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Lebenskunde

Wie bezahlten die Menschen der Wikingerzeit ihren Lebensunterhalt?

06.11.2026Verlag NorseStory · Berlinca. 27 Min. Lesezeit

Gegen Ende des 9. Jahrhunderts berichtete der norwegische Seefahrer Ohthere am Hof des angelsächsischen Königs Alfred über seine Heimat im hohen Norden. Er besaß nach eigener Darstellung 600 Rentiere, außerdem Rinder, Schafe und Schweine. Ein erheblicher Teil seines Wohlstands beruhte auf Abgaben, die er von den Sámi erhielt. Dazu gehörten Tierfelle, Vogelfedern und Seile aus Tierhäuten. Ein regelmäßiges Einkommen in Münzen erwähnt der Bericht nicht.

Ohtheres Schilderung zeigt, wie unterschiedlich Menschen der Wikingerzeit ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Land, Vieh, Rohstoffe und die Leistungen anderer Menschen waren wirtschaftlich wertvoll. Silber und Münzen spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, aber nicht jeder Haushalt war darauf angewiesen, regelmäßig Geld einzunehmen.

Heute arbeiten viele Menschen für einen monatlichen Lohn. Davon bezahlen sie Lebensmittel, Kleidung, Wohnraum, Energie und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Für die meisten Bewohner Skandinaviens zwischen dem späten 8. und dem 11. Jahrhundert funktionierte die Versorgung anders. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte auf landwirtschaftlichen Höfen. Dort wurden Lebensmittel erzeugt, Tiere gehalten und zahlreiche Gebrauchsgegenstände hergestellt.

Gleichzeitig entstanden Handelsplätze, an denen spezialisierte Handwerker und Händler Waren gegen Silber, Münzen oder andere Gegenleistungen abgaben. Herrscher erhielten Abgaben, Gefolgsleute wurden versorgt und unfreie Menschen arbeiteten unter Bedingungen, die sich grundlegend von denen freier Hofbesitzer unterschieden.

Um zu verstehen, wie Menschen der Wikingerzeit ihren Lebensunterhalt bestritten, müssen wir deshalb mehrere Fragen beantworten: Woher kamen Nahrung, Kleidung und Wohnraum? Wie wurden Werkzeuge und andere Waren beschafft? Wann verwendeten Menschen Silber oder Münzen? Und wovon lebten diejenigen, die keinen eigenen Hof besaßen?

Der Bauernhof als Grundlage des Lebensunterhalts

Die meisten Menschen der Wikingerzeit lebten auf dem Land. Landwirtschaftliche Höfe bildeten die wirtschaftliche Grundlage großer Teile Skandinaviens. Ausgrabungen zeigen Wohngebäude, Wirtschaftsbereiche, Stallungen, Vorratsmöglichkeiten und Spuren handwerklicher Tätigkeiten.

Ein Hof war Wohnort und Arbeitsplatz zugleich. Die Bewohner mussten Felder bestellen, Tiere versorgen, Lebensmittel lagern, Gebäude instand halten und zahlreiche Dinge des täglichen Bedarfs herstellen. Die Arbeit richtete sich nach den Jahreszeiten und den örtlichen Bedingungen.

In Dänemark und Südskandinavien spielte der Getreideanbau eine wichtige Rolle. Archäologische Pflanzenreste belegen unter anderem Gerste, Roggen, Hafer und regional auch Weizen. Hinzu kamen weitere Kulturpflanzen sowie Lebensmittel aus der Tierhaltung. In anderen Regionen hatten Fischfang, Jagd und Viehwirtschaft ein größeres Gewicht.

Die Erzeugnisse eines Hofes wurden nicht zwangsläufig verkauft. Ein Teil diente unmittelbar der Ernährung, ein anderer wurde für die kommenden Monate eingelagert. Saatgut musste für das nächste Jahr zurückbehalten werden. Auch die Tiere benötigten Futter und geeignete Unterbringung.

Für viele Haushalte bestand die wichtigste wirtschaftliche Aufgabe deshalb darin, ausreichend Vorräte und Arbeitsmittel zu sichern. Wer genügend Getreide, Vieh, Brennmaterial und brauchbare Werkzeuge besaß, konnte einen großen Teil seiner Bedürfnisse decken, ohne dafür regelmäßig Silber auszugeben.

Diese Form der Versorgung wird häufig als Selbstversorgung bezeichnet. Der Begriff ist hilfreich, darf aber nicht mit vollständiger wirtschaftlicher Unabhängigkeit verwechselt werden. Auch landwirtschaftliche Haushalte benötigten Waren, Rohstoffe und Leistungen, die sie nicht selbst herstellen konnten.

Wie kam das tägliche Essen auf den Tisch?

Die Ernährung eines landwirtschaftlichen Haushalts beruhte auf der Arbeit vieler Monate. Im Frühjahr mussten Felder vorbereitet und bestellt werden. Während des Sommers wurden Pflanzen gepflegt und Tiere versorgt. Die Ernte im Spätsommer und Herbst entschied wesentlich darüber, welche Vorräte für den Winter zur Verfügung standen.

Getreide konnte zu Brei, Brot und anderen Speisen verarbeitet werden. Rinder, Schafe und Ziegen lieferten Milch, die frisch verwendet oder weiterverarbeitet werden konnte. Schweine und andere Nutztiere dienten der Fleischversorgung. In Küstenregionen und an Binnengewässern ergänzte Fisch die Ernährung.

Ein Tier besaß häufig einen wirtschaftlichen Nutzen, der weit über seinen Fleischwert hinausging. Eine Kuh konnte über längere Zeit Milch liefern und Nachwuchs bekommen. Ein Schaf lieferte wiederholt Wolle. Die Schlachtung bedeutete deshalb zugleich den Verlust künftiger Erträge.

Lebensmittel mussten teilweise haltbar gemacht werden. Trocknen, Räuchern und Salzen ermöglichten eine längere Aufbewahrung. Auch Getreide benötigte geeignete Lagerbedingungen. Feuchtigkeit, Schädlinge und Verderb konnten Vorräte unbrauchbar machen.

Ein Haushalt musste also nicht jeden Tag Lebensmittel kaufen. Die Bewohner erzeugten einen großen Teil ihrer Nahrung selbst. Der wirtschaftliche Aufwand lag in der notwendigen Arbeit, der Nutzung des Landes und der Versorgung der Tiere.

Wer eine schlechte Ernte hatte, konnte allerdings in Schwierigkeiten geraten. Fehlende Vorräte ließen sich nur ausgleichen, wenn andere Menschen Lebensmittel abgaben oder ein Haushalt genügend Waren besaß, um sie einzutauschen. Selbstversorgung bot daher wirtschaftliche Möglichkeiten, brachte aber auch erhebliche Risiken mit sich.

Was kosteten Kleidung und Schuhe?

