Ein Wolfskopf liegt auf der Schulter, das Fell reicht beinahe bis zu den Knien. Daneben steht ein Krieger, dessen breiter Rücken von einem schweren Bärenpelz bedeckt wird. Solche Bilder gehören längst zu unserer Vorstellung der Wikingerzeit. Serien wie Vikings haben sie so fest verankert, dass ein Wikinger ohne Fellbesatz heute fast ungewöhnlich wirkt. Dabei lohnt sich die Frage, ob die Menschen im Norden tatsächlich so gekleidet waren.
Tierfelle wurden in der Wikingerzeit nachweislich getragen. Archäologen fanden Biberhaare an Gewandspangen aus Birka und Pelzreste verschiedener Tierarten in dänischen Gräbern. Die Funde zeigen sorgfältig verarbeitete Kleidungsstücke, deren Herstellung einiges an Erfahrung verlangte. Ganze Wolfs- und Bärenfelle über den Schultern begegnen uns dagegen vor allem in modernen Darstellungen. Für sie fehlen bislang vergleichbare archäologische Nachweise.
Felle gehörten außerdem nicht ausschließlich zur Kleidung. Tierhäute lieferten Leder für Schuhe und Taschen, Pelze waren begehrte Handelswaren, und Schaffelle könnten als wärmende Unterlagen gedient haben. Um ihre Bedeutung im Alltag zu verstehen, müssen wir uns deshalb zunächst ansehen, wie die Menschen diese Materialien verarbeiteten.
Was wurde aus Tierhäuten hergestellt?
Schafe, Ziegen und Rinder gehörten zu den Nutztieren vieler wikingerzeitlicher Höfe. Sie lieferten Fleisch und weitere Rohstoffe, darunter Häute, die sich auf unterschiedliche Weise verarbeiten ließen. Blieb das Haarkleid erhalten, konnte daraus ein Fell oder Pelz entstehen. Entfernte man die Haare und bereitete die Haut entsprechend zu, erhielt man Leder. Daraus fertigten Handwerker beispielsweise Schuhe, Riemen, Beutel und andere Gebrauchsgegenstände.
Die Vorbereitung einer Tierhaut war arbeitsaufwendig. Frische Häute verdarben schnell, wenn sie nicht behandelt wurden. Man musste Fleisch- und Fettreste entfernen, das Material haltbar machen und je nach Verwendungszweck geschmeidig halten. Welche Verfahren angewendet wurden, hing vom Material und von den verfügbaren Rohstoffen ab. Die archäologischen Funde erlauben nicht für jedes erhaltene Leder- oder Pelzstück eine genaue Rekonstruktion dieser Arbeitsschritte.
Besonders bei Pelzkleidung spielte die Auswahl der Tierart eine Rolle. Ein Schaffell besaß andere Eigenschaften als der Pelz eines Bibers oder Marders. Dichte Unterwolle konnte Wärme speichern, während längere Deckhaare die Oberfläche veränderten. Manche Pelze eigneten sich als weiche Fütterung, andere waren wegen ihres Aussehens begehrt. Wer verschiedene Felle zu einem Kleidungsstück zusammensetzte, musste ihre unterschiedlichen Eigenschaften berücksichtigen.
Was die Pelzreste aus Birka verraten
Auf der schwedischen Insel Björkö lag während der Wikingerzeit der bedeutende Handelsplatz Birka. Seine Gräber haben zahlreiche Gegenstände bewahrt, darunter Schmuck, Werkzeuge und kleine Reste von Kleidung. Besonders wertvoll sind Textilien und Haare, die durch den Kontakt mit Metallgegenständen erhalten blieben. Korrosionsprodukte konnten organische Materialien einschließen und sie dadurch vor vollständiger Zersetzung schützen.
Der Archäologe Torbjörn Ågren untersuchte solche Haarreste an ringförmigen Gewandspangen aus Birka. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1995 unter dem Titel Fur in Birka. An Examination of Hair Residue on Penannular Brooches. Von 73 verfügbaren Spangen wiesen 23 Haare oder haarähnliche Fasern auf. Für die nähere Untersuchung entnahm Ågren Proben von 13 Exemplaren und untersuchte sie unter anderem mit einem Rasterelektronenmikroskop.
Besonders aufschlussreich waren die nachgewiesenen Biberhaare. Sie bestanden aus feinem Unterhaar; die längeren Deckhaare fehlten. Ågren deutete dies als Hinweis auf eine gezielte Verarbeitung, bei der man die gröberen Haare entfernte, um einen weicheren Pelz zu erhalten. Die Lage der Haarreste an den Spangen sprach außerdem dafür, dass sie von Pelzbesätzen an Umhängen stammten.
