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Farbenkunde

Welche Pflanzen nutzten die Menschen der Wikingerzeit zum Färben von Stoffen?

07.11.2026Verlag NorseStory · Berlinca. 21 Min. Lesezeit

Im Grab von Bjerringhøj bei Mammen in Dänemark fanden sich Reste eines aufwendig verzierten Wollgewebes. Der Verstorbene war im 10. Jahrhundert mit kostbaren Textilien bestattet worden. Heute wirken viele dieser Stoffreste unscheinbar. Chemische Untersuchungen haben allerdings Farbstoffe nachgewiesen, die einst für deutlich unterschiedliche Farbtöne sorgten. Dazu gehören ein blauer Indigofarbstoff, gelbe Pflanzenfarbstoffe und weitere Substanzen, deren Herkunft nicht in jedem Fall eindeutig bestimmt werden kann.

Die Untersuchung gehört zu einer 2023 veröffentlichten Studie von Ina Vanden Berghe, Ulla Mannering und Charlotte Rimstad. Die Forscherinnen analysierten insgesamt 70 Textilproben aus den dänischen Gräbern Bjerringhøj und Hvilehøj sowie aus Haithabu. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Menschen der Wikingerzeit verschiedene Farbstoffe verwendeten und dafür teilweise auf Rohstoffe zurückgriffen, die über weite Handelswege nach Norden gelangten.

Wie diese Farben hergestellt wurden, ist eine eigene Frage. Pflanzen enthalten unterschiedliche Farbstoffe, die sich nicht alle auf dieselbe Weise gewinnen lassen. Manche werden aus Blättern gelöst, andere aus Wurzeln. Für ein dauerhaftes Blau braucht man ein anderes Verfahren als für Rot oder Gelb. Auch das Material des Stoffes beeinflusst das Ergebnis.

Die archäologischen Funde erlauben inzwischen recht genaue Aussagen über einzelne Farbstoffe. Schwieriger ist es, die verwendeten Pflanzen und die Arbeitsschritte der damaligen Färber zu bestimmen. Gerade dieser Unterschied ist entscheidend, wenn man verstehen möchte, wie farbige Kleidung in der Wikingerzeit tatsächlich entstand.

Was verraten archäologische Textilien über ihre ursprünglichen Farben?

Wikingerzeitliche Textilien sind selten vollständig erhalten. Wolle, Leinen und andere organische Materialien vergehen unter gewöhnlichen Bodenbedingungen. Besonders gute Erhaltungsmöglichkeiten bieten bestimmte Feuchtböden, außergewöhnliche Grabbedingungen und der unmittelbare Kontakt mit Metallgegenständen. In Gräbern können beispielsweise kleine Stoffreste an Gewandspangen oder anderen Metallobjekten erhalten bleiben.

Die heutige Farbe solcher Funde entspricht häufig nicht ihrem ursprünglichen Aussehen. Jahrhunderte im Boden verändern die Fasern und die enthaltenen Farbstoffe. Ein ehemals kräftig gefärbtes Gewebe kann heute braun, grau oder nahezu farblos wirken. Umgekehrt können Verfärbungen durch Metallverbindungen entstehen, obwohl der Stoff ursprünglich ungefärbt war.

Deshalb genügt es nicht, einen erhaltenen Stoffrest mit bloßem Auge zu betrachten. Die ursprüngliche Färbung muss möglichst durch naturwissenschaftliche Untersuchungen geprüft werden. Dabei können auch Farbstoffe entdeckt werden, die am Textil längst nicht mehr sichtbar sind.

Die wichtigsten Funde stammen aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Haithabu liefert zahlreiche Textilien aus einer Handels- und Handwerkssiedlung. Die Gräber von Birka in Schweden zeigen Kleidungsbestandteile und aufwendige Verzierungen. Besonders kostbare Gewebe sind aus einzelnen reichen Bestattungen wie Bjerringhøj, Hvilehøj und Gokstad bekannt.

Diese Fundorte bilden allerdings keinen gleichmäßigen Querschnitt durch die gesamte Bevölkerung. Aufwendig ausgestattete Gräber enthalten häufiger hochwertige Textilien als gewöhnliche Siedlungsbefunde. Deshalb lässt sich aus der Häufigkeit bestimmter Farbstoffe in reichen Bestattungen nicht unmittelbar ableiten, wie verbreitet sie im Alltag waren.

Wie können Forscher einen Pflanzenfarbstoff nachweisen?

Moderne Farbstoffanalysen untersuchen die chemischen Bestandteile eines Textils. Besonders wichtig ist die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie, kurz HPLC. Dabei werden Farbstoffmoleküle aus einer kleinen Probe gelöst, voneinander getrennt und mit bekannten Referenzsubstanzen verglichen. Je nach Untersuchungsverfahren kommen weitere Messmethoden hinzu.

Ein solcher Nachweis kann beispielsweise zeigen, dass ein Gewebe Indigotin enthält. Dieses Molekül ist für die blaue Färbung verantwortlich, die sowohl mit Färberwaid als auch mit bestimmten anderen Indigopflanzen erzeugt werden kann. Der chemische Befund beweist also die Verwendung eines blauen Farbstoffs, bestimmt aber nicht zwangsläufig die botanische Herkunft.