Auch Kleidung wurde in vielen Haushalten zumindest teilweise selbst hergestellt. Besonders die Verarbeitung von Wolle erforderte viel Arbeit. Schafe mussten geschoren, die Fasern vorbereitet und zu Garn gesponnen werden. Anschließend wurde das Garn zu Stoff verarbeitet.

Spinnwirtel und Webgewichte gehören zu den verbreiteten archäologischen Funden der Wikingerzeit. Erhaltene Textilien aus Haithabu, Birka und anderen Fundorten zeigen unterschiedliche Bindungen und Gewebequalitäten.

Ein Kleidungsstück erforderte damit eine lange Folge von Arbeitsschritten. Selbst wenn die Wolle von eigenen Schafen stammte, war der Stoff keineswegs kostenlos. Seine Herstellung beanspruchte Arbeitszeit und handwerkliche Erfahrung.

Schuhe und andere Ledergegenstände benötigten Tierhäute, die entsprechend vorbereitet und bearbeitet werden mussten. Auch hier konnten Haushalte bestimmte Arbeiten selbst ausführen oder auf erfahrene Handwerker zurückgreifen.

Daneben wurden Stoffe, Schmuck und andere Kleidungsbestandteile gehandelt. Besonders hochwertige Textilien und importierte Materialien waren nicht überall verfügbar. Wer solche Waren erwerben wollte, benötigte eine geeignete Gegenleistung.

Die Frage nach monatlichen Kleidungsausgaben passt deshalb kaum zu diesen Verhältnissen. Kleidung konnte aus eigener Produktion stammen, durch Austausch erworben oder innerhalb eines Haushalts bereitgestellt werden. Ihr wirtschaftlicher Wert lag in den Materialien und der dafür notwendigen Arbeit.

Wie wurde ein Haus bezahlt?

Ein Wohnhaus war in der Wikingerzeit gewöhnlich kein fertig erworbenes Produkt. Seine Errichtung erforderte geeignetes Land, Baumaterial und Arbeitskraft.

Je nach Region verwendeten die Menschen Holz, Lehm, Flechtwerk, Torf, Stein und andere verfügbare Materialien. In Dänemark und Südskandinavien sind zahlreiche Holzbauten archäologisch nachgewiesen. In Island und anderen nordatlantischen Siedlungsgebieten spielten Torf und Stein eine größere Rolle.

Für den Bau mussten Materialien beschafft, Pfosten gesetzt, Wände errichtet und Dächer gedeckt werden. Hinzu kamen Feuerstellen und Einrichtungen für das Wohnen, Lagern und Arbeiten.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen hingen davon ab, wem das Land gehörte und wer es nutzen durfte. Ein Haushalt mit eigenem Land und ausreichender Arbeitskraft hatte andere Möglichkeiten als Menschen, die auf fremdem Grund lebten.

Ein größerer Hof konnte zahlreiche Arbeiten mit den eigenen Bewohnern ausführen. Für anspruchsvolle Tätigkeiten waren möglicherweise erfahrene Handwerker notwendig. Deren Leistungen konnten durch Waren, Silber oder andere Vereinbarungen ausgeglichen werden.

Eine monatliche Mietzahlung nach heutigem Verständnis darf daraus nicht abgeleitet werden. Nutzungsrechte, Abgaben und persönliche Verpflichtungen konnten unterschiedliche Formen annehmen. Für die Wikingerzeit sind die genauen Bedingungen solcher Verhältnisse regional nur unvollständig überliefert.

Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände – was musste beschafft werden?

Ein landwirtschaftlicher Haushalt benötigte Messer, Äxte, landwirtschaftliche Geräte, Holzgefäße, Kochgeschirr und zahlreiche weitere Gegenstände. Manche konnten vor Ort hergestellt oder repariert werden. Andere erforderten besondere Kenntnisse und geeignete Rohstoffe.

Die Eisenverarbeitung war dafür ein gutes Beispiel. Ein Schmied musste wissen, wie sich Eisen beim Erhitzen verändert und wie es mit geeigneten Werkzeugen bearbeitet werden konnte. Die Herstellung eines hochwertigen Messers oder einer Axt erforderte entsprechende Erfahrung.

Ein Haushalt ohne eigene Schmiede war deshalb auf andere Menschen angewiesen. Er konnte einen Gegenstand erwerben oder eine Reparatur ausführen lassen. Dafür kamen unterschiedliche Gegenleistungen infrage.

Auch beschädigte Gegenstände hatten weiterhin einen Wert. Eisen konnte erneut verarbeitet, Holzgeräte konnten ausgebessert und Textilien repariert werden. Die Wiederverwendung vorhandener Materialien verringerte den Bedarf an neuen Rohstoffen.

Die wirtschaftliche Versorgung eines Haushalts bestand somit aus eigener Herstellung, Reparatur und dem Erwerb fehlender Waren. Welche dieser Möglichkeiten überwog, hing von den vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen ab.

Wie funktionierte der Tauschhandel?

Der direkte Austausch von Waren gehörte zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Wikingerzeit. Ein Haushalt konnte überschüssige Erzeugnisse abgeben und dafür Gegenstände erhalten, die er selbst benötigte.

Das Wikingerschiffsmuseum in Roskilde beschreibt den Austausch landwirtschaftlicher Überschüsse gegen Werkzeuge, Kleidung, Tiere und andere Waren als einen Bestandteil des damaligen Handels. Solche Geschäfte konnten auf Märkten stattfinden, aber auch im direkten Kontakt zwischen einzelnen Menschen.

Ein Tausch setzte voraus, dass beide Seiten die angebotene Gegenleistung akzeptierten. Wer Getreide besaß und ein Werkzeug benötigte, musste jemanden finden, der das Getreide annehmen wollte.

Die konkrete Bewertung der Waren war nicht überall gleich. Qualität, Verfügbarkeit, Transportaufwand und persönliche Beziehungen konnten beeinflussen, welche Gegenleistung als angemessen galt.

Allerdings wäre es falsch, die Wikingerzeit als reine Tauschwirtschaft zu beschreiben. Silber und Münzen waren bereits bekannt und wurden verwendet. Direkter Tausch, Zahlungen mit Edelmetall und andere Formen des Austauschs bestanden nebeneinander.

Wie bezahlte man mit Silber?

Silber gehörte zu den wichtigsten Zahlungsmitteln der Wikingerzeit. Besonders an Handelsplätzen und entlang weitreichender Handelsverbindungen konnte es zum Erwerb von Waren dienen.

Häufig wurde Silber nach Gewicht bewertet. Dabei spielte es zunächst keine entscheidende Rolle, ob es sich um eine Münze, einen Barren oder ein Schmuckstück handelte. Wichtig waren die Menge und die Beschaffenheit des Metalls.

