nicht nur eine Ansammlung militärischer Anlagen. Sie bestimmte, welche Wege genutzt werden konnten, wo politische Grenzen verliefen und wie Handel und Herrschaft miteinander verbunden waren.

Godfred in Sliesthorp – eine frühe Nachricht über die politische Bedeutung des Ortes

Eine wichtige schriftliche Quelle für die Geschichte des Raumes sind die fränkischen Reichsannalen, die Annales regni Francorum. Im Eintrag zum Jahr 804 berichten sie, dass der dänische König Godfred mit seiner Flotte und der Reiterei seines Reiches an einen Ort namens Sliesthorp kam.

Die lateinische Passage lautet:

„Eodem tempore Godofridus rex Danorum venit cum classe sua necnon et omni equitatu regni sui ad locum, qui dicitur Sliesthorp“

Sinngemäß: „Zur selben Zeit kam Godfred, der König der Dänen, mit seiner Flotte und der gesamten Reiterei seines Reiches an einen Ort, der Sliesthorp genannt wird.“ Die Stelle steht in den Annales regni Francorum, Eintrag zum Jahr 804.

Die Annalen setzen den Ort in den Grenzraum zwischen dem dänischen Herrschaftsgebiet und Sachsen. Der Name Sliesthorp wird in der Forschung gewöhnlich mit dem Raum Haithabu beziehungsweise Schleswig verbunden.

Die Nachricht ist bemerkenswert, weil sie den Ort bereits zu Beginn des 9. Jahrhunderts in einem politischen und militärischen Zusammenhang nennt. Sie beschreibt allerdings nicht die damalige Siedlungsstruktur. Aus der Erwähnung einer Flotte lässt sich weder die Größe des Hafens noch die Zahl der Häuser ableiten.

Auch die Gleichsetzung historischer Ortsnamen mit bestimmten archäologischen Siedlungsbereichen verlangt Vorsicht. Die Bezeichnungen und räumlichen Strukturen der Region veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte.

Dennoch zeigt der Bericht, dass die Schleswiger Landenge bereits früh ein Ort war, an dem dänische Herrschaft und fränkische Interessen aufeinandertrafen.

Wer herrschte über Haithabu?

Ein Handelsplatz von der Größe und Bedeutung Haithabus konnte nicht unabhängig von politischen Machtverhältnissen bestehen. Die Lage an einer wichtigen Verkehrsverbindung machte den Ort für dänische Herrscher besonders interessant. Wer Einfluss auf Haithabu besaß, konnte von Handel, Verkehrswegen und der Kontrolle des Grenzraumes profitieren.

Die fränkischen Reichsannalen zeigen, dass dänische Könige bereits im frühen 9. Jahrhundert in der Region militärisch und politisch aktiv waren. Spätere Befestigungen verdeutlichen, dass die Sicherung des Handelsplatzes weiterhin erhebliche Bedeutung besaß.

Wie die Verwaltung Haithabus im Einzelnen funktionierte, lässt sich jedoch nicht vollständig rekonstruieren. Es wäre anachronistisch, sich eine moderne Stadtverwaltung mit festen Behörden, einem Bürgermeister und einem einheitlichen Verwaltungsapparat vorzustellen.

Wahrscheinlicher ist ein Zusammenspiel königlicher Interessen, lokaler Autoritäten, wirtschaftlich einflussreicher Personen und gemeinschaftlicher Regelungen. Welche Rechte und Pflichten einzelne Bewohner besaßen, ist nur teilweise bekannt.

Die archäologische Ordnung der Grundstücke zeigt, dass die Siedlung nicht völlig ungeregelt entstand. Sie beweist jedoch nicht unmittelbar, wer Grundstücke vergab, Abgaben erhob oder Streitigkeiten entschied.

Haithabu war damit ein wirtschaftliches Zentrum innerhalb einer politischen Landschaft. Handel, Herrschaft und militärische Sicherung gehörten zusammen, auch wenn ihre genaue Organisation nicht vollständig überliefert ist.

Frauen, Männer und Kinder – wer lebte in Haithabu?

Das verbreitete Bild einer Wikingerstadt wird häufig von Männern bestimmt: Händler, Seeleute, Schmiede und bewaffnete Krieger. Für Haithabu ist diese Vorstellung zu einseitig. Die archäologischen Funde zeigen eine dauerhaft bewohnte Siedlung, in der Menschen nicht nur arbeiteten und handelten, sondern auch Familien gründeten, Kinder aufzogen und ihre Toten bestatteten.

Frauen gehörten ebenso zur Bevölkerung wie Männer und Kinder. Die Gräberfelder, Haushaltsgegenstände und Spuren alltäglicher Tätigkeiten zeigen, dass Haithabu keine ausschließlich männliche Handelsgemeinschaft war.