Bei roten Farbstoffen können bestimmte Kombinationen chemischer Verbindungen genauer auf eine Pflanzenquelle hinweisen. Besonders die Stoffe Alizarin und Purpurin sind für die Untersuchung von Krappfärbungen wichtig. Auch hier müssen die Forscher die Zusammensetzung der Probe und mögliche Veränderungen während der Bodenlagerung berücksichtigen.

Gelbe Pflanzenfarben bereiten häufig größere Schwierigkeiten. Der Farbstoff Luteolin kommt in mehreren Pflanzen vor. Sein Nachweis belegt deshalb zunächst eine luteolinhaltige Farbquelle. Welche Pflanze tatsächlich verwendet wurde, muss anhand weiterer Hinweise untersucht werden.

Das dänische Nationalmuseum hat im Forschungsprojekt Fashioning the Viking Age sogar bislang nicht eindeutig zugeordnete Farbstoffe unter den Arbeitsbezeichnungen „Yellow X“ und „Red X“ untersucht. Solche Ergebnisse zeigen, dass die chemische Analyse manchmal einen historischen Farbstoff nachweisen kann, obwohl seine natürliche Quelle noch unbekannt ist.

Färberwaid – wie entstand die blaue Farbe?

Färberwaid (Isatis tinctoria) gehört zu den bekanntesten europäischen Färbepflanzen. Die Pflanze enthält Vorstufen eines blauen Farbstoffs, der nach entsprechender Verarbeitung als Indigotin auf den Fasern zurückbleibt. Für die Herstellung der Farbe wurden die Blätter genutzt.

Die Gewinnung von Blau unterscheidet sich grundlegend vom gewöhnlichen Auskochen einer Pflanze. Indigotin ist in Wasser kaum löslich. Damit es auf Wolle oder andere Fasern aufgebracht werden kann, muss es zunächst durch chemische Veränderungen in eine lösliche Form überführt werden. Nach dem Herausnehmen des Materials reagiert der Farbstoff mit dem Sauerstoff der Luft und bildet wieder das blaue, schwer lösliche Indigotin.

Dieser Vorgang erklärt, warum eine Blaufärbung technisch anspruchsvoller sein kann als das Färben mit vielen gelben Pflanzenstoffen. Temperatur, Zusammensetzung der Färbeflüssigkeit und die notwendigen chemischen Bedingungen beeinflussen das Ergebnis.

Historische und experimentelle Färbeverfahren zeigen, dass sich solche Bedingungen unter anderem durch Gärungsprozesse herstellen lassen. Für die Wikingerzeit sind allerdings keine vollständigen skandinavischen Arbeitsanweisungen erhalten, die eine bestimmte Rezeptur verbindlich belegen.

Ist Färberwaid für die Wikingerzeit nachgewiesen?

Blauer Indigofarbstoff ist in wikingerzeitlichen Textilien nachgewiesen. Die Untersuchung von Vanden Berghe, Mannering und Rimstad aus dem Jahr 2023 fand Indigotin unter anderem in Proben aus Hvilehøj. Auch eine 2025 veröffentlichte Untersuchung von Textilfragmenten aus Frauengräbern bei Vinjefjord in Mittelnorwegen wies bei einer Wollprobe einen pflanzlichen Indigofarbstoff nach.

Die botanische Zuordnung bleibt eine wichtige Einschränkung. Indigotin kann aus Färberwaid stammen, aber auch aus anderen Pflanzen, darunter Arten der Gattung Indigofera. Die chemische Identifizierung von Indigotin allein beweist deshalb keine Verwendung von Färberwaid.

Färberwaid war in Europa seit der Antike als Färbepflanze bekannt und ist für die Herstellung blauer Textilien im europäischen Raum gut belegt. Für Skandinavien ist seine Verwendung während der Wikingerzeit eine naheliegende Möglichkeit. Ob ein bestimmter blauer Stoff mit örtlich gewonnenem Waid oder mit einem eingeführten Farbstoff gefärbt wurde, lässt sich aus dem Indigotinnachweis meist nicht entscheiden.

Warum waren blaue Stoffe interessant?

Blau konnte für ganze Gewebe, einzelne Garne oder dekorative Bestandteile verwendet werden. Bei der Herstellung gemusterter Stoffe ließen sich blaue Fäden mit naturfarbenen oder anders gefärbten Garnen kombinieren. Auch Borten und Stickereien konnten dadurch farbliche Kontraste erhalten.

Die erhaltenen Funde belegen unterschiedliche Verwendungsformen. Daraus folgt allerdings nicht, dass blaue Kleidung grundsätzlich besonders teuer oder ausschließlich wohlhabenden Menschen vorbehalten war. Der Wert hing von mehreren Faktoren ab, darunter Stoffqualität, Verarbeitung, Herkunft und die verfügbare Menge des Farbstoffs.

Wie häufig gewöhnliche Menschen blaue Kleidung trugen, ist nicht zuverlässig zu bestimmen. Die untersuchten Textilien stammen aus einer begrenzten Auswahl archäologischer Fundzusammenhänge.

Krapp – woher kam das Rot?