Damit besitzen wir einen konkreten archäologischen Nachweis für Pelz an wikingerzeitlicher Kleidung. Die Menschen trugen offenbar Umhänge, deren Ränder mit bearbeitetem Fell versehen waren. Wie breit diese Besätze ausfielen und wie die vollständigen Kleidungsstücke aussahen, lässt sich aus den wenigen erhaltenen Haaren nicht mehr sicher bestimmen.
Ågren erwog außerdem, dass sorgfältig verarbeiteter Biberpelz gesellschaftlichen Rang sichtbar machen konnte. Ein solcher Besatz wäre für andere Menschen erkennbar gewesen, ohne dass dafür ein vollständiges Tierfell über den Schultern hängen musste.
Biber, Eichhörnchen und Marder in dänischen Wikingergräbern
Wie vielfältig Pelzkleidung hergestellt wurde, zeigt eine naturwissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2022. Ein Forschungsteam um Luise Ørsted Brandt analysierte Fellreste aus sechs reich ausgestatteten dänischen Gräbern der Wikingerzeit. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift PLOS ONE unter dem Titel Palaeoproteomics identifies beaver fur in Danish high-status Viking Age burials – direct evidence of fur trade.
Die Forschenden untersuchten 15 Proben. Da die Haare über Jahrhunderte stark verändert worden waren, versuchten sie, die Tierarten anhand erhaltener Proteine zu bestimmen. Dabei konnten sie unter anderem Biber, Schaf, Eichhörnchen und Marder nachweisen. Die Ergebnisse zeigten, dass einzelne Ausstattungen Materialien verschiedener Tierarten enthielten.
Besonders bemerkenswert war eine Bestattung aus Hvilehøj. Dort gehörten Reste einer weiblichen Kleidungsausstattung und von Schuhen zu einem Ensemble, für das nach den verschiedenen Untersuchungen Häute und Pelze von mindestens sechs Tierarten verwendet worden waren. Die Auswahl war offensichtlich nicht zufällig. Unterschiedliche Materialien wurden dort eingesetzt, wo ihre jeweiligen Eigenschaften gebraucht oder geschätzt wurden.
Die Forschenden beobachteten, dass Wildtierpelze vor allem mit sichtbaren Teilen der Kleidung verbunden waren. Häute von Haustieren dienten häufiger der Herstellung von Ledergegenständen und Schuhen. Diese Verteilung spricht dafür, dass wertvolle Pelze auch wegen ihres Aussehens getragen wurden. Besonders Biberpelz könnte Wohlstand gezeigt haben, denn die Tiere waren im damaligen Dänemark nicht heimisch und entsprechende Pelze mussten von außerhalb beschafft werden.
Allerdings stammen die untersuchten Reste aus außergewöhnlich reich ausgestatteten Gräbern. Ihre Besitzer gehörten vermutlich zu einem wohlhabenden gesellschaftlichen Umfeld. Wie gewöhnliche Bauernfamilien ihre Kleidung mit Pelz ergänzten, wissen wir weit weniger genau. Gerade bei organischen Materialien hängt unser Wissen stark davon ab, was unter günstigen Bedingungen erhalten blieb.
Fell nach innen oder außen – welche Seite hielt besser warm?
Ein Pelz konnte unterschiedlich verarbeitet werden. Bei einem gefütterten Kleidungsstück war es sinnvoll, die Haarseite nach innen zu richten. Zwischen den Haaren blieb Luft eingeschlossen, die als isolierende Schicht wirkte. Die äußere Lage konnte aus Stoff oder bearbeiteter Tierhaut bestehen und die empfindlichere Fütterung schützen.
Bei sichtbaren Besätzen lag die Haarseite dagegen außen. Dort kamen Farbe, Glanz und Struktur des Pelzes zur Geltung. Die Befunde aus Birka und Dänemark zeigen, dass solche sichtbaren Pelzbestandteile in der Wikingerzeit verwendet wurden. Gerade bei wertvollen Wildtierpelzen dürfte ihr Aussehen eine Rolle gespielt haben.
Bei einem vollständigen Fell, das lediglich über die Schultern gelegt wurde, waren grundsätzlich beide Varianten möglich. Die Haarseite konnte zum Körper zeigen und eine weiche, wärmende Oberfläche bilden. Nach außen gerichtet machte sie das Fell sichtbar und verlieh dem Träger ein anderes Erscheinungsbild. Die praktische Wirkung hing außerdem von Tierart, Dicke und Verarbeitung ab.