Aus Skandinavien sind zahlreiche Silberschätze bekannt, die Münzen, Barren, Schmuck und kleinere Metallfragmente enthalten. Solche Funde zeigen, dass Silber in unterschiedlichen Formen gesammelt und verwendet wurde.

Absichtlich zerteilte Silbergegenstände werden als Hacksilber bezeichnet. Dazu gehören abgeschnittene Stücke von Schmuck, Barren und Münzen. Durch das Zerteilen konnten kleinere Silbermengen bereitgestellt werden.

Die Verwendung gewogenen Silbers ist durch archäologische Funde gut belegt. Besonders kleine Waagen und Gewichte zeigen, dass Menschen die Menge des Metalls bei Geschäften bestimmen konnten.

Ein Kauf mit der Silberwaage

Wie konnte eine solche Zahlung praktisch aussehen? Wenn sich Käufer und Verkäufer auf eine Silbermenge geeinigt hatten, konnte diese mit einer kleinen Waage bestimmt werden.

Auf eine Waagschale wurde das Silber gelegt, auf die andere ein geeignetes Gewicht. Die Beteiligten konnten so prüfen, ob die vereinbarte Menge erreicht war.

War ein Silberstück zu groß, konnte es geteilt werden. Das abgeschnittene Stück behielt seinen Materialwert. Eine vollständige Münze war für eine solche Zahlung nicht erforderlich.

Die archäologischen Funde belegen die dafür notwendigen Geräte und die Verwendung unterschiedlich großer Silberstücke. Sie liefern allerdings keine vollständigen Aufzeichnungen gewöhnlicher Kaufgeschäfte. Deshalb wissen wir nicht, wie häufig bestimmte Waren auf diese Weise bezahlt wurden.

Die Qualität des Silbers spielte ebenfalls eine Rolle. Ein Stück mit geringerem Silbergehalt hatte nicht denselben Materialwert wie eine gleich schwere Menge reinen Silbers. Prüfspuren an manchen Silbergegenständen zeigen, dass Menschen die Beschaffenheit des Metalls untersuchten.

Für einen erfolgreichen Handel waren deshalb Erfahrung, geeignete Geräte und ein gewisses Maß an Vertrauen notwendig.

Welche Gewichte verwendeten die Menschen?

In der Wikingerzeit gab es unterschiedliche Gewichtssysteme. Archäologische Funde zeigen kleine Gewichte aus Metall, die häufig zusammen mit Waagen verwendet wurden.

Besonders verbreitet waren bestimmte Gewichtstypen aus Kupferlegierungen und Eisen. Dazu gehören kleine kubooktaedrische Gewichte mit markierten Flächen sowie abgeflachte kugelförmige Gewichte mit Eisenkern und einer Hülle aus einer Kupferlegierung.

Untersuchungen solcher Gewichte zeigen Verbindungen zu Gewichtssystemen des islamischen Wirtschaftsraums. Die Handelskontakte zwischen Skandinavien und dem Osten beeinflussten offenbar auch die verwendeten Messverfahren.

Einzelne Gewichtstypen lassen sich mit Einheiten um etwa vier Gramm verbinden. Daneben werden in der Forschung größere Gewichtseinheiten untersucht. Susan E. Kruse hat für bestimmte wikingerzeitliche Silberbarren Hinweise auf eine Einheit im Bereich von ungefähr 26 Gramm beschrieben.

Diese Werte dürfen nicht zu einem überall gültigen skandinavischen Gewichtssystem zusammengefasst werden. Die Funde unterscheiden sich nach Region, Zeit und Verwendungszusammenhang.

Auch Bezeichnungen wie Mark und Öre begegnen in späteren nordischen Gewichtssystemen. Ihre Bedeutung und ihr Verhältnis zueinander veränderten sich im Laufe der Zeit. Eine feste Umrechnung für sämtliche Regionen der Wikingerzeit wäre deshalb irreführend.

Für den praktischen Handel war entscheidend, dass die Beteiligten über Gewichte verfügten, deren Wert sie akzeptierten. Damit konnten Silbermengen verglichen und Zahlungen ausgeführt werden.

Waren Münzen genauso wichtig wie gewogenes Silber?

Die Bedeutung von Münzen unterschied sich erheblich zwischen den Regionen.

In Ribe und Haithabu wurden bereits während der Wikingerzeit Münzen geprägt und verwendet. Die wirtschaftshistorische Forschung der Universität Aarhus weist darauf hin, dass Münzen an diesen Handelsplätzen als reguläre Zahlungsmittel umliefen. Dort wurden sie nicht grundsätzlich zerteilt und nach Gewicht verwendet.

Außerhalb solcher Handelsplätze war der Umgang mit Silber häufig anders. Münzen konnten dort ebenso wie Barren und Schmuckstücke nach ihrem Gewicht bewertet werden. Eine fremde Münze war dann vor allem wegen ihres Silbergehalts wertvoll.

Besonders arabische Silberdirhams gelangten über östliche Handelswege nach Skandinavien. Daneben wurden west- und mitteleuropäische Münzen verwendet. Viele dieser Stücke wurden zerteilt oder zu Schmuck verarbeitet.

Ein gutes Beispiel für das Nebeneinander unterschiedlicher Geldformen liefert das skandinavisch beherrschte Danelaw in England. Die Archäologin Jane Kershaw hat gezeigt, dass dort zwischen ungefähr 865 und 940 sowohl gewogenes Silber als auch Münzen verwendet wurden. Das bereits bestehende angelsächsische Münzwesen verschwand durch die skandinavische Herrschaft nicht.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren deshalb regional unterschiedlich. Ein Kauf in einem Handelsplatz mit geregeltem Münzumlauf konnte anders abgewickelt werden als ein Geschäft, bei dem Silber nach Gewicht bewertet wurde.

Was verraten Silberschätze über den Alltag?

Silberschätze gehören zu den auffälligsten archäologischen Funden der Wikingerzeit. Besonders aus Gotland, Dänemark und weiteren Regionen Skandinaviens sind zahlreiche Horte bekannt.

Sie enthalten Münzen, Schmuck, Barren und Hacksilber. Manche wurden in Gefäßen oder unter der Erde verborgen. Andere gelangten auf unbekannte Weise in den Boden.

Solche Funde zeigen, dass Menschen beträchtliche Silbermengen besitzen konnten. Sie verraten allerdings nicht automatisch, wie das Silber erworben wurde.

Ein Schatz konnte aus Handelsgeschäften, Geschenken, Abgaben, Beute oder anderen Quellen stammen. Auch die Gründe für seine Niederlegung sind nicht immer erkennbar. Nicht jeder Hort war zwangsläufig ein Vermögen, das später wieder ausgegraben werden sollte.

Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen dem Besitz von Silber und seiner Verwendung als Zahlungsmittel. Ein großer Silberschatz belegt Vermögen, aber nicht unmittelbar den täglichen Einkauf von Lebensmitteln.