Krapp (Rubia tinctorum) ist eine Färbepflanze, deren Wurzeln rote Farbstoffe enthalten. Zu den wichtigsten gehören Alizarin und Purpurin. Je nach Verarbeitung, Beize und Beschaffenheit der Fasern können damit unterschiedliche rote, orangefarbene und bräunlich rote Töne entstehen.

Anders als beim Färberwaid müssen für Krapp keine Blätter zu einem blauen Küpenfarbstoff verarbeitet werden. Die Farbstoffe befinden sich vor allem in den Wurzeln und können durch geeignete Behandlung für die Färbung nutzbar gemacht werden. Die Vorbereitung der Wurzeln und die Bedingungen des Färbebades beeinflussen das Ergebnis erheblich.

Krapp war im Mittelmeerraum und in anderen Teilen Europas seit langer Zeit bekannt. Seine Verwendung lässt sich durch historische Textilien und naturwissenschaftliche Analysen nachweisen. Auch aus der Wikingerzeit gibt es entsprechende Befunde.

Rote Farbstoffe aus dem Schiffsgrab von Gokstad

Das Schiffsgrab von Gokstad in Norwegen wurde um das Jahr 900 angelegt. Unter den Grabbeigaben befanden sich wertvolle Textilien, darunter Seidenstickereien und Fragmente eines gestreiften Gewebes, das möglicherweise zu einer Zeltausstattung gehörte.

Jeannette Jacqueline Lucejko, Marianne Vedeler und Ilaria Degano veröffentlichten 2021 eine naturwissenschaftliche Untersuchung dieser Textilien. Die Analysen wiesen mehrere Anthrachinonfarbstoffe nach, darunter Alizarin, Purpurin, Pseudopurpurin und Anthragallol. Diese Kombination weist auf Farbstoffe aus der Krappgruppe hin.

Die Ergebnisse belegen, dass krappartige Farbstoffe in den Textilien des Gokstadgrabes verwendet wurden. Besonders bemerkenswert ist ihr Nachweis an hochwertigen Seidenfäden. Solche Materialien konnten über weite Handelsverbindungen nach Skandinavien gelangen.

Der Fund beweist allerdings nicht, dass die entsprechenden Pflanzen in der Nähe von Gokstad angebaut oder die Stoffe dort gefärbt wurden. Ein bereits gefärbtes Gewebe konnte ebenso eingeführt worden sein wie ein fertiger Farbstoff.

Musste roter Farbstoff aus dem Ausland kommen?

Neben dem eigentlichen Färberkrapp kommen auch andere Pflanzen als Quellen roter Farbstoffe infrage. Verschiedene Labkrautarten besitzen Wurzeln, die verwandte Farbstoffe enthalten. Dazu gehört das Nordische Labkraut (Galium boreale), das in Nordeuropa vorkommt.

Solche Pflanzen konnten grundsätzlich zum Färben genutzt werden. Für einen archäologischen Nachweis reicht ihre botanische Verbreitung allerdings nicht aus. Entscheidend ist, ob die chemischen Bestandteile eines Textils die Zuordnung zu einer bestimmten Pflanze erlauben.

Die Forschung muss deshalb zwischen Krapp als botanisch bestimmter Pflanze und krappartigen Farbstoffen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist besonders bei Funden wichtig, deren chemische Zusammensetzung keine eindeutige Artbestimmung zulässt.

Die Handelsverbindungen der Wikingerzeit eröffneten jedenfalls den Zugang zu eingeführten Pflanzenfarben und bereits gefärbten Textilien. Ob ein roter Wollstoff aus lokaler Produktion stammte oder importiert wurde, kann nur im jeweiligen Fundzusammenhang untersucht werden.

Färberwau und andere Pflanzen für gelbe Stoffe

Gelb lässt sich aus zahlreichen Pflanzen gewinnen. Blätter, Blüten, Rinden und andere Pflanzenteile enthalten Farbstoffe, die unter geeigneten Bedingungen auf textile Fasern übertragen werden können. Die Ergebnisse reichen von hellem Gelb über Goldtöne bis zu gelblichen Braun- und Grüntönen.

Eine bekannte europäische Färbepflanze ist der Färberwau (Reseda luteola). Er enthält unter anderem Luteolin, einen gelben Farbstoff, der auf Wolle kräftige Töne erzeugen kann. Die Pflanze wurde in historischen Färbeverfahren verwendet und ist aus späteren europäischen Textiltraditionen gut bekannt.

Der Nachweis von Luteolin in einem wikingerzeitlichen Stoff bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Färberwau verwendet wurde. Auch andere Pflanzen enthalten diesen Farbstoff. Eine eindeutige botanische Zuordnung benötigt zusätzliche chemische oder archäologische Hinweise.

Gelbe Farbstoffe im Grab von Bjerringhøj

Die Untersuchung von Vanden Berghe, Mannering und Rimstad aus dem Jahr 2023 fand in Textilien aus Bjerringhøj Hinweise auf einen luteolinhaltigen gelben Farbstoff. Die Forscherinnen konnten außerdem eine Verbindung zu Bärlappgewächsen feststellen.

Diese Befunde sind besonders interessant, weil sie zeigen, dass bei der Färbung möglicherweise mehrere pflanzliche Materialien eine Rolle spielten. Ein Stoff konnte neben dem eigentlichen Farbstoff weitere Substanzen enthalten, die den Färbevorgang beeinflussten.