Besonders die Textilverarbeitung erinnert daran, wie vielfältig die wirtschaftlichen Aufgaben waren. Spinnwirtel, Webgewichte und Textilreste belegen die Verarbeitung von Fasern und die Herstellung beziehungsweise Nutzung von Stoffen. Kleidung, Segel und andere textile Produkte waren für den Alltag und den Handel unverzichtbar.

Die Verteilung solcher Tätigkeiten auf einzelne Personen lässt sich jedoch nicht allein aus modernen Vorstellungen über Geschlechterrollen ableiten. Ein Werkzeug belegt zunächst eine Tätigkeit. Es verrät nicht automatisch, wer sie ausführte oder welche gesellschaftliche Stellung diese Person besaß.

Auch Kinder gehörten zum Alltag des Ortes. Sie wuchsen in einer Umgebung auf, in der Schiffsverkehr, Werkstätten und Handel unmittelbar zum täglichen Leben gehörten. Was für einen Besucher aus einer ländlichen Siedlung ungewöhnlich erschien, war für ein Kind aus Haithabu möglicherweise selbstverständlich.

Die Menschen des Ortes lebten außerdem nicht alle unter denselben wirtschaftlichen Bedingungen. Manche besaßen Zugang zu kostbaren Waren und weitreichenden Handelsverbindungen, andere waren stärker von körperlicher Arbeit und der Versorgung durch ihre unmittelbare Umgebung abhängig.

Haithabu war keine Gemeinschaft wirtschaftlich gleicher Menschen. Es war ein sozial vielfältiger Ort, dessen Bewohner unterschiedliche Aufgaben, Möglichkeiten und Lebensbedingungen hatten.

Was kam in Haithabu auf den Tisch?

Der Fernhandel brachte kostbare Gegenstände nach Haithabu. Für die Bewohner war die tägliche Versorgung mit Nahrung jedoch mindestens ebenso wichtig. Die Siedlung konnte ihren Bedarf nicht allein aus dem unmittelbaren Siedlungsgebiet decken. Lebensmittel mussten aus dem Umland herangeschafft, gelagert und verarbeitet werden.

Tierknochen und andere organische Reste geben Einblicke in die Ernährung. Nachgewiesen sind verschiedene Haus- und Wildtiere sowie Fischreste. Die Schlei und die umliegenden Gewässer boten Möglichkeiten zum Fischfang, während die landwirtschaftlichen Gebiete des Hinterlandes Fleisch, Milchprodukte, Getreide und andere Nahrungsmittel liefern konnten.

Die archäozoologische Forschung kann anhand solcher Funde untersuchen, welche Tierarten genutzt wurden und wie sich die Versorgung im Laufe der Zeit veränderte. Sie liefert jedoch keine vollständigen Speisepläne einzelner Haushalte.

Auch die Zubereitung von Nahrung hinterließ Spuren. Feuerstellen, Öfen, Gefäße und andere Haushaltsgegenstände gehörten zum Fundmaterial. Getreide musste verarbeitet, Fleisch und Fisch konnten auf unterschiedliche Weise zubereitet oder haltbar gemacht werden.

Die Versorgung einer dicht bewohnten Siedlung erforderte regelmäßige Beziehungen zum Umland. Bauern, Fischer, Viehhalter und Transporteure waren deshalb ebenso wichtig für das Funktionieren Haithabus wie Fernhändler und spezialisierte Handwerker.

Gerade darin unterschied sich Haithabu von einem gewöhnlichen Hof. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung war auf die Arbeit anderer Menschen angewiesen, um sich auf Handel oder Handwerk konzentrieren zu können.

Der Markt war nicht nur der Ort für Silber, Schmuck und fremde Waren. Er gehörte zu einer Wirtschaft, die auch den täglichen Bedarf einer größeren Bevölkerung sichern musste.

Wie sauber war das Leben in Haithabu?

Eine dicht bebaute Siedlung brachte praktische Herausforderungen mit sich. Menschen benötigten Wasser, mussten Abfälle entsorgen und mit Rauch, Feuer, Tieren und feuchten Böden umgehen. Die archäologischen Befunde zeigen, dass diese Aufgaben zum Alltag gehörten.

Brunnen und andere Einrichtungen zur Wasserversorgung sind aus Haithabu bekannt. Wege wurden befestigt, Grundstücke teilweise klar voneinander abgegrenzt. Solche Maßnahmen zeigen, dass die Bewohner ihre Umgebung aktiv gestalteten und Lösungen für die Probleme des Zusammenlebens entwickelten.