Welche Trageweise bei solchen Schulterfellen in der Wikingerzeit bevorzugt wurde, wissen wir nicht. Dafür fehlen vollständig erhaltene Stücke mit eindeutig erkennbarem Tragezusammenhang. Die Behauptung, Wikinger hätten Tierfelle grundsätzlich mit der Lederseite nach außen getragen, wäre daher ebenso unbegründet wie die gegenteilige Vorstellung. Entscheidend war offenbar, wofür ein Fell verwendet wurde.
Wollumhänge statt schwerer Raubtierfelle?
Die gewöhnliche Kleidung der Wikingerzeit bestand zu einem erheblichen Teil aus gewebten Stoffen. Wolle war besonders wichtig. Schafe wurden auf vielen Höfen gehalten, und Spinnwirtel, Webgewichte sowie erhaltene Textilien belegen die aufwendige Herstellung von Garn und Gewebe. Funde aus Haithabu, Birka und anderen Siedlungen zeigen unterschiedliche Stoffqualitäten, von kräftigen Gebrauchsgeweben bis zu feineren Textilien.
Ein Wollumhang ließ sich über der übrigen Kleidung tragen und mit einer Spange befestigen. Dicht gewebter Stoff bot Schutz gegen Wind und konnte auch bei feuchtem Wetter noch Wärme speichern. Für Menschen, die auf dem Hof arbeiteten, reisten oder sich längere Zeit im Freien aufhielten, war ein solcher Umhang vielseitig verwendbar.
Ein großes Tierfell konnte ebenfalls wärmen, brachte aber andere Eigenschaften mit sich. Je nach Tierart war es schwerer, steifer oder bei Nässe unhandlicher als ein gewebtes Kleidungsstück. Besonders ein vollständiges Bärenfell mit Kopf und Läufen wäre für viele alltägliche Tätigkeiten kaum die bequemste Wahl gewesen.
Die erhaltenen Textilien liefern deutlich umfangreichere Belege für Wollkleidung als für große Raubtierfelle. Das bedeutet nicht, dass niemand jemals ein solches Fell überwarf. Als verbreitete Alltagskleidung ist es bisher aber nicht nachgewiesen. Pelzbesätze und Fütterungen passen wesentlich besser zu den tatsächlich untersuchten Funden.
Trugen Berserker und Úlfheðnar Wolfs- oder Bärenfelle?
Bei den Berserkern und Úlfheðnar wird die Frage nach Tierfellen besonders interessant. Ihre Namen sind eng mit Vorstellungen von wilden Tieren verbunden. Vor allem moderne Darstellungen zeigen sie häufig mit Wolfs- oder Bärenhäuten, manchmal sogar mit vollständigen Tierköpfen als Kopfbedeckung.
Eine frühe Erwähnung findet sich im Haraldskvæði, auch Hrafnsmál genannt. Das Gedicht wird dem Skalden Þorbjörn hornklofi zugeschrieben und gewöhnlich mit König Harald Schönhaar in Verbindung gebracht. Seine Entstehung wird in die späte Wikingerzeit beziehungsweise deren frühe Phase eingeordnet; überliefert ist es allerdings erst in späteren Handschriften.
In der achten Strophe heißt es:
„grenjuðu berserkir,
guðr vas þeim á sinnum,
emjuðu ulfheðnar
ok ísǫrn dúðu.“
Sinngemäß: „Die Berserker brüllten, der Kampf war ihnen im Sinn; die Wolfskrieger heulten, und die Eisenwaffen dröhnten.“
Die Stelle nennt Berserker und Úlfheðnar ausdrücklich. Sie beschreibt ihr Auftreten im Kampf, sagt aber nichts darüber, ob sie tatsächlich vollständige Tierfelle trugen. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn die Namen selbst haben zu zahlreichen Deutungen geführt.
Úlfheðnar wird häufig als „Wolfshäuter“ oder „Männer in Wolfspelzen“ verstanden. Der Ausdruck könnte sich auf eine besondere Kleidung beziehen. Ebenso wird diskutiert, ob er eine symbolische Verbindung zum Wolf bezeichnete. Aus dem Namen allein lässt sich kein bestimmtes Gewand rekonstruieren.
Auch das Wort berserkr ist sprachgeschichtlich umstritten. Eine bekannte Erklärung verbindet es mit dem Bären und versteht darunter einen Krieger im Bärenhemd. Eine andere Deutung geht von einer Bedeutung im Sinne von „bloßes Hemd“ aus. Die Frage ist nicht abschließend entschieden.