Die Ergebnisse beweisen eine gelbe Färbung mit luteolinhaltigem Material. Sie erlauben aber keine einfache Gleichsetzung mit Färberwau. Die ursprüngliche Pflanzenquelle muss gesondert bestimmt werden.

Auch die Frage, ob gelbe Pflanzenfarben in gewöhnlichen Haushalten häufig verwendet wurden, bleibt offen. Zahlreiche Pflanzen eignen sich grundsätzlich zum Färben, doch aus dieser Möglichkeit lässt sich keine tatsächliche Verwendung während der Wikingerzeit ableiten.

Welche Rolle spielten Bärlappgewächse?

Bärlappgewächse gehören zu einer alten Pflanzengruppe, deren Vertreter in verschiedenen Regionen Nordeuropas vorkommen. Einige Arten können mineralische Bestandteile aufnehmen, die für die Textilfärbung von Interesse sind.

Besonders in der historischen Färbeforschung werden bestimmte Bärlapparten mit der Bereitstellung von Aluminiumverbindungen in Verbindung gebracht. Solche Verbindungen können als Beizmittel wirken und die Bindung bestimmter Farbstoffe an Wollfasern verbessern.

Der Nachweis von Bärlappmaterial in den Textilien aus Bjerringhøj ist deshalb bemerkenswert. Er eröffnet die Möglichkeit, dass pflanzliche Materialien bei der Färbung auch wegen ihrer mineralischen Bestandteile eingesetzt wurden.

Die genaue Funktion des nachgewiesenen Materials ist damit allerdings noch nicht vollständig geklärt. Ob die Menschen den Bärlapp gezielt als Beizmittel verwendeten, welche Art sie nutzten und wie sie ihn verarbeiteten, muss anhand weiterer Untersuchungen beurteilt werden.

Eine moderne Rekonstruktion kann zeigen, wie sich mit Bärlapp und bestimmten Farbstoffen Wolle färben lässt. Sie ersetzt aber keinen archäologischen Beleg für eine konkrete historische Rezeptur.

Flechten – wurden auch sie zum Färben verwendet?

Flechten sind keine Pflanzen im botanischen Sinn. Sie bestehen aus einer Lebensgemeinschaft von Pilzen mit photosynthetisch aktiven Partnern, meist Grünalgen oder Cyanobakterien. Trotzdem gehören sie zu den natürlichen Materialien, die für historische Textilfarben genutzt werden konnten.

Verschiedene Flechten enthalten Substanzen, aus denen sich gelbliche, braune, rötliche oder violette Farbtöne gewinnen lassen. Die Ergebnisse hängen stark von der jeweiligen Art und der Verarbeitung ab.

Die Untersuchung von Flechtenfarben an archäologischen Textilien ist schwierig. Manche Farbstoffe verändern sich während der Bodenlagerung oder lassen sich mit üblichen Analyseverfahren nur eingeschränkt nachweisen. Auch ähnliche chemische Verbindungen können die Zuordnung erschweren.

Für die Wikingerzeit werden Flechten deshalb regelmäßig als mögliche Farbquellen diskutiert. Die 2023 veröffentlichten Analysen dänischer Textilien erweiterten die Hinweise auf unterschiedliche natürliche Farbstoffgruppen, darunter auch solche, die mit Flechten in Verbindung gebracht werden.

Aus diesen Befunden lässt sich allerdings keine allgemeine Färbepraxis für ganz Skandinavien ableiten. Die Verwendung einer bestimmten Flechtenart muss jeweils durch geeignete chemische Merkmale oder andere belastbare Hinweise begründet werden.

Besonders vorsichtig ist der Umgang mit späteren nordischen Färbetraditionen. Dass Flechten in Island, Norwegen oder anderen Regionen während des Mittelalters und der Neuzeit zum Färben verwendet wurden, beweist nicht automatisch dieselbe Praxis im 9. Jahrhundert.

Gab es auch Farbstoffe, die nicht aus Pflanzen stammten?

Die Färbung wikingerzeitlicher Textilien beruhte keineswegs ausschließlich auf Pflanzen. Einige wertvolle rote Farbstoffe wurden aus Insekten gewonnen.

Die Studie von 2023 zu Bjerringhøj und Hvilehøj identifizierte Hinweise auf Kermes und europäische Cochenillearten. Diese Farbstoffe stammen von Schildläusen und konnten kräftige rote Töne erzeugen.

Ihre Anwesenheit in dänischen Grabtextilien ist ein wichtiger Hinweis auf weitreichende Handelskontakte. Die entsprechenden Insektenfarbstoffe waren nicht überall in Skandinavien verfügbar und konnten über größere Entfernungen transportiert werden. Ebenso konnten bereits gefärbte Stoffe eingeführt werden.

Bei solchen Funden muss deshalb zwischen dem Herkunftsgebiet eines Farbstoffs und dem Ort unterschieden werden, an dem das fertige Textil verwendet wurde. Ein kostbares Gewand konnte aus importierten Materialien bestehen, ohne dass seine Färbung in Skandinavien stattgefunden hatte.