Gleichzeitig entstanden große Mengen an Abfällen. Produktionsreste, Tierknochen, zerbrochene Gegenstände und organisches Material gelangten in den Boden. Gerade diese Ablagerungen sind heute besonders wertvoll, weil sie Hinweise auf Tätigkeiten liefern, die in schriftlichen Quellen kaum erwähnt werden.

Die Vorstellung einer grundsätzlich schmutzigen und ungepflegten Wikingerbevölkerung ist dennoch zu einfach. Kämme und andere persönliche Gegenstände zeigen, dass Körperpflege und äußeres Erscheinungsbild eine Rolle spielten. Wie häufig einzelne Menschen badeten oder welche Vorstellungen von Sauberkeit in verschiedenen sozialen Gruppen bestanden, lässt sich daraus nicht vollständig ableiten.

Auch Gerüche und Geräusche können nicht unmittelbar ausgegraben werden. Doch die nachgewiesenen Tätigkeiten erlauben vorsichtige Vorstellungen. Wo Metall bearbeitet, Holz geschnitten, Nahrung gekocht und Tiere gehalten wurden, entstanden Rauch, Lärm und Abfälle.

Haithabu war deshalb weder ein romantisches Freilichtdorf noch zwangsläufig ein Ort dauernder Verwahrlosung. Es war eine funktionierende Siedlung, deren Bewohner mit den praktischen Problemen des dichten Zusammenlebens umgehen mussten.

Die Gräberfelder – eine Stadt lebte mit ihren Toten

Zu Haithabu gehörten umfangreiche Bestattungsplätze. Sie lagen innerhalb und außerhalb des späteren Halbkreiswalles und spiegeln unterschiedliche Phasen der Siedlungsgeschichte wider. Die Gräber zeigen, dass der Ort über Generationen bewohnt war und seine Bewohner in verschiedenen Formen bestattet wurden.

Archäologisch sind Brand- und Körperbestattungen nachgewiesen. Einzelne Gräber enthalten Waffen, Schmuck oder andere Beigaben, während andere deutlich schlichter ausgestattet sind. Diese Unterschiede können mit sozialem Rang, religiösen Vorstellungen, zeitlichen Veränderungen und individuellen Entscheidungen zusammenhängen.

Besonders bemerkenswert sind aufwendig ausgestattete Bestattungen, darunter das bekannte Bootkammergrab. Solche Funde zeigen, dass in Haithabu Menschen bestattet wurden, die über erhebliche materielle Ressourcen verfügten. Ihre genaue gesellschaftliche Stellung lässt sich aus der Grabausstattung allein jedoch nicht immer sicher bestimmen.

Die Gräberfelder standen zudem in einem engen räumlichen Zusammenhang mit der Siedlung. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Bebauung und ältere Bestattungen teilweise überlagerten. Das ist ein wichtiger Hinweis auf die langfristige Entwicklung des Ortes.

In einem Interview über die Haithabu-Forschung erläutert das Wikinger Museum, dass bei späteren Bauarbeiten teilweise ältere Gräber angetroffen und verändert wurden. Die Siedlung entwickelte sich also nicht auf einer Fläche, die von Anfang an vollständig in Wohnbereiche und Friedhöfe getrennt gewesen wäre.

Für die Menschen der Wikingerzeit gehörten die Bestattungsplätze zur historischen Landschaft, in der sie lebten. Wie sie diese Orte wahrnahmen und welche Rituale dort im Einzelnen vollzogen wurden, lässt sich jedoch nicht vollständig rekonstruieren.

Ansgar und die ersten Christen in Haithabu

Haithabu war nicht nur ein Handelsplatz, sondern auch ein bedeutender Ort der frühen christlichen Mission im dänischen Raum. Die wichtigste schriftliche Quelle dafür ist Rimberts Vita Anskarii, die Lebensbeschreibung des Missionars Ansgar.

Rimbert verfasste das Werk nach Ansgars Tod im Jahr 865. Er schildert darin dessen Missionsreisen und die Bemühungen, christliche Gemeinden in Skandinavien aufzubauen. Die Schrift entstand damit relativ nah an den beschriebenen Ereignissen, verfolgt aber ein eindeutig religiöses Ziel.

Besonders aufschlussreich ist eine Passage, in der Rimbert berichtet, dass Ansgar vom dänischen König die Erlaubnis erhielt, in einem bedeutenden Handelsort namens Sliaswich eine Kirche zu errichten.

Der lateinische Text bezeichnet den Ort als:

„Sliaswich vocato, ubi ex omni parte conventus fiebat negotiatorum“

Sinngemäß: „Sliaswich genannt, wo Händler aus allen Richtungen zusammenkamen.“ Die Stelle steht in Rimberts Vita Anskarii, Kapitel 24.