Waagen, Gewichte und einzelne Silberfunde aus Siedlungen ergänzen dieses Bild. Sie zeigen, dass Silber auch außerhalb großer Schatzniederlegungen im wirtschaftlichen Leben verwendet wurde.

Was kostete ein Messer, ein Schaf oder ein Pferd?

Eine allgemeine Preisliste für die Wikingerzeit ist nicht überliefert. Es gibt einzelne schriftliche Angaben zu Wertverhältnissen und Zahlungen, aber keine vollständige Übersicht über gewöhnliche Warenpreise in Skandinavien.

Das Dänische Nationalmuseum nennt anhand historischer Überlieferungen verschiedene Beispiele für den Wert bestimmter Gegenstände. Dazu gehören Angaben über Waffen, Pferde, Rinder und unfreie Menschen.

Solche Werte zeigen, dass Waren und Menschen wirtschaftlich miteinander verglichen wurden. Sie dürfen aber nicht als feste Preise für ganz Skandinavien verstanden werden. Die zugrunde liegenden Angaben stammen aus unterschiedlichen historischen Zusammenhängen.

Ein Schaf konnte je nach Alter, Zustand und Nutzung einen unterschiedlichen Wert besitzen. Ein Tier, das weiterhin Wolle und Nachwuchs lieferte, hatte für einen Hof andere wirtschaftliche Möglichkeiten als ein Tier, das geschlachtet werden sollte.

Ähnlich verhielt es sich mit Werkzeugen. Ein einfaches Messer stellte andere Anforderungen an Material und Herstellung als eine aufwendig gearbeitete Klinge. Auch die örtliche Verfügbarkeit von Eisen und erfahrenen Handwerkern konnte den Wert beeinflussen.

Eine Aussage wie „Ein Messer kostete drei Silbermünzen“ wäre ohne genaue Quellenstelle und zeitliche Einordnung nicht belastbar. Für viele alltägliche Gegenstände kennen wir schlicht keinen gesicherten wikingerzeitlichen Preis.

Die wirtschaftliche Bedeutung einer Ware lässt sich deshalb häufig besser anhand ihrer Herstellung, ihres Nutzens und ihrer Verfügbarkeit erklären als durch eine vermeintlich genaue Preisangabe.

Ein Schmied in Haithabu – wovon konnte er leben?

Haithabu gehörte zu den bedeutendsten Handelsplätzen der Wikingerzeit. Die Siedlung lag an der Schlei und war über Land- und Wasserwege mit unterschiedlichen Handelsregionen verbunden.

Ausgrabungen haben zahlreiche Hinweise auf spezialisierte handwerkliche Tätigkeiten geliefert. Dazu gehören die Verarbeitung von Metall, Knochen, Geweih und anderen Materialien. Werkzeuge, Produktionsabfälle und unfertige Gegenstände zeigen, dass dort regelmäßig Waren hergestellt wurden.

Ein Schmied benötigte Eisen, Brennstoff, Werkzeuge und einen geeigneten Arbeitsplatz. Seine Erzeugnisse konnten Messer, Beschläge, Nägel und andere Gegenstände umfassen.

Wenn er Waren für andere Menschen herstellte, konnte er dafür Gegenleistungen erhalten. Silberzahlungen waren in Haithabu eine nachweislich verfügbare wirtschaftliche Möglichkeit. Auch der Austausch gegen andere Waren kam grundsätzlich infrage.

Der Schmied musste seinerseits Lebensmittel und weitere notwendige Dinge beschaffen. Wenn er einen erheblichen Teil seiner Arbeitszeit mit der Metallverarbeitung verbrachte, war er stärker auf die Erzeugnisse anderer Menschen angewiesen als ein Haushalt, der überwiegend von der eigenen Landwirtschaft lebte.

Wie seine Versorgung konkret organisiert war, wissen wir allerdings nicht. Er konnte selbstständig Waren herstellen, zu einem größeren Haushalt gehören oder für einen wohlhabenden Auftraggeber arbeiten. Werkstattfunde belegen seine Tätigkeit, aber nicht automatisch seine wirtschaftliche Stellung.

Das Beispiel zeigt, warum die Handelsplätze andere Versorgungsformen ermöglichten als gewöhnliche Bauernhöfe. Spezialisierte Produktion setzte voraus, dass Menschen ihre Waren gegen die Dinge eintauschen konnten, die sie zum Leben benötigten.

Wie wurden Handelsplätze mit Lebensmitteln versorgt?

Die Bewohner von Handelsplätzen benötigten regelmäßig Getreide, Fleisch, Fisch und andere Nahrungsmittel. Ein Teil konnte aus dem unmittelbaren Umland stammen. Landwirtschaftliche Höfe waren deshalb eng mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten solcher Siedlungen verbunden.

Archäologische Untersuchungen von Tierknochen und Pflanzenresten geben Hinweise darauf, welche Lebensmittel an Handelsplätzen verbraucht wurden. Sie zeigen allerdings nicht immer, auf welchem Weg diese Waren dorthin gelangten.

Lebensmittel konnten verkauft, getauscht oder als Teil anderer Verpflichtungen abgegeben werden. Auch die Versorgung innerhalb größerer Haushalte spielte wahrscheinlich eine Rolle.

Für einen Händler oder Handwerker war es wirtschaftlich sinnvoll, Waren oder Leistungen anzubieten, die andere Menschen benötigten. Die erhaltenen Gegenleistungen konnten wiederum zur Beschaffung von Nahrung und Rohstoffen dienen.

Damit entstand eine stärkere Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlichen Produzenten und spezialisierten Bewohnern der Handelsplätze. Diese Arbeitsteilung war allerdings nicht vollständig. Manche Menschen konnten Landwirtschaft, Handel und Handwerk miteinander verbinden.

Wie verdienten Händler ihren Lebensunterhalt?

Händler beschafften Waren an einem Ort und gaben sie andernorts weiter. Ihr wirtschaftlicher Erfolg hing davon ab, ob sie für die angebotenen Gegenstände eine lohnende Gegenleistung erhielten.

Die Handelsverbindungen der Wikingerzeit reichten weit über Skandinavien hinaus. Bernstein, Pelze, Walrosselfenbein, Wachs, Honig, Metalle und weitere Waren gelangten über unterschiedliche Wege in entfernte Regionen. Umgekehrt kamen Silber, Glas, Stoffe und andere Erzeugnisse nach Norden.

Solche Unternehmungen erforderten erhebliche Mittel. Ein Händler benötigte Waren, Transportmöglichkeiten, Ausrüstung und Kontakte. Wer mit einem Schiff reiste, musste auch die Versorgung während der Fahrt berücksichtigen.

Der Gewinn eines Geschäfts bestand nicht zwangsläufig aus Münzen. Ein Händler konnte Waren erwerben, die an einem anderen Ort begehrt waren. Auch Silber eignete sich dazu, den Wert transportierter Waren in eine leichter teilbare Form zu überführen.