Für die Geschichte der Pflanzenfarben ist diese Unterscheidung wichtig. Nicht jeder rote Stoff lässt sich auf Krapp oder eine andere Pflanze zurückführen. Erst die chemische Analyse kann zeigen, welche Farbstoffgruppe tatsächlich vorliegt.

Wie bereitete man Wolle auf das Färben vor?

Wolle war eines der wichtigsten Materialien für die Textilherstellung in Skandinavien. Sie konnte von Schafen gewonnen, gereinigt, sortiert, versponnen und zu Geweben verarbeitet werden. Ihre natürliche Farbe reichte von hellen bis zu dunklen Grau- und Brauntönen.

Vor einer gezielten Färbung musste die Wolle ausreichend sauber sein. Fett, Schmutz und andere Rückstände können verhindern, dass eine Färbeflüssigkeit gleichmäßig in die Fasern eindringt. Wie gründlich die Wolle behandelt wurde, beeinflusste das Ergebnis.

Wolle besteht überwiegend aus Keratin, einem Protein. Viele natürliche Farbstoffe lassen sich an solchen Fasern leichter befestigen als an pflanzlichen Fasern wie Flachs. Das erklärt, warum Wolle für zahlreiche historische Färbeverfahren besonders geeignet ist.

Gefärbt werden konnten lose Fasern, bereits gesponnenes Garn oder fertige Gewebe. Welche Reihenfolge gewählt wurde, hatte Folgen für die spätere Verarbeitung. Unterschiedlich gefärbte Garne ermöglichten beispielsweise Muster beim Weben, während ein bereits gewebter Stoff einheitlich gefärbt werden konnte.

Archäologische Textilien zeigen, dass die Menschen der Wikingerzeit verschiedenfarbige Garne verwendeten. Die genaue Abfolge der Färbung lässt sich allerdings nicht bei jedem Fund bestimmen.

Wie entstand aus einer Pflanze ein Färbebad?

Bei vielen Pflanzenfarben mussten die färbenden Bestandteile zunächst aus dem Pflanzenmaterial gelöst werden. Dazu konnten Blätter, Blüten, Wurzeln oder Rinden zerkleinert und mit Wasser behandelt werden. Wärme erleichtert bei zahlreichen Farbstoffen die Freisetzung der entsprechenden Verbindungen.

Die erforderlichen Bedingungen unterscheiden sich jedoch erheblich. Manche Farbstoffe reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen, andere benötigen eine längere Behandlung. Auch der Säuregrad der Flüssigkeit kann den Farbton und die Aufnahme des Farbstoffs beeinflussen.

Bei gelben Pflanzenfarbstoffen können vergleichsweise einfache wässrige Auszüge geeignet sein. Für Krapp müssen die Bedingungen so gewählt werden, dass die roten Farbstoffe aus dem Wurzelmaterial verfügbar werden. Indigofarbstoffe benötigen dagegen ein besonderes Verfahren, bei dem die chemische Löslichkeit verändert wird.

Die Wikingerzeit hat keine vollständige Sammlung skandinavischer Färberezepte hinterlassen. Die beschriebenen chemischen Vorgänge erklären deshalb, welche Verfahren grundsätzlich notwendig oder möglich waren. Sie belegen nicht, dass an jedem Fundort dieselben Arbeitsschritte verwendet wurden.

Experimentelle Archäologie kann hier wichtige Fragen beantworten. Durch die Verarbeitung historisch verfügbarer Materialien lässt sich prüfen, welche Farben und Färbeergebnisse technisch erreichbar sind. Die Ergebnisse müssen anschließend mit den archäologischen Befunden verglichen werden.

Was bewirkten Beizmittel?

Viele natürliche Farbstoffe verbinden sich ohne weitere Behandlung nur begrenzt dauerhaft mit textilen Fasern. Beizmittel können die Bindung verbessern, indem sie chemische Verbindungen zwischen Farbstoff und Faser ermöglichen.

Besonders wichtig sind bestimmte Metallionen. Aluminiumverbindungen können die Haftung verschiedener Pflanzenfarbstoffe verbessern. Eisenverbindungen verändern häufig den Farbton und können gelbe oder rote Färbungen dunkler erscheinen lassen. Auch andere Metallsalze können die Färbung beeinflussen.

Die Verwendung von Beizmitteln ist aus historischen Färbetraditionen gut bekannt. Für die Wikingerzeit muss aber jeweils geprüft werden, welche Stoffe tatsächlich zur Verfügung standen und ob ihre Verwendung archäologisch nachgewiesen ist.

Ein eisenhaltiges Färbebad könnte beispielsweise einen anderen Farbton erzeugen als ein Bad ohne Eisen. Daraus folgt aber nicht, dass Menschen der Wikingerzeit absichtlich rostige Gegenstände in ihre Färbeflüssigkeit legten. Solche Vorstellungen stammen häufig aus modernen Rekonstruktionen und benötigen einen eigenen historischen Beleg.

Auch die Verwendung von Alaun muss differenziert betrachtet werden. Das Mineral war in verschiedenen historischen Wirtschaftsräumen bekannt und wurde für Färbeprozesse genutzt. Für einen konkreten wikingerzeitlichen Färbeplatz in Skandinavien ist seine Verwendung damit noch nicht nachgewiesen.