Diese wenigen Worte sind für die Geschichte Haithabus besonders wertvoll. Sie bestätigen, dass der Ort bereits im 9. Jahrhundert als wichtiger Treffpunkt von Händlern wahrgenommen wurde. Zugleich zeigen sie, warum ein Missionar gerade hier eine christliche Gemeinde aufbauen wollte.

Der Name Sliaswich wird gewöhnlich mit dem Handelsplatz Haithabu beziehungsweise seinem unmittelbaren Siedlungsraum verbunden. Die mittelalterlichen Ortsbezeichnungen müssen jedoch im jeweiligen historischen Zusammenhang betrachtet werden, weil sich die Benennung und räumliche Entwicklung des Gebietes im Laufe der Zeit veränderten.

Rimberts Bericht bedeutet nicht, dass Haithabu bereits im 9. Jahrhundert vollständig christianisiert gewesen wäre. Vorchristliche und christliche Vorstellungen konnten über längere Zeit nebeneinander bestehen. Die archäologischen Bestattungen zeigen unterschiedliche Traditionen, die sich nicht immer eindeutig einer einzigen religiösen Identität zuordnen lassen.

Haithabu war damit auch ein Ort religiöser Begegnungen. Händler, Bewohner und Missionare brachten unterschiedliche Vorstellungen mit, die innerhalb derselben Siedlung aufeinandertrafen.

Was hätte ein Besucher in Haithabu tatsächlich gesehen?

Die archäologischen und schriftlichen Quellen erlauben es, die Ausgangsfrage nun genauer zu beantworten. Wer Haithabu während seiner Blütezeit im späten 10. Jahrhundert mit einem Schiff erreichte, hätte zunächst den geschützten Hafen und die hölzernen Landebrücken wahrgenommen. Dahinter lagen dicht bebaute Grundstücke mit Häusern, Werkstätten und einfachen Wegen. Der Halbkreiswall bildete auf der Landseite eine mächtige Begrenzung.

Auf dem Weg durch die Siedlung wären unterschiedliche Tätigkeiten sichtbar gewesen. Menschen transportierten Waren, bearbeiteten Metall, Holz oder Knochen, bereiteten Nahrung zu und kümmerten sich um ihre Haushalte. Händler und Reisende bewegten sich zwischen Hafen und Gebäuden. Brunnen, Zäune, Lagerbereiche und Feuerstellen gehörten ebenso zum Ortsbild wie die Häuser selbst.

Ein solcher Besucher hätte jedoch keine vollständig einheitliche Architektur gesehen. Gebäude unterschiedlicher Größe und Bauweise standen nebeneinander. Manche waren neu errichtet, andere bereits repariert oder umgebaut worden. Grundstücke konnten sich über Generationen verändern.

Die Geräusche des Hafens, das Arbeiten in den Werkstätten und der Rauch der Feuerstellen lassen sich aus den nachgewiesenen Tätigkeiten erschließen. Ihre genaue Intensität ist dagegen nicht überliefert. Ebenso wenig wissen wir, welche Sprachen an einem bestimmten Tag auf den Wegen zu hören waren oder wie viele Schiffe gleichzeitig im Hafen lagen.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Eine historische Rekonstruktion darf anschaulich sein, ohne jedes Detail als gesichert auszugeben. Das tatsächliche Haithabu war wahrscheinlich vielfältiger, unregelmäßiger und stärker im Wandel begriffen, als ein modernes Modell der Wikingerstadt vermitteln kann.

Die sieben rekonstruierten Häuser – wie viel davon ist wirklich Haithabu?

Wer Haithabu heute besucht, kann innerhalb des Halbkreiswalles sieben rekonstruierte Häuser und eine Landebrücke sehen. Sie wurden zwischen 2005 und 2008 auf Grundlage archäologischer Befunde errichtet. Der rekonstruierte Siedlungsausschnitt gehört zum Wikinger Museum Haithabu und soll die Lebenswelt des frühmittelalterlichen Handelsplatzes anschaulich machen.

Diese Häuser sind keine erhaltenen Originalgebäude. Sie sind moderne Rekonstruktionen, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen. Besonders wertvoll ist, dass für einzelne Bauten außergewöhnlich gut erhaltene Holzreste zur Verfügung standen. Dadurch konnten bestimmte Konstruktionsmerkmale genauer rekonstruiert werden, als es bei vielen anderen wikingerzeitlichen Häusern möglich wäre.

Dennoch unterscheiden sich die Rekonstruktionen in ihrer Beweissicherheit. Grundrisse und erhaltene Wandteile können unmittelbar aus den Grabungen stammen. Dachkonstruktionen müssen teilweise ergänzt werden. Die Einrichtung der Häuser veranschaulicht unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbereiche, ohne eine vollständige historische Momentaufnahme eines bestimmten Haushalts zu sein.