Die Handelswege boten Möglichkeiten für wirtschaftlichen Erfolg, waren aber mit Risiken verbunden. Schiffsverluste, Überfälle, ungünstige Marktbedingungen oder politische Konflikte konnten eine Unternehmung scheitern lassen.

Nicht jeder Händler war ausschließlich im Handel tätig. Ein Hofbesitzer konnte eigene Erzeugnisse verkaufen oder an Handelsfahrten teilnehmen. Ebenso konnten Menschen unterschiedliche wirtschaftliche Tätigkeiten miteinander verbinden.

Ibn Fadlān – Silber und Wohlstand bei den Rus

Eine wichtige schriftliche Quelle für den Handel im Osten ist der Bericht des arabischen Gesandten Aḥmad ibn Faḍlān. Er reiste 921/922 in das Gebiet der Wolgabulgaren und begegnete dort Händlern, die er als Rus bezeichnete.

Sein Bericht beginnt die Beschreibung dieser Menschen mit der Feststellung, dass sie auf Handelsfahrten an die Wolga gekommen seien. In einer englischen Übersetzung von James E. Montgomery heißt es: „I saw the Rūsiyyah when they had arrived on their trading expedition.“ Auf Deutsch bedeutet dies: „Ich sah die Rus, als sie auf ihrer Handelsreise angekommen waren.“

Die Passage steht in Ibn Faḍlāns Reisebericht, der gewöhnlich als Risāla bezeichnet wird, im Abschnitt über die Rus. Sie zeigt unmittelbar, dass der Autor diese Menschen als Händler wahrnahm.

Ibn Faḍlān beschreibt außerdem Schmuckstücke aus Gold und Silber. Er verbindet deren Wert mit dem Wohlstand der Besitzer. In verschiedenen Übersetzungen erscheint auch die Angabe, dass bestimmte Schmuckstücke mit dem Besitz größerer Mengen von Dirhams zusammenhingen.

Solche Nachrichten zeigen, dass Silbermünzen im Handelsmilieu der Rus eine wichtige wirtschaftliche Bezugsgröße bildeten. Sie belegen aber keine allgemein gültigen Preise für Skandinavien.

Auch die Herkunft und Zusammensetzung der von Ibn Faḍlān beschriebenen Rus muss berücksichtigt werden. Es handelte sich um Menschen eines Handelsmilieus im östlichen Europa, dessen Beziehungen nach Skandinavien reichten. Der Bericht darf deshalb nicht als unmittelbare Beschreibung sämtlicher Bewohner der skandinavischen Halbinsel verstanden werden.

Hinzu kommt die Perspektive des Autors. Ibn Faḍlān schrieb als muslimischer Gesandter über Menschen, deren Lebensweise er teilweise mit deutlicher Ablehnung betrachtete. Seine Beobachtungen sind wertvoll, müssen aber in ihrem kulturellen und historischen Zusammenhang gelesen werden.

Gab es regelmäßige Löhne?

Für die Wikingerzeit sind keine allgemeinen Lohnsysteme überliefert, die mit heutigen Arbeitsverhältnissen vergleichbar wären. Menschen konnten für andere arbeiten, ohne dafür einen monatlichen Geldbetrag zu erhalten.

Wer in einem fremden Haushalt lebte und arbeitete, konnte dort Nahrung, Unterkunft und andere notwendige Dinge erhalten. Eine solche Versorgung musste nicht in Form eines regelmäßigen Silberlohns erfolgen.

Auch persönliche Verpflichtungen konnten wirtschaftliche Leistungen begründen. Menschen konnten für einen Hofbesitzer arbeiten, einem Herrscher dienen oder im Rahmen einer Gefolgschaft versorgt werden.

Die genauen Bedingungen solcher Arbeitsverhältnisse sind für die Wikingerzeit nur unvollständig bekannt. Spätere isländische Gesetzestexte enthalten Bestimmungen über Dienstverhältnisse, Entlohnung und wirtschaftliche Verpflichtungen. Ihre erhaltenen Fassungen stammen jedoch aus dem Hochmittelalter.

Sie zeigen, dass solche Beziehungen im mittelalterlichen Norden rechtlich geregelt werden konnten. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Lohnordnung für das 9. Jahrhundert ableiten.

Für den Alltag ist deshalb zwischen der Bezahlung einer einzelnen Arbeitsleistung und der dauerhaften Versorgung innerhalb eines Haushalts zu unterscheiden. Beide Formen konnten wirtschaftlich bedeutsam sein.

Wie lebten Menschen ohne eigenen Hof?

Nicht alle freien Menschen verfügten über ausreichendes Land, um einen eigenen Haushalt vollständig zu versorgen. Manche lebten in größeren Haushaltsgemeinschaften oder arbeiteten auf fremdem Land.

Wer für andere Menschen arbeitete, konnte Nahrung, Unterkunft und andere Leistungen erhalten. Eine solche Versorgung musste nicht in Form eines regelmäßigen Geldlohns erfolgen.

Die genauen Bedingungen solcher Arbeitsverhältnisse sind für die Wikingerzeit nur unvollständig bekannt. Besonders die späteren isländischen Rechtsquellen enthalten Regelungen über Dienstverhältnisse, Entlohnung und wirtschaftliche Verpflichtungen. Sie zeigen, welche Formen der Organisation im mittelalterlichen Norden möglich waren, dürfen aber nicht unverändert auf die frühere Wikingerzeit übertragen werden.

Für einen Menschen ohne eigenen Hof konnte die Zugehörigkeit zu einem Haushalt wirtschaftlich entscheidend sein. Dort standen möglicherweise Lebensmittel, Schlafplätze und Arbeitsmittel zur Verfügung. Im Gegenzug konnten bestimmte Arbeiten erwartet werden.

Wie selbstständig solche Menschen waren, hing von ihrem rechtlichen Status und ihrer Stellung innerhalb der Gemeinschaft ab. Freie Arbeitskräfte und unfreie Personen befanden sich unter unterschiedlichen Bedingungen.

Wie wurden unfreie Menschen versorgt?

Unfreiheit gehörte zu den gesellschaftlichen Verhältnissen der Wikingerzeit. Menschen konnten durch Gefangenschaft, Handel oder Geburt in einen unfreien Status gelangen. Sie arbeiteten in Haushalten, auf Höfen und möglicherweise auch in handwerklichen Bereichen.

Unfreie Menschen konnten nicht in gleicher Weise über ihre Arbeitskraft verfügen wie freie Personen. Ihre Versorgung hing wesentlich von den wirtschaftlichen Bedingungen und Entscheidungen der Haushalte ab, in denen sie lebten.

Nahrung, Unterkunft und andere notwendige Dinge konnten ihnen innerhalb des Haushalts zugewiesen werden. Daraus lässt sich allerdings keine einheitliche Versorgung ableiten. Die tatsächlichen Lebensbedingungen konnten erheblich voneinander abweichen.