Die Befunde aus Bjerringhøj zeigen, dass die Untersuchung mineralischer und pflanzlicher Bestandteile neue Erkenntnisse über historische Färbeverfahren liefern kann. Sie ersetzen allerdings keine vollständige Beschreibung der damaligen Arbeitsweise.

Welche Rolle spielten Wasser, Wärme und Gefäße?

Für das Färben von Wolle benötigte man geeignete Flüssigkeiten und Behälter. Bei vielen Verfahren musste das Färbebad erwärmt oder über längere Zeit auf einer bestimmten Temperatur gehalten werden.

Die Zusammensetzung des Wassers konnte das Ergebnis beeinflussen. Gelöste Mineralstoffe und der Säuregrad wirken sich auf bestimmte Farbstoffe aus. Auch die Art des Gefäßes konnte eine Rolle spielen, wenn Materialien mit der Färbeflüssigkeit reagierten.

Für die Wikingerzeit sind unterschiedliche Gefäßtypen und Feuerstellen archäologisch belegt. Daraus lässt sich aber nicht ohne Weiteres ableiten, welche davon zum Färben verwendet wurden. Ein großer Kessel konnte ebenso für die Zubereitung von Speisen oder andere Tätigkeiten dienen.

Ein sicher nachgewiesener Färbeplatz benötigt deshalb möglichst mehrere zusammengehörige Hinweise. Dazu könnten Farbstoffreste, geeignete Einrichtungen, Produktionsabfälle oder andere Spuren gehören, die sich überzeugend mit einer Färbetätigkeit verbinden lassen.

Die chemische Untersuchung eines fertigen Textils zeigt vor allem das Ergebnis des Färbevorgangs. Sie verrät gewöhnlich nicht, wie groß der verwendete Behälter war, wie lange das Gewebe im Bad lag oder welche Temperatur die Färber einhielten.

Wurden Leinenstoffe ebenfalls gefärbt?

Neben Wolle wurde in der Wikingerzeit auch Leinen verarbeitet. Leinenfasern stammen aus den Stängeln des Flachses und unterscheiden sich chemisch deutlich von Wollfasern.

Viele natürliche Farbstoffe haften auf Leinen schlechter als auf Wolle. Deshalb erfordert eine dauerhafte Färbung pflanzlicher Fasern häufig andere Vorbehandlungen oder zusätzliche Hilfsmittel.

Die archäologischen Funde zeigen, dass gefärbte Leinenstoffe vorkamen. Ihre Häufigkeit lässt sich allerdings schwer bestimmen, weil Leinen unter vielen Bodenbedingungen schlechter erhalten bleibt und die ursprünglichen Farben häufig verändert sind.

Blaufärbungen sind für bestimmte erhaltene Leinentextilien bekannt. Wie bei Wolle muss auch hier zwischen dem Nachweis des Farbstoffs und der genauen botanischen Herkunft unterschieden werden.

Für den Alltag ist außerdem zu berücksichtigen, dass Leinen bereits in seiner natürlichen Farbe verwendet werden konnte. Ein helles oder gebleichtes Gewebe benötigte keine zusätzliche Pflanzenfärbung. Der Aufwand für die Herstellung und Bearbeitung des Stoffes blieb trotzdem erheblich.

Wie entstanden grüne, braune und schwarze Stoffe?

Die Farbe eines Textils musste nicht aus einem einzigen Farbstoff entstehen. Durch die Kombination verschiedener Färbungen ließen sich zusätzliche Farbtöne erzeugen.

Grün konnte beispielsweise durch die Verbindung blauer und gelber Farbstoffe entstehen. Ein bereits blau gefärbtes Garn konnte anschließend mit einem gelben Farbstoff behandelt werden. Auch andere Reihenfolgen und Verfahren sind technisch möglich.

Für braune und dunkle Töne standen zahlreiche natürliche Materialien zur Verfügung. Rinden, Blätter und andere tanninhaltige Stoffe können mit geeigneten Bedingungen unterschiedliche Braun- und Grautöne erzeugen. Eisenverbindungen können manche dieser Färbungen deutlich verdunkeln.

Die Verwendung solcher Materialien ist aus der historischen Färbepraxis bekannt. Ob eine bestimmte dunkle Farbe in einem wikingerzeitlichen Fund durch Pflanzenfarbstoffe, eine Metallbehandlung oder die natürliche Farbe der Wolle entstand, muss im Einzelfall untersucht werden.

Gerade dunkle Wollstoffe zeigen die Grenzen einer rein optischen Bestimmung. Schafe lieferten bereits braune, graue und nahezu schwarze Wolle. Ein dunkles Gewebe konnte deshalb ohne künstliche Färbung hergestellt werden.

Die archäologischen Untersuchungen müssen zwischen natürlich pigmentierten Fasern und nachträglich aufgebrachten Farbstoffen unterscheiden. Nur so lässt sich die tatsächliche Verwendung von Färbemitteln beurteilen.

Wie verbreitet war gefärbte Kleidung?

Die Menschen der Wikingerzeit konnten Stoffe in unterschiedlichen Farben herstellen und verwenden. Das zeigen chemische Farbstoffnachweise und erhaltene Textilien mit verschiedenfarbigen Garnen.