Das Museum weist selbst darauf hin, dass die dargestellten Tätigkeiten exemplarisch ausgewählt wurden. Ein als Händlerhaus eingerichtetes Gebäude zeigt also, wie ein solcher Haushalt ausgesehen haben könnte. Es beweist nicht, dass genau dort zur dargestellten Zeit ein namentlich bekannter Händler lebte.

Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass unter ungefähr 95 Prozent der Fläche innerhalb des Halbkreiswalles noch weitgehend ungestörte archäologische Überreste liegen. Das Wikinger Museum erläutert, dass bis 1981 nur etwa fünf Prozent des rund 26 Hektar großen Siedlungsareals archäologisch untersucht worden waren.

Moderne geophysikalische Verfahren ermöglichen zwar zusätzliche Einblicke in die noch nicht ausgegrabenen Bereiche, ersetzen aber nicht in jedem Fall eine archäologische Freilegung. Sie zeigen auffällige Strukturen im Boden, deren genaue Bedeutung teilweise erst durch weitere Untersuchungen geklärt werden kann.

Die heutigen Wikingerhäuser sind deshalb ein wissenschaftlich begründeter Zugang zur Vergangenheit, aber nicht die Vergangenheit selbst. Sie helfen, Größenverhältnisse, Bauweisen und die Enge der Siedlung zu verstehen. Das vollständige historische Haithabu bleibt dennoch ein Forschungsgegenstand.

Warum Haithabu schließlich verschwand – die Zerstörungen von 1050 und 1066

Über Jahrhunderte hatte Haithabu Menschen, Waren und politische Interessen an die Schleswiger Landenge gezogen. Doch im 11. Jahrhundert veränderte sich die Stellung des Handelsplatzes grundlegend. Zwei schwere Angriffe werden mit seinem Ende verbunden: die Zerstörung durch den norwegischen König Harald Hardråde um 1050 und ein weiterer, gewöhnlich auf 1066 datierter Angriff, der in der Forschung mit slawischen Gruppen in Verbindung gebracht wird.

Die Geschichte klingt zunächst eindeutig. Eine bedeutende Wikingerstadt wird angegriffen, niedergebrannt und schließlich verlassen. Doch die mittelalterlichen Quellen und die archäologischen Befunde ergeben ein wesentlich komplizierteres Bild. Besonders die Frage, ob Haithabu tatsächlich erst durch diese Angriffe unterging oder bereits zuvor an Bedeutung verlor, beschäftigt die Forschung bis heute.

Harald Hardråde und der Brand von Haithabu

Um die Mitte des 11. Jahrhunderts kämpfte der norwegische König Harald Sigurðarson, bekannt als Harald Hardråde, gegen den dänischen König Sven Estridsen. Während dieser Auseinandersetzungen wurden dänische Küstengebiete angegriffen. Auch Haithabu geriet in den Konflikt.

Eine besonders eindrucksvolle Schilderung findet sich in der Haralds saga Sigurðarsonar, die zur im 13. Jahrhundert entstandenen Heimskringla gehört. Snorri Sturluson berichtet dort, dass Haralds Männer nach Haithabu zogen und den Handelsplatz in Brand setzten. Anschließend führt er eine skaldische Strophe an, die den Brand der Siedlung beschreibt.

Der Dichter schildert sinngemäß, wie Haithabu von einem Ende zum anderen brannte und Flammen aus den Häusern schlugen. Die Strophe ist in der Forschung als eine der anonym überlieferten Lausavísur aus der Haralds saga Sigurðarsonar erfasst (Strophe 2; Edition: Kari Ellen Gade und Diana Whaley, Skaldic Poetry of the Scandinavian Middle Ages, Band 2, 2009, S. 816–817).

Diese Überlieferung besitzt besonderen Wert, weil skaldische Dichtung ältere Traditionen bewahren kann. Dennoch liegt zwischen dem Ereignis und der erhaltenen Saga eine erhebliche zeitliche Distanz. Die Strophe wird in einer späteren literarischen Überlieferung präsentiert. Sie ist daher nicht mit einem unmittelbar erhaltenen Augenzeugenbericht gleichzusetzen.

Auch die drastische Beschreibung einer vollständig brennenden Stadt muss quellenkritisch gelesen werden. Skaldische Dichtung arbeitet mit dichterischer Zuspitzung und dient häufig dazu, die Taten eines Herrschers hervorzuheben. Die Aussage, Haithabu habe von einem Ende zum anderen gebrannt, beweist deshalb nicht, dass jedes einzelne Gebäude zerstört wurde.

Der Angriff um 1050 gilt dennoch als bedeutender Einschnitt in der Geschichte des Handelsplatzes. Er zeigt zugleich, wie eng Haithabus Schicksal mit den Machtkämpfen zwischen den skandinavischen Königreichen verbunden war.