Der wirtschaftliche Wert unfreier Menschen wurde in den Quellen teilweise ausdrücklich behandelt. Menschenhandel war Bestandteil der Handelsverbindungen der Wikingerzeit. Die Tatsache, dass Menschen verkauft werden konnten, zeigt eine grundlegende Form wirtschaftlicher Ungleichheit.

Ein regelmäßiger Geldlohn war für unfreie Menschen nicht die Grundlage ihrer gesellschaftlichen Stellung. Ihre Arbeit trug zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anderer Haushalte bei, während ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sein konnten.

Geschenke und wirtschaftliche Verpflichtungen

Wirtschaftliche Beziehungen bestanden nicht ausschließlich aus Kaufgeschäften. Geschenke, Abgaben und persönliche Verpflichtungen spielten ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ein wertvoller Gegenstand konnte als Geschenk übergeben werden, um eine Beziehung zu festigen. Solche Gaben konnten Anerkennung ausdrücken und Erwartungen an spätere Unterstützung begründen.

Besonders im Umfeld von Herrschern und führenden Familien waren solche Beziehungen bedeutsam. Waffen, Schmuck und Silber konnten als Zeichen von Rang, Loyalität und persönlicher Bindung dienen.

Auch Abgaben mussten nicht zwangsläufig in Silber entrichtet werden. Menschen konnten Waren oder Arbeitsleistungen schulden. Solche Verpflichtungen konnten mit Landnutzung, persönlicher Abhängigkeit oder politischer Herrschaft verbunden sein.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Wikingerzeit dürfen deshalb nicht einfach mit einem modernen Steuersystem gleichgesetzt werden. Für Skandinavien sind die Formen regelmäßiger königlicher Abgaben im 9. und 10. Jahrhundert regional unterschiedlich und vielfach nur unvollständig bekannt.

Ohthere – ein Mann, dessen Reichtum aus Vieh und Abgaben bestand

Der Bericht des norwegischen Seefahrers Ohthere wurde gegen Ende des 9. Jahrhunderts in die altenglische Bearbeitung der Weltgeschichte des Orosius aufgenommen. Er schilderte darin seine Heimat im Norden Norwegens, seine Reisen und seine wirtschaftlichen Verhältnisse.

Ohthere beschrieb sich als wohlhabenden Mann, obwohl er nach seiner Darstellung nur vergleichsweise wenig Ackerland bewirtschaftete. Sein Besitz umfasste Rinder, Schafe, Schweine und zahlreiche Rentiere. Einen wichtigen Teil seines Reichtums bildeten Abgaben, die er von den Sámi erhielt.

Der altenglische Bericht bezeichnet ihn als „swyðe spedig man“, also als „sehr wohlhabenden Mann“. Die Formulierung steht in der Beschreibung seines Besitzes im Bericht über seine Reisen, der in die altenglische Orosius-Bearbeitung aufgenommen wurde.

Zu den Leistungen, die Ohthere nach eigener Darstellung von den Sámi erhielt, gehörten Tierfelle, Vogelfedern, Walrossmaterial und Seile aus Tierhäuten. Solche Gegenstände konnten für die eigene Nutzung wertvoll sein oder über Handelsverbindungen weitergegeben werden.

Der Bericht zeigt, dass wirtschaftliche Macht nicht allein vom Besitz von Münzen abhing. Wer Anspruch auf begehrte Rohstoffe und die Leistungen anderer Menschen hatte, verfügte über eine wichtige Grundlage seines Wohlstands.

Ohtheres Angaben müssen allerdings als Bericht eines einzelnen Mannes verstanden werden, der am angelsächsischen Königshof über seine Heimat sprach. Sie beschreiben keine allgemeine Wirtschaftsordnung für ganz Skandinavien. Besonders die geschilderten Abgaben spiegeln ein asymmetrisches Verhältnis zu den Sámi wider und dürfen nicht als gewöhnlicher, freiwilliger Warentausch missverstanden werden.

Wie wurden Krieger und Gefolgsleute bezahlt?

Die Unterhaltung bewaffneter Gefolgschaften erforderte erhebliche Mittel. Menschen, die für einen Herrscher oder einen mächtigen Anführer kämpften, benötigten Nahrung, Ausrüstung und eine wirtschaftliche Grundlage.

Herrscher konnten Gefolgsleute durch Geschenke, Beuteanteile und andere Leistungen an sich binden. Wertvolle Waffen und Schmuckstücke eigneten sich dazu, Rang und persönliche Beziehungen sichtbar zu machen.

Daneben gewann die Bezahlung mit Silber und Münzen an Bedeutung. Besonders im 10. und 11. Jahrhundert stehen größere Silberzuflüsse und königliche Münzprägungen mit der Finanzierung militärischer Unternehmungen und Herrschaft in Verbindung.

Aus England sind umfangreiche Tributzahlungen bekannt, die skandinavischen Heeren oder Herrschern zuflossen. Solche Zahlungen trugen dazu bei, große Mengen Silber in den Norden zu bringen.

Die Zahlungen von 991 und 994

Die Angelsächsische Chronik berichtet für das Jahr 991 von einer Zahlung in Höhe von 10.000 Pfund an skandinavische Angreifer. Die Entscheidung folgte auf schwere militärische Bedrohungen, darunter den Kampf bei Maldon.

Für das Jahr 994 nennt die Chronik eine weitere Zahlung von 16.000 Pfund. Außerdem wurde die Versorgung des Heeres mit Lebensmitteln vereinbart.

Diese Angaben zeigen, dass Herrscher und politische Gemeinschaften große Mengen an Geld und Versorgungsgütern aufbringen konnten, um militärische Konflikte zu beeinflussen.

Die genannten Pfund sind als zeitgenössische Gewichts- beziehungsweise Rechnungseinheiten zu verstehen. Sie dürfen nicht mit dem heutigen britischen Pfund Sterling gleichgesetzt werden.

Die Chronik beschreibt außergewöhnliche politische und militärische Zahlungen. Sie liefert keine unmittelbaren Angaben darüber, wie viel ein gewöhnlicher Handwerker oder Bauer verdiente.

Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Kriegers unterschieden sich deutlich von denen eines gewöhnlichen Hofhaushalts. Trotzdem wäre es falsch, alle bewaffneten Männer als dauerhaft besoldete Berufssoldaten zu betrachten. Militärische Verpflichtungen, persönliche Gefolgschaft und zeitweilige Teilnahme an Unternehmungen konnten unterschiedliche Formen annehmen.

Wie wurde der Lebensunterhalt in Island bestritten?

Island bietet ein interessantes Beispiel dafür, dass wirtschaftlicher Austausch auch ohne ein stark entwickeltes Münzwesen funktionieren konnte. Die Besiedlung durch Menschen aus dem nordischen Raum begann im späten 9. Jahrhundert. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten vor allem Landwirtschaft und Viehhaltung.