Wie häufig solche Stoffe im gewöhnlichen Alltag vorkamen, ist schwieriger zu beantworten. Viele archäologische Textilfunde stammen aus Gräbern. Besonders gut erhaltene und aufwendig untersuchte Stücke gehören häufig zu wohlhabenden Bestattungen.

Auch die Auswahl der untersuchten Proben beeinflusst das Bild. Wenn vor allem auffällige oder besonders gut erhaltene Stoffe analysiert werden, kann daraus keine allgemeine Statistik über sämtliche Kleidungsstücke entstehen.

Ungefärbte Wolle war für die Herstellung von Kleidung gut geeignet. Ihre natürlichen Farben boten bereits unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten. Die Verwendung von Pflanzenfarben erforderte zusätzliche Arbeit und geeignete Rohstoffe.

Ein gefärbtes Kleidungsstück konnte deshalb einen höheren Herstellungsaufwand besitzen als ein vergleichbares ungefärbtes Gewebe. Daraus lässt sich allerdings keine allgemeine soziale Rangordnung einzelner Farben ableiten.

Ob ein bestimmter Farbton teuer, selten oder besonders angesehen war, hing von den verwendeten Materialien, der Herstellung und dem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld ab.

Wurden Färbepflanzen selbst gesammelt oder gehandelt?

Ein Teil der für das Färben geeigneten Pflanzen wuchs in Nordeuropa. Andere Farbstoffquellen waren in südlicheren Regionen verbreitet oder konnten nur über Handelsverbindungen beschafft werden.

Die Menschen der Wikingerzeit verfügten über weitreichende Kontakte. An Handelsplätzen wie Ribe, Haithabu und Birka gelangten Waren aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Dazu gehörten Textilien und Rohstoffe, die vor Ort nicht in gleicher Weise verfügbar waren.

Die chemischen Farbstoffnachweise aus reichen Gräbern zeigen, dass auch ungewöhnliche und eingeführte Farbquellen in Skandinavien verwendet wurden. Besonders Kermes und andere Insektenfarbstoffe weisen auf Verbindungen zu weiter entfernten Wirtschaftsräumen.

Bei Pflanzenfarben bleibt häufig offen, ob die Pflanze selbst, ein vorbereiteter Farbstoff oder ein bereits gefärbtes Textil transportiert wurde. Ein roter Seidenfaden aus einem norwegischen Grab beweist beispielsweise keine lokale Krappverarbeitung.

Für die Versorgung mit Färbepflanzen kamen unterschiedliche Wege infrage. Menschen konnten geeignete Pflanzen sammeln, anbauen oder über Händler beschaffen. Welche dieser Möglichkeiten für einen bestimmten Farbstoff tatsächlich genutzt wurde, muss anhand der Fundlage geprüft werden.

Was zeigen die Textilien aus Haithabu?

Haithabu gehörte zu den bedeutendsten Handelsplätzen der Wikingerzeit. Aus dem Siedlungs- und Hafenbereich stammen zahlreiche Textilfunde, die wichtige Einblicke in Kleidung, Gewebearten und textile Verarbeitung geben.

Die 2023 veröffentlichte Untersuchung von Vanden Berghe, Mannering und Rimstad bezog auch Proben aus Haithabu ein. Bei diesen Proben fanden die Forscherinnen im Unterschied zu den untersuchten reichen Grabtextilien keine eindeutigen Hinweise auf die meisten gesuchten Farbstoffe. Eine Ausnahme bildeten Hinweise auf ellagitanninhaltige Materialien.

Das Ergebnis bedeutet nicht, dass die Bewohner Haithabus keine gefärbten Stoffe trugen. Es beschreibt zunächst die untersuchten Proben und ihren Erhaltungszustand. Farbstoffe können im Boden abgebaut werden, und nicht jedes Textil wurde ursprünglich gefärbt.

Gerade der Vergleich mit Bjerringhøj und Hvilehøj zeigt, wie stark der Fundzusammenhang das Ergebnis beeinflussen kann. Die Erhaltung organischer Farbstoffe ist unterschiedlich, und die untersuchten Textilien repräsentieren verschiedene gesellschaftliche und materielle Zusammenhänge.

Haithabu liefert deshalb wichtige Hinweise auf textile Produktion und Verwendung, aber keine vollständige Übersicht über die Farben sämtlicher dort getragener Kleidungsstücke.

Was verraten die Textilien aus Birka?

Birka am Mälarsee in Schweden war während der Wikingerzeit ein bedeutender Handelsplatz. Die zahlreichen Gräber haben wertvolle Informationen über Kleidung, Schmuck und textile Ausstattung geliefert.

Die Textilforschung zu Birka zeigt unterschiedliche Gewebe, Borten, Seidenstoffe und andere Kleidungsbestandteile. Auch verschiedenfarbige Garne und dekorative Textilien gehören zum Fundmaterial.

Die Archäologin Agnes Geijer legte mit ihren Untersuchungen der Birka-Textilien wichtige Grundlagen für die Erforschung wikingerzeitlicher Kleidung. Spätere Arbeiten haben die Ergebnisse ergänzt und teilweise neu bewertet.

Für die Bestimmung einzelner Färbepflanzen sind allerdings chemische Analysen entscheidend. Ein farbig erscheinender Stoffrest oder eine ältere Beschreibung seiner Farbe erlaubt noch keine sichere botanische Zuordnung.