1066 – ein zweiter Angriff und eine schwierige Überlieferung

Für das Jahr 1066 wird gewöhnlich eine weitere Zerstörung Haithabus angenommen, die mit slawischen Angreifern in Verbindung gebracht wird. Die Nachricht steht im Zusammenhang mit den Unruhen im südlichen Ostseeraum und den Konflikten zwischen christlichen Herrschaftsträgern und slawischen Gruppen.

Eine wichtige Grundlage bildet die Überlieferung um Adam von Bremen, dessen Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum im späten 11. Jahrhundert entstand. In einem Scholion zu seinem Werk wird von der Zerstörung eines bedeutenden Ortes namens Sliaswich durch heidnische Angreifer berichtet.

Die Überlieferung ist allerdings nicht unproblematisch. Scholien sind erläuternde Zusätze, deren Entstehung und Zugehörigkeit zum ursprünglichen Werk im Einzelnen untersucht werden müssen. Zudem ist die Identifizierung des genannten Ortes und die genaue historische Einordnung der Nachricht in der Forschung diskutiert worden.

Bereits ältere Historiker haben darauf hingewiesen, dass die Verbindung zwischen dem überlieferten Bericht und einer vollständigen Zerstörung Haithabus im Jahr 1066 nicht ohne Schwierigkeiten ist. Die traditionelle Darstellung eines eindeutig belegten zweiten Stadtbrandes vereinfacht daher eine komplexe Quellenlage.

Die Forschung behandelt 1066 weiterhin als wichtigen Einschnitt. Die Jahreszahl sollte jedoch nicht so verstanden werden, als sei für diesen Tag oder dieses Jahr eine lückenlose Beschreibung des endgültigen Untergangs erhalten geblieben.

Was die Archäologie über das Ende Haithabus zeigt

Die entscheidende Ergänzung zu den Schriftquellen liefert die Archäologie. Besonders die neueren Forschungen zur Spätphase Haithabus haben das Verständnis des 11. Jahrhunderts deutlich verändert.

Eine grundlegende Untersuchung legte Volker Hilberg mit der zweibändigen Arbeit Haithabu 983–1066. Der Untergang eines dänischen Handelszentrums in der späten Wikingerzeit vor, erschienen als Band 19 der Reihe Die Ausgrabungen in Haithabu. Die Studie verbindet ältere Grabungsergebnisse mit neueren Geländeforschungen, geophysikalischen Untersuchungen und umfangreichen Metalldetektorfunden.

Gerade die jüngsten Siedlungsschichten waren lange schwer zu erforschen. Während die feuchten Bereiche nahe dem Ufer zahlreiche organische Materialien bewahrten, liegen jüngere Befunde teilweise näher an der heutigen Oberfläche und sind stärker durch Landwirtschaft und Erosion beeinträchtigt worden. Das Fehlen eindeutig erkennbarer Gebäudereste bedeutet deshalb nicht automatisch, dass bestimmte Flächen im 11. Jahrhundert unbewohnt waren.

Die neueren Untersuchungen zeigen, dass Haithabu auch in seiner Spätphase ein bedeutender Ort blieb. Münzen, Schmuck, Waffenbestandteile und weitere Fundgruppen ermöglichen es, die Entwicklung des Handelsplatzes genauer zu verfolgen. Zugleich wird deutlich, dass die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen nicht erst mit den Angriffen um 1050 und 1066 einsetzten.

Auch der Hafen liefert Hinweise auf die späte Nutzung. Das Handelsschiff Haithabu 3 wurde nach dendrochronologischen Untersuchungen im Jahr 1023 gebaut. Es gehört zu den bedeutenden Zeugnissen des wikingerzeitlichen Lastschiffbaus und zeigt, dass in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts weiterhin leistungsfähige Schiffe im Umfeld Haithabus eingesetzt wurden.

Die archäologische Überlieferung erlaubt somit keine einfache Geschichte, nach der eine vollständig blühende Stadt plötzlich zerstört wurde und unmittelbar danach verschwand. Sie zeigt vielmehr einen Handelsplatz, dessen Entwicklung im 11. Jahrhundert von wirtschaftlichen Veränderungen, politischen Konflikten und schließlich der Verlagerung seiner zentralen Funktionen geprägt war.

Von Haithabu nach Schleswig – eine Stadt verlagert sich

Die Geschichte Haithabus endet nicht mit dem Verschwinden seiner Häuser. Auf der gegenüberliegenden Seite der Schlei entwickelte sich Schleswig zu einem neuen städtischen Zentrum. Die räumliche Nähe ist bemerkenswert: Zwischen dem alten Handelsplatz am Haddebyer Noor und der späteren Stadt lagen nur wenige Kilometer.