In der späteren isländischen Wirtschaft gewann ein bestimmter Wollstoff besondere Bedeutung. Dieser Stoff wurde als vaðmál bezeichnet und konnte als Ware, Wertmaßstab und Zahlungsmittel verwendet werden.

Die Archäologin Michèle Hayeur Smith hat mehr als 1.000 isländische Textilfragmente untersucht. Ihre Forschungen zeigen, dass sich gegen Ende der Wikingerzeit und im anschließenden Mittelalter eine stärker standardisierte Stoffproduktion entwickelte.

Die späteren isländischen Rechtsquellen enthalten genaue Bestimmungen über die Verwendung solcher Stoffe zur Erfüllung wirtschaftlicher Verpflichtungen. Damit konnten textile Erzeugnisse eine Funktion übernehmen, die andernorts häufiger Silber erfüllte.

Ein Stoff besaß einen praktischen Nutzen und konnte zugleich wirtschaftlich bewertet und weitergegeben werden. Die Herstellung erforderte Rohstoffe und erhebliche Arbeitszeit.

Die vollständig ausgeprägte und rechtlich geregelte Verwendung von vaðmál als Zahlungsmittel ist vor allem für das mittelalterliche Island belegt. Sie darf deshalb nicht unverändert auf die gesamte Wikingerzeit übertragen werden. Das Beispiel zeigt aber, wie unterschiedlich sich regionale Wirtschaftssysteme entwickeln konnten.

Konnte man Schulden machen oder später bezahlen?

In einer Gesellschaft mit persönlichen Beziehungen und längerfristigen Verpflichtungen waren wirtschaftliche Leistungen nicht zwangsläufig auf einen sofortigen Austausch beschränkt.

Verwandte, Nachbarn oder andere miteinander verbundene Menschen konnten sich gegenseitig unterstützen und spätere Gegenleistungen erwarten. Auch Abgaben und Arbeitsverpflichtungen konnten zu bestimmten Zeiten fällig werden.

Solche Verhältnisse sind jedoch nicht mit einem modernen Kreditvertrag gleichzusetzen. Für gewöhnliche Kaufgeschäfte der Wikingerzeit fehlen weitgehend unmittelbare schriftliche Aufzeichnungen über Zahlungsfristen und Schulden.

Spätere isländische Gesetzestexte zeigen, dass Schulden, Forderungen und die Erfüllung wirtschaftlicher Verpflichtungen rechtlich geregelt werden konnten. Ihre erhaltenen Fassungen stammen allerdings aus dem Hochmittelalter. Sie dürfen deshalb nicht ohne Weiteres als Beleg für konkrete Kreditpraktiken im 9. oder 10. Jahrhundert dienen.

Die Möglichkeit einer späteren Gegenleistung ist für persönliche Austauschbeziehungen plausibel. Wie häufig Menschen auf diese Weise Lebensmittel, Werkzeuge oder andere Waren erhielten, lässt sich nicht bestimmen.

Was geschah bei einer schlechten Ernte?

Für einen landwirtschaftlichen Haushalt konnte eine schlechte Ernte schwerwiegende Folgen haben. Wenn die Getreidevorräte nicht ausreichten, fehlte Nahrung für die kommenden Monate. Gleichzeitig musste genügend Saatgut für das nächste Jahr zurückbehalten werden.

Auch Tierverluste konnten die wirtschaftliche Grundlage eines Hofes beeinträchtigen. Ein Haushalt verlor damit nicht allein Lebensmittel, sondern möglicherweise auch Milch, Wolle, Zugkraft und künftigen Nachwuchs.

In solchen Situationen konnten bestehende Beziehungen zu Verwandten, Nachbarn oder wohlhabenderen Haushalten wichtig werden. Unterstützung konnte in Form von Lebensmitteln, Tieren oder anderen Leistungen erfolgen. Solche Hilfe konnte allerdings neue Verpflichtungen begründen.

Ein Haushalt konnte versuchen, Waren oder wertvolle Gegenstände abzugeben, um fehlende Lebensmittel zu beschaffen. Wer über wenig Besitz verfügte, hatte dafür geringere Möglichkeiten.

Die Quellen erlauben keine allgemeine Aussage darüber, wie häufig Menschen der Wikingerzeit auf diese Weise Unterstützung erhielten. Ebenso wenig lässt sich annehmen, dass jede Gemeinschaft ihre Mitglieder in Notlagen zuverlässig versorgte.

Eine schlechte Ernte konnte daher wirtschaftliche Abhängigkeiten verstärken. Besonders Menschen ohne größere Vorräte oder eigenen Landbesitz waren gefährdet.

Warum war ein Hof ohne Silber trotzdem wirtschaftlich wertvoll?

Ein landwirtschaftlicher Hof konnte zahlreiche Dinge hervorbringen, die für das tägliche Leben notwendig waren. Felder lieferten Getreide, Tiere stellten Milch, Fleisch, Wolle und andere Rohstoffe bereit. Gebäude boten Unterkunft und Arbeitsraum. Werkzeuge und Vorräte ermöglichten die Fortsetzung der Produktion.

Der Wert dieser Dinge lässt sich nicht allein daran messen, wie viel Silber sie bei einem Verkauf eingebracht hätten. Ein Teil der Erzeugnisse wurde unmittelbar verbraucht. Ein anderer Teil musste für die kommende Produktionsperiode zurückbehalten werden.

Auch die Arbeitskraft der Bewohner war entscheidend. Ohne Menschen, die Felder bestellten, Tiere versorgten, Nahrung haltbar machten und Kleidung herstellten, konnte ein Hof seine wirtschaftliche Grundlage nicht erhalten.

Ein Haushalt konnte deshalb über beträchtliche wirtschaftliche Möglichkeiten verfügen, obwohl nur wenig Edelmetall vorhanden war. Gleichzeitig war er abhängig von Land, Wetter, Tierbestand und der Zahl arbeitsfähiger Menschen.

Silber eröffnete zusätzliche Möglichkeiten. Es erleichterte den Erwerb von Waren und konnte als Wertreserve dienen. Für viele Bewohner der Wikingerzeit blieb die unmittelbare Verfügung über Nahrungsmittel, Rohstoffe und Arbeitsleistung dennoch entscheidend.

Warum können wir keine wikingerzeitlichen Lebenshaltungskosten berechnen?

Für eine moderne Berechnung von Lebenshaltungskosten benötigt man regelmäßige Angaben über Einkommen, Preise und Ausgaben. Solche Aufzeichnungen sind für gewöhnliche Haushalte der Wikingerzeit nicht erhalten.

Die archäologischen Funde zeigen, welche Waren verwendet wurden und welche Zahlungsmittel bekannt waren. Sie verraten aber nur selten, wie viel Silber für einen bestimmten Gegenstand bezahlt wurde oder welche Gegenleistung ein Handwerker für seine Arbeit erhielt.