Birka zeigt vor allem, wie vielfältig textile Materialien und Verarbeitungstechniken in einem bedeutenden Handelsmilieu sein konnten. Die Frage nach den verwendeten Pflanzenfarben muss für jedes untersuchte Stück gesondert beantwortet werden.

Was können moderne Färbeversuche erklären?

Historische Färbeverfahren werden heute häufig experimentell untersucht. Dabei verwenden Forscher und Handwerker Pflanzen, Wolle und andere Materialien, die auch in früheren Jahrhunderten verfügbar gewesen sein könnten.

Solche Versuche können zeigen, welche Farben sich mit Färberwaid, Krapp, Färberwau oder anderen natürlichen Materialien erzeugen lassen. Sie helfen außerdem zu verstehen, welche Arbeitsschritte notwendig sind und wie sich unterschiedliche Temperaturen, Beizmittel und Färbezeiten auswirken.

Ein erfolgreiches Experiment beweist allerdings noch nicht, dass Menschen der Wikingerzeit genau dieses Verfahren nutzten. Verschiedene Wege können zu ähnlichen Farbergebnissen führen.

Besonders wichtig ist deshalb der Vergleich mit archäologischen Befunden. Wenn eine Rekonstruktion dieselben chemischen Farbstoffmerkmale hervorbringt wie ein historisches Textil, kann sie eine plausible Herstellungsmöglichkeit aufzeigen. Für einen sicheren Nachweis des ursprünglichen Verfahrens werden weitere Hinweise benötigt.

Moderne Anleitungen zum Pflanzenfärben enthalten außerdem häufig Zutaten oder technische Hilfsmittel, deren Verwendung für die Wikingerzeit nicht belegt ist. Solche Rezepte eignen sich für praktische Experimente, dürfen aber nicht ohne Prüfung als historische Arbeitsanweisungen ausgegeben werden.

Welche Färbepflanzen sind für die Wikingerzeit tatsächlich belegt?

Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen erlauben inzwischen eine recht genaue Einordnung mehrerer Farbstoffgruppen. Dabei ist zwischen dem Nachweis eines Farbstoffs und der Bestimmung seiner Pflanzenquelle zu unterscheiden.

Blau: Indigotin ist in wikingerzeitlichen Textilien nachgewiesen. Färberwaid ist eine mögliche europäische Quelle. Der chemische Nachweis allein unterscheidet ihn nicht zuverlässig von anderen Indigopflanzen.

Rot: Krappartige Farbstoffe sind unter anderem in Textilien aus Gokstad nachgewiesen. Die chemische Zusammensetzung kann Hinweise auf Färberkrapp liefern. Andere Pflanzen mit verwandten Farbstoffen müssen je nach Befund berücksichtigt werden.

Gelb: Luteolinhaltige Farbstoffe sind in Textilien aus Bjerringhøj belegt. Färberwau ist eine mögliche Quelle, aber nicht allein durch den Nachweis von Luteolin bewiesen.

Bärlapp: Die Analysen aus Bjerringhøj liefern Hinweise auf Bärlappmaterial. Eine Verwendung im Zusammenhang mit der Färbung ist möglich. Seine genaue Funktion und die verwendete Art sind damit noch nicht abschließend bestimmt.

Flechten: Flechtenfarbstoffe gehören zu den untersuchten natürlichen Farbquellen. Ihre chemische Identifizierung und die Zuordnung zu einzelnen Arten sind schwierig. Spätere nordische Färbetraditionen dürfen nicht automatisch auf die Wikingerzeit übertragen werden.

Weitere Farbquellen: Insektenfarbstoffe wie Kermes und europäische Cochenille sind in einzelnen wikingerzeitlichen Grabtextilien nachgewiesen. Sie zeigen, dass das damalige Farbspektrum nicht ausschließlich auf Pflanzen beruhte.

Die Ergebnisse stammen aus einer begrenzten Zahl untersuchter Textilien. Sie zeigen, welche Farbstoffe tatsächlich nachgewiesen wurden, erlauben aber noch keine vollständige Liste sämtlicher Färbepflanzen, die Menschen der Wikingerzeit kannten oder verwendeten.

Fazit – welche Pflanzen nutzten die Menschen der Wikingerzeit zum Färben von Stoffen?

Die Menschen der Wikingerzeit verwendeten natürliche Farbstoffe, um Wolle und andere Textilien in unterschiedlichen Farben herzustellen. Archäologische Untersuchungen belegen blaue Indigofarbstoffe, rote Farbstoffe aus der Krappgruppe und gelbe luteolinhaltige Substanzen. Färberwaid, Färberkrapp und Färberwau gehören damit zu den wichtigen Pflanzen, die für die damalige Textilfärbung infrage kommen. Ihre tatsächliche Verwendung lässt sich allerdings nicht bei jedem Fund eindeutig bestimmen, weil mehrere Pflanzen dieselben oder chemisch verwandte Farbstoffe enthalten können.

Die Herstellung farbiger Stoffe erforderte Kenntnisse über Pflanzenmaterialien, Fasern und die Bedingungen des Färbens. Besonders die Gewinnung von