Die neuere Forschung betrachtet diese Entwicklung zunehmend als zusammenhängenden Prozess. Haithabu und Schleswig waren keine völlig voneinander unabhängigen Orte, sondern aufeinanderfolgende Zentren innerhalb derselben wirtschaftlich und politisch bedeutenden Region.

Volker Hilbergs Untersuchungen sprechen dafür, dass die Verlagerung nach Schleswig nicht allein als zufällige Folge militärischer Zerstörungen verstanden werden sollte. Vielmehr spielte die bewusste Neuordnung eines königlichen und kirchlichen Zentrums eine wichtige Rolle. Nach der Mitte des 11. Jahrhunderts bot Schleswig neue Möglichkeiten, Herrschaft, Handel und kirchliche Einrichtungen räumlich miteinander zu verbinden.

Das bedeutete nicht zwangsläufig, dass sämtliche Bewohner Haithabus gleichzeitig ihre Häuser verließen und geschlossen nach Schleswig übersiedelten. Für individuelle Lebenswege fehlen entsprechende Belege. Die archäologische Entwicklung zeigt vielmehr, dass sich die zentralen Funktionen des Handelsplatzes im Laufe der Zeit auf das nördliche Ufer verlagerten.

Damit wird auch verständlich, weshalb das Ende Haithabus nicht mit dem Ende des Handels an der Schlei gleichgesetzt werden darf. Die wirtschaftliche Bedeutung der Region blieb bestehen, während sich ihr städtischer Mittelpunkt veränderte.

War Haithabu wirklich im Jahr 1066 verschwunden?

Die Jahreszahl 1066 ist zu einem festen Bestandteil vieler Darstellungen über Haithabu geworden. Sie bietet einen klaren historischen Schlusspunkt und fällt zudem mit einem der bekanntesten Jahre der europäischen Mittelaltergeschichte zusammen.

Für die tatsächliche Siedlungsentwicklung ist ein solch scharfes Enddatum jedoch problematisch. Archäologische Hinweise sprechen dafür, dass einzelne Bereiche innerhalb des Halbkreiswalles noch bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts genutzt wurden. Gleichzeitig verlagerte sich das wirtschaftliche und politische Zentrum zunehmend nach Schleswig.

Die Aufgabe Haithabus war deshalb eher ein Prozess als ein einzelner Augenblick. Die Angriffe um 1050 und 1066 können diesen Prozess erheblich beschleunigt haben, erklären ihn aber nicht vollständig.

Gerade darin liegt eine wichtige Erkenntnis der neueren Forschung: Haithabu verschwand nicht einfach, weil seine Häuser brannten. Der Handelsplatz verlor seine zentrale Stellung, während sich die wirtschaftlichen und politischen Strukturen der Region veränderten.

Die Überreste der alten Siedlung blieben anschließend weitgehend unüberbaut. Dadurch konnten sich im Boden außergewöhnlich umfangreiche archäologische Schichten erhalten. Was für die Menschen des 11. Jahrhunderts das Ende eines vertrauten Lebensortes bedeutete, wurde für die moderne Forschung zu einer einzigartigen Möglichkeit, die Wikingerzeit zu untersuchen.

Was Haithabu über die Wikingerzeit verrät

Haithabu zeigt eine Seite der Wikingerzeit, die in Erzählungen über Überfälle, Könige und Krieger häufig in den Hintergrund tritt. Der Ort war ein Zentrum des alltäglichen Wirtschaftens. Menschen bauten Häuser, reparierten Wege, stellten Gegenstände her, versorgten Familien und organisierten den Austausch von Waren.

Seine Bewohner waren dabei in besonderem Maß auf andere Menschen angewiesen. Händler benötigten Schiffe und sichere Verkehrswege. Handwerker brauchten Rohstoffe und Kunden. Die Siedlung musste mit Nahrung versorgt werden. Politische Macht konnte Schutz bieten, aber auch Abgaben und Verpflichtungen mit sich bringen.

Gleichzeitig verband Haithabu Menschen und Regionen, die sonst weit voneinander entfernt lagen. Waren aus dem fränkischen Raum trafen auf skandinavische Produkte, Rohstoffe aus dem Osten gelangten an die Schlei, und Reisende brachten Nachrichten über politische und religiöse Veränderungen mit.

Der Ort war deshalb nicht nur ein Handelsplatz, sondern ein Raum gesellschaftlicher Begegnungen. Hier konnten unterschiedliche Sprachen, Bräuche und Vorstellungen nebeneinander existieren. Wie diese Begegnungen im Alltag verliefen, lässt sich nicht vollständig rekonstruieren. Doch ihre wirtschaftlichen und materiellen Voraussetzungen sind archäologisch deutlich erkennbar.