Hinzu kommt, dass viele notwendige Dinge überhaupt nicht gekauft wurden. Lebensmittel, Kleidung und einfache Gebrauchsgegenstände konnten aus der eigenen Produktion stammen. Ihr wirtschaftlicher Wert bestand dann vor allem in den benötigten Rohstoffen und Arbeitsleistungen.

Auch die regionalen Unterschiede waren erheblich. Ein Haushalt in Dänemark hatte andere wirtschaftliche Möglichkeiten als eine Siedlung im nördlichen Norwegen oder auf Island. Handelsverbindungen, landwirtschaftliche Bedingungen und die Verfügbarkeit von Rohstoffen beeinflussten den Alltag.

Eine pauschale Aussage wie „Ein Mensch benötigte in der Wikingerzeit eine bestimmte Menge Silber pro Monat“ wäre deshalb irreführend. Sie würde eine regelmäßige Geldwirtschaft voraussetzen, die für große Teile der Bevölkerung nicht nachgewiesen ist.

Ebenso wenig lassen sich die Preise einzelner Gegenstände zuverlässig in heutige Euro umrechnen. Der Materialwert einer Silbermenge sagt wenig darüber aus, welche Arbeitsleistung oder welche Versorgung damit in einer bestimmten Region verbunden war.

Wie veränderte sich die Wirtschaft während der Wikingerzeit?

Die wirtschaftlichen Verhältnisse blieben zwischen dem späten 8. und dem 11. Jahrhundert nicht unverändert. Handelsplätze entwickelten sich, neue Waren gelangten nach Skandinavien und die Bedeutung von Silber nahm in vielen Bereichen zu.

Bereits im 9. Jahrhundert waren skandinavische Handelsverbindungen eng mit west- und osteuropäischen Wirtschaftsräumen verflochten. Arabische Silberdirhams gelangten über östliche Handelswege nach Norden. Aus dem Westen kamen weitere Münzen und Waren.

Die zunehmende Verfügbarkeit von Silber erleichterte bestimmte Austauschgeschäfte. Gleichzeitig konnten Herrscher große Mengen Edelmetall nutzen, um politische und militärische Beziehungen zu festigen.

Im 10. und 11. Jahrhundert entwickelte sich die Münzprägung in Teilen Skandinaviens weiter. Besonders in Dänemark entstanden zunehmend Voraussetzungen für eine stärker geregelte Münzwirtschaft. Diese Entwicklung verlief jedoch nicht überall gleich schnell.

Die landwirtschaftliche Versorgung verlor dadurch keineswegs ihre Bedeutung. Auch in Regionen mit wachsendem Münzumlauf blieb die Produktion von Lebensmitteln und Rohstoffen auf den Höfen eine wesentliche Grundlage der Gesellschaft.

Die Wikingerzeit war somit von mehreren wirtschaftlichen Formen geprägt, die sich gegenseitig ergänzten. Selbstversorgung, Tausch, Silberzahlungen, Geschenke und Abgaben konnten gleichzeitig zum Alltag gehören.

Was wissen wir über gewöhnliche Zahlungen tatsächlich?

Die archäologischen Funde und schriftlichen Quellen ermöglichen eine recht genaue Beschreibung der wirtschaftlichen Grundlagen. Sie zeigen, dass Menschen Silber nach Gewicht verwendeten, Münzen in bestimmten Regionen als reguläre Zahlungsmittel einsetzten und Waren unmittelbar austauschen konnten.

Wir kennen Waagen, Gewichte, Silberbarren, zerteilte Münzen und zahlreiche Waren, die an Handelsplätzen hergestellt oder gehandelt wurden. Zeitgenössische Berichte beschreiben Viehbesitz, Naturalabgaben, Fernhandel und große politische Zahlungen.

Schwieriger ist die Rekonstruktion einzelner gewöhnlicher Geschäfte. Für den Kauf eines Messers, eines Schafes oder eines Kleidungsstücks fehlen meist direkte schriftliche Belege. Wir können deshalb erklären, welche Zahlungsmittel zur Verfügung standen und wie sie verwendet werden konnten. Den genauen Ablauf eines bestimmten Geschäfts kennen wir häufig nicht.

Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse unterschieden sich stark. Ein landwirtschaftlicher Haushalt konnte viele Dinge selbst herstellen. Ein spezialisierter Handwerker war stärker auf den Austausch mit anderen Menschen angewiesen. Wohlhabende Grundbesitzer verfügten über größere Ressourcen, während unfreie Menschen wirtschaftlich abhängig waren.

Die Wikingerzeit kann deshalb nicht mit einem einzigen Wirtschaftsmodell beschrieben werden. Selbstversorgung, Handel, Silberzahlungen und persönliche Verpflichtungen bestanden nebeneinander und waren regional unterschiedlich ausgeprägt.

Fazit – wie bezahlten die Menschen der Wikingerzeit ihren Lebensunterhalt?

Für die meisten Menschen der Wikingerzeit begann die wirtschaftliche Versorgung auf dem eigenen Hof. Dort wurden Lebensmittel erzeugt, Tiere gehalten und zahlreiche Gegenstände des täglichen Bedarfs hergestellt. Die Arbeit der Haushaltsgemeinschaft sicherte Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Ein regelmäßiger Geldlohn war dafür nicht notwendig.

Wenn Waren oder Leistungen benötigt wurden, die im eigenen Haushalt nicht verfügbar waren, konnten sie durch Austausch oder gegen Silber beschafft werden. Besonders an Handelsplätzen wie Ribe und Haithabu spielten Münzen und andere Zahlungsmittel eine wichtige Rolle. In vielen Regionen wurde Silber nach Gewicht verwendet. Waagen, Gewichte und Hacksilber zeigen, wie solche Zahlungen technisch möglich waren. Auch Geschenke, Naturalabgaben und persönliche Verpflichtungen bestimmten, wie wirtschaftliche Leistungen verteilt wurden.

Die Lebensverhältnisse unterschieden sich erheblich. Ein freier Hofbesitzer konnte von eigenen Erzeugnissen leben, während ein spezialisierter Handwerker seine Versorgung stärker durch den Austausch von Waren sichern musste. Händler nutzten weitreichende Handelsverbindungen, wohlhabende Menschen verfügten über Land und Arbeitskräfte, und unfreie Personen waren von den Haushalten abhängig, in denen sie lebten. Die wirtschaftliche Sicherheit eines Menschen beruhte deshalb auf seinen Ressourcen, seinen Fähigkeiten und seiner gesellschaftlichen Stellung. Silber und Münzen waren wichtige Zahlungsmittel, aber sie bestimmten nicht allein darüber, wie Menschen der Wikingerzeit ihren Lebensunterhalt bestritten.

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