Der Blog zur nordischen Mythologie und den Wikingern

Ereignisse der Wikinger: Gründung Danelags

Die Gründung des Danelag markiert einen der tiefgreifendsten Einschnitte in der Geschichte des frühmittelalterlichen Englands. In den Jahrzehnten zwischen den 870er- und 880er-Jahren n. Chr. gelang es dänischen Wikingern, große Teile Nord- und Ostenglands dauerhaft unter ihre Kontrolle zu bringen. Was als Raubzüge begann, entwickelte sich zu einer strukturierten Herrschaftsordnung, die nicht nur politische Macht ausübte, sondern auch Recht, Sprache, Siedlungswesen und Alltagskultur nachhaltig prägte. Das Danelag war kein loses Besatzungsgebiet – es war ein eigener Rechts- und Kulturraum, der England für Generationen verändern sollte.

Ereignisse der Wikinger: Gründung Danelags

Der Weg zum Danelag – Vom Überfall zur Landnahme

Bereits seit dem späten 8. Jahrhundert hatten Wikinger England mit Überfällen erschüttert, doch der entscheidende Wandel kam mit der Ankunft des sogenannten Großen Heidnischen Heeres im Jahr 865. Dieses Heer war kein spontaner Raubzug, sondern ein gezielt organisierter Feldzug, der auf Eroberung und Ansiedlung abzielte. Innerhalb weniger Jahre fielen die angelsächsischen Königreiche Northumbria, East Anglia und große Teile von Mercia unter wikingerzeitliche Kontrolle. Nur das Königreich Wessex unter König Alfred dem Großen konnte dauerhaft Widerstand leisten.

Die Wikinger errichteten Stützpunkte, nutzten Flüsse als Verkehrsadern und begannen, Land systematisch zu verteilen. Aus Kriegern wurden Siedler, aus Lagern entstanden Städte. Dieser Prozess mündete schließlich in der Herausbildung eines klar abgegrenzten Herrschaftsraums: des Danelag.

Was war das Danelag? – Recht statt Chaos

Der Begriff Danelag bedeutet wörtlich „dänisches Recht“. Er bezeichnete jene Gebiete Englands, in denen nordisches Recht, nordische Sitten und eine eigenständige Verwaltung galten. Anders als oft angenommen war das Danelag kein rechtsfreier Raum, sondern ein streng geregeltes System mit Thing-Versammlungen, festgelegten Bußgeldern und klaren Eigentumsregeln.

Im Danelag galten andere Maßeinheiten, andere Erbrechte und andere Formen der Rechtsprechung als im angelsächsischen Süden. Besonders auffällig war die Betonung der Gemeinschaftsverantwortung und der Ausgleichszahlungen (Wergeld), die tief in der nordischen Rechtskultur verwurzelt waren. Diese Ordnung machte das Danelag stabil – und für viele Menschen sogar attraktiv.

Grenzen und Zentren – Der Raum des Danelag

Das Danelag umfasste weite Teile Nord- und Ostenglands, darunter Regionen wie Yorkshire, Lincolnshire, East Anglia und die East Midlands. Bedeutende Städte wie York (Jórvík) entwickelten sich zu wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Wikingerwelt. York wurde zu einer der wichtigsten Handelsstädte Nordeuropas, in der Silber, Pelze, Waffen, Textilien und Sklaven gehandelt wurden.

Die Grenze zwischen Danelag und angelsächsischem Herrschaftsgebiet verlief nicht starr, sondern verschob sich im Laufe der Zeit. Dennoch blieb sie über Jahrzehnte hinweg eine kulturelle Trennlinie, die sich bis heute in Ortsnamen, Dialekten und archäologischen Befunden widerspiegelt.

Alltag unter dänischer Herrschaft

Das Leben im Danelag war geprägt von Vermischung statt Verdrängung. Dänen und Angelsachsen lebten nebeneinander, heirateten untereinander und teilten wirtschaftliche Interessen. Viele angelsächsische Bauern behielten ihr Land, mussten jedoch Abgaben leisten oder sich der neuen Ordnung unterwerfen. Gleichzeitig brachten die Wikinger neue Techniken, Handelskontakte und Organisationsformen mit.

Besonders sichtbar ist der nordische Einfluss in der Sprache: Zahlreiche englische Wörter wie law, sky, egg oder window stammen aus dem Altnordischen. Auch Ortsnamen mit Endungen wie -by, -thorpe oder -thwaite sind direkte Zeugnisse der dänischen Siedlungstätigkeit.

Politische Bedeutung – Alfred der Große und der Vertrag von Wedmore

Die formale Anerkennung des Danelag erfolgte nach jahrelangen Kämpfen zwischen König Alfred von Wessex und dem Wikingerführer Guthrum. Der Vertrag von Wedmore legte die Grenzen zwischen den beiden Machtbereichen fest und erkannte das Danelag offiziell an. Damit wurde England faktisch in zwei Einflusszonen geteilt – ein Zustand, der das politische Gleichgewicht der Insel grundlegend veränderte.

Dieser Vertrag war kein Zeichen von Schwäche, sondern ein strategischer Schritt. Er schuf Stabilität, ermöglichte Handel und legte den Grundstein für eine spätere, schrittweise Rückeroberung durch die englischen Könige.

Langfristige Folgen – Das Erbe des Danelag

Auch nachdem das Danelag im 10. Jahrhundert schrittweise wieder unter englische Kontrolle geriet, blieb sein Einfluss bestehen. Die Verschmelzung von nordischer und angelsächsischer Kultur prägte das entstehende England nachhaltig. Rechtssysteme wurden angepasst, militärische Organisationen reformiert und wirtschaftliche Netzwerke erweitert.

Das Danelag war somit kein Fremdkörper, sondern ein kreativer Schmelztiegel, aus dem ein neues England hervorging – stärker vernetzt, kulturell vielfältiger und politisch widerstandsfähiger.

Fazit – Danelag als Symbol nordischer Macht und Anpassung

Die Gründung des Danelag zeigt eindrucksvoll, dass die Wikinger weit mehr waren als bloße Plünderer. Sie waren Herrscher, Gesetzgeber und Siedler, die in der Lage waren, bestehende Strukturen zu übernehmen und neu zu formen. Das Danelag steht für eine Zeit, in der nordische Kultur tief in das Herz Englands eindrang und dort Spuren hinterließ, die bis heute sichtbar sind. Es war ein Experiment der Macht – und ein Beweis dafür, dass Geschichte nicht nur durch Schlachten, sondern durch Recht, Alltag und Zusammenleben geschrieben wird.


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