Spätere isländische Sagas schildern Berserker häufig als Männer von außergewöhnlicher Kampfwut. Manche Erzählungen verbinden sie mit Tiergestalten oder besonderen Fähigkeiten. Die meisten dieser Texte wurden jedoch erst im 13. Jahrhundert niedergeschrieben. Zwischen den geschilderten Ereignissen und der schriftlichen Überlieferung lagen damit oft mehrere Jahrhunderte.
Die Verbindung zwischen Kriegern und Wölfen oder Bären ist historisch belegt. Ob sie tatsächlich bestimmte Felle trugen, bleibt offen. Das bekannte Bild eines Berserkers mit einem Bärenkopf auf der Schulter ist eine moderne Ausgestaltung dieser Überlieferungen, keine gesicherte Rekonstruktion.
Pelze als Handelsware und Zeichen von Wohlstand
Wertvolle Pelze wurden während der Wikingerzeit über große Entfernungen gehandelt. Die skandinavischen Handelsplätze waren mit Regionen verbunden, in denen unterschiedliche Wildtiere vorkamen. Besonders die östlichen Flusswege eröffneten den Zugang zu Waren aus dem heutigen Russland und weiteren Gebieten Osteuropas.
Die dänischen Biberfunde liefern dafür einen wichtigen archäologischen Hinweis. Da Biber im damaligen Dänemark nicht heimisch waren, mussten die Pelze aus anderen Regionen stammen. Die Forschenden um Brandt sehen darin einen direkten Nachweis entsprechender Handelsverbindungen. Aus welcher Gegend die einzelnen Felle kamen, konnten sie allerdings nicht bestimmen.
Auch schriftliche Quellen aus dem 10. Jahrhundert zeigen die wirtschaftliche Bedeutung von Pelzen im Osten. Der arabische Reisende Ibn Fadlān, der 922 das Gebiet der Wolgabulgaren erreichte, berichtet über die Rus und die Handelswelt an der Wolga. Seine Aufzeichnungen gehören zu den wichtigsten zeitnahen Beschreibungen dieser Region. Sie liefern wertvolle Hinweise auf Handelsgüter und wirtschaftliche Beziehungen, ohne deshalb die Kleidung aller skandinavischen Bevölkerungsgruppen zu beschreiben.
Für wohlhabende Menschen konnten Pelze mehr bedeuten als Schutz vor Kälte. Ein auffälliger Besatz aus importiertem Material war sichtbar und möglicherweise ein Zeichen gesellschaftlicher Stellung. Wie Ågrens Untersuchung aus Birka zeigt, musste ein solcher Pelz keineswegs groß sein. Schon ein sorgfältig gearbeiteter Umhangrand konnte ein kostbares Material erkennen lassen.
Schaffelle im Haus: Wurde darauf gesessen und geschlafen?
Tierfelle konnten auch unabhängig von Kleidung nützlich sein. Schafhaltung war im Norden weit verbreitet, und die Tiere lieferten neben Wolle und Fleisch auch Häute. Ein Schaffell eignete sich grundsätzlich als weiche Unterlage auf einer Bank, einem Bett oder dem Boden. Gerade auf kaltem Untergrund wäre das praktisch gewesen.
Aus wikingerzeitlichen Siedlungen kennen wir die Grundrisse von Häusern, Feuerstellen und teilweise erhöhte Bereiche, die zum Sitzen oder Schlafen genutzt worden sein können. Welche Textilien und Unterlagen dort lagen, lässt sich meist nicht mehr erkennen. Wolle, Tierhäute und andere organische Materialien vergehen im Boden häufig vollständig.
Das berühmte Oseberg-Schiffsgrab in Norwegen bietet einen seltenen Einblick in die Ausstattung wohlhabender Menschen. Dort fanden Archäologen mehrere Betten und umfangreiche textile Reste. Auch Federn und Daunen gehören zu den nachgewiesenen organischen Materialien. Solche Funde zeigen, dass Liegeflächen mit unterschiedlichen Stoffen und Füllmaterialien ausgestattet werden konnten.
Ein allgemeiner Nachweis für Schaffelle als Schlafunterlagen ergibt sich daraus allerdings nicht. Die Verwendung ist praktisch nachvollziehbar, ihre tatsächliche Häufigkeit kennen wir nicht. Besonders die Ausstattung gewöhnlicher Haushalte bleibt in dieser Hinsicht schwer zu beurteilen.
Wenn ein Schaffell als Unterlage diente, dürfte die Lederseite häufig unten gelegen haben. Die Wollseite bot eine weichere Oberfläche und konnte den Körper gegen den Untergrund isolieren. Das ist eine sinnvolle Rekonstruktion, aber keine archäologisch belegte Vorschrift für wikingerzeitliche Schlafplätze.
Welche Rolle spielten Felle in Lagern und auf Reisen?