Die außergewöhnliche Bedeutung Haithabus liegt somit nicht allein in seinen Befestigungen oder den weitreichenden Handelsverbindungen. Sie liegt auch darin, dass der Ort erkennen lässt, wie Menschen während der Wikingerzeit auf engem Raum zusammenlebten und dabei Formen des Wirtschaftens und der Siedlungsorganisation entwickelten, die über die traditionelle Hofgesellschaft hinausgingen.

Fazit – wie sah Haithabu wirklich aus und wie lebten die Menschen dort?

Haithabu war eine dicht bebaute Handels- und Handwerkssiedlung am westlichen Ufer des Haddebyer Noors. Während seiner Blütezeit standen hier zahlreiche Holzhäuser auf abgegrenzten Grundstücken, verbunden durch Wege und Stege. Der Hafen mit seinen Landebrücken bildete das Tor zur Ostsee und zu weitreichenden Handelsnetzen. Werkstätten, Wohnbereiche, Brunnen, Lagerplätze und Gräberfelder gehörten zur Lebenswelt der Bewohner. Im späten 10. Jahrhundert prägte zudem der mächtige Halbkreiswall das Erscheinungsbild des Ortes.

Die archäologischen Befunde erlauben dabei ungewöhnlich konkrete Aussagen. Erhaltene Bauhölzer zeigen, wie Häuser errichtet wurden. Wege und Zäune machen die räumliche Gliederung sichtbar. Produktionsabfälle belegen spezialisierte Handwerke, während importierte Gegenstände die weitreichenden Handelsverbindungen dokumentieren. Schriftliche Quellen wie Wulfstans Reisebericht und Rimberts Vita Anskarii ergänzen diese materielle Überlieferung durch Nachrichten über Seereisen, Händler und die frühe christliche Mission.

Dennoch ist das historische Haithabu keine vollständig rekonstruierbare Stadt. Die heute sichtbaren Häuser sind moderne Nachbauten, die auf archäologischen Befunden beruhen, aber in einzelnen Details ergänzt werden mussten. Auch die ursprüngliche Siedlung veränderte sich über Jahrhunderte. Ein Besucher des 9. Jahrhunderts hätte nicht dieselben Befestigungen, Gebäude und Wege gesehen wie ein Mensch des späten 10. Jahrhunderts.

Für die Bewohner selbst war Haithabu vor allem ein Ort des täglichen Lebens. Hier wurde gearbeitet, gekocht, gehandelt, gebaut, repariert und gestritten. Menschen gründeten Familien, zogen Kinder auf und bestatteten ihre Toten. Manche profitierten von den weitreichenden Handelsverbindungen, andere waren auf harte Arbeit und die Versorgung durch ihr unmittelbares Umfeld angewiesen. Die Wikingerstadt war kein Schauplatz ununterbrochener Abenteuer, sondern eine Gemeinschaft mit alltäglichen Bedürfnissen, sozialen Unterschieden und wirtschaftlichen Abhängigkeiten.

Vielleicht liegt gerade darin die größte Besonderheit Haithabus: Wer den Ort betrat, begegnete nicht einfach einer Ansammlung von Wikingern, sondern einer frühen städtischen Lebenswelt, in der sich der Norden mit dem übrigen Europa verband. Zwischen hölzernen Häusern, Werkstätten und Landebrücken entstand eine Form des Zusammenlebens, die für die damalige Zeit außergewöhnlich war. Die archäologischen Spuren zeigen keine perfekte Wikingerstadt, sondern etwas historisch Wertvolleres: einen wirklichen Ort, an dem Menschen über Generationen lebten und dessen Alltag bis heute in erstaunlich vielen Einzelheiten erkennbar geblieben ist.

STIMMEN AUS DEM WISSENSARCHIV

Kommentare

Gedanken, Fragen und Ergänzungen zum Artikel. Neue Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung.

0
KOMMENTAR HINTERLASSEN

Etwas ergänzen?

Mit dem Absenden werden Name, E-Mail-Adresse und Kommentar zur redaktionellen Prüfung gespeichert. Bei Freigabe und bei einer ersten Antwort von Alex informieren wir dich per E-Mail. Öffentlich erscheinen nur dein Name und dein Kommentar; deine E-Mail-Adresse bleibt verborgen. Zum Schutz vor Missbrauch wird kurzfristig ein pseudonymisierter technischer Prüfwert gespeichert. Mehr im Datenschutz.

Weiterlesen

Empfehlungen aus der Weltenkunde

24.05.2026Welten der Wikinger: SchottlandArtikel lesen →06.11.2025Welten der Wikinger: KonstantinopelArtikel lesen →10.10.2024Welten der Wikinger: JotunheimArtikel lesen →
Von Lesern bewertet