Wer im Norden reiste, musste sich auf wechselndes Wetter einstellen. Händler waren auf Schiffen und Flüssen unterwegs, andere Menschen besuchten Märkte, begleiteten bewaffnete Unternehmungen oder hielten sich vorübergehend außerhalb ihrer Siedlungen auf. Nicht überall standen feste Schlafplätze zur Verfügung.
Ein Fell konnte als zusätzliche Wärmeschicht dienen oder auf kaltem Untergrund ausgebreitet werden. Gerade Schaffelle wären dafür grundsätzlich geeignet gewesen. Sie waren allerdings auch sperrig und mussten transportiert sowie vor dauerhafter Feuchtigkeit geschützt werden. Ob jemand ein Fell mitnahm, dürfte deshalb von den Umständen einer Reise abgehangen haben.
Für die Wikingerzeit ist keine einheitliche Lagerausstattung nachgewiesen. Wir wissen nicht, wie häufig Reisende Schaffelle, Wollunterlagen oder andere Schlafmaterialien verwendeten. Auch die heute beliebten Darstellungen von Lagern, in denen nahezu jede Sitzbank und jeder Schlafplatz mit Fellen bedeckt ist, beruhen häufig auf modernen Rekonstruktionen.
Solche Bilder müssen nicht grundsätzlich unmöglich sein. Sie zeigen aber eine denkbare Ausstattung, keine für alle Lager belegte Gewohnheit. Ein Schaffell auf einer Schlafstelle ist historisch plausibel. Daraus eine allgemeine Regel zu machen, würde über die Funde hinausgehen.
Warum zeigt Hollywood seine Wikinger mit so vielen Fellen?
Die großen Schulterfelle erfüllen in Filmen und Serien einen klaren Zweck. Ein Wolfspelz vermittelt Wildheit, ein Bärenfell körperliche Stärke. Die Figuren wirken breiter und gefährlicher, und ihre Kleidung unterscheidet sich sofort von der anderer historischer Epochen. Für eine Fernsehproduktion ist das ein wirkungsvolles Gestaltungsmittel.
Die tatsächliche Kleidung der Wikingerzeit war häufig weniger auffällig, handwerklich aber keineswegs einfach. Wollstoffe mussten gesponnen und gewebt werden. Leder verlangte eine sorgfältige Bearbeitung, und hochwertige Pelzbesätze konnten erheblichen Aufwand verursachen. Wohlhabende Menschen trugen außerdem feine Gewebe, verzierte Borten und teilweise importierte Seide. Die erhaltenen Funde zeigen eine Gesellschaft, in der Kleidung sehr unterschiedlich aussehen konnte.
Moderne Kostüme greifen dagegen gern auf grobes Leder, dunkle Stoffe und große Fellstücke zurück. Sie sollen eine bestimmte Stimmung erzeugen. Das ist für eine fiktive Erzählung nachvollziehbar, vermittelt aber leicht ein einseitiges Bild der Vergangenheit.
Wer einen Wikingerkrieger mit vollständigem Wolfsfell über den Schultern sieht, betrachtet deshalb vor allem eine moderne Interpretation. Dass Menschen im Norden Pelze trugen, ist wissenschaftlich belegt. Dass ganze Raubtierfelle zur gewöhnlichen Kriegerkleidung gehörten, wissen wir nicht.
Fazit – trugen Wikinger wirklich Tierfelle?
Tierfelle gehörten zur Wikingerzeit und wurden auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Pelzbesätze an Umhängen sind durch Haarreste aus Birka nachgewiesen. Untersuchungen dänischer Gräber zeigen außerdem, dass wertvolle Wildtierpelze sorgfältig mit anderen Materialien kombiniert wurden. Besonders Biberpelz konnte als kostbarer Bestandteil der Kleidung auffallen. Bei vollständigen Schulterfellen lässt sich dagegen weder eine übliche Trageweise noch ihre allgemeine Verbreitung belegen.
Schaffelle könnten als Sitz- und Schlafunterlagen gedient haben, auch auf Reisen oder in Lagern. Wie häufig sie tatsächlich verwendet wurden, bleibt unbekannt. Ebenso offen ist, ob Berserker und Úlfheðnar die Tierhäute trugen, die ihre Namen heute vermuten lassen. Die großen Wolfs- und Bärenfelle aus modernen Serien gehören daher eher zur Bildsprache Hollywoods als zu einer gesicherten Rekonstruktion wikingerzeitlicher Kleidung. Die wirklichen Pelzfunde sind weniger spektakulär, verraten aber umso mehr über das handwerkliche Können und den Alltag der Menschen im Norden.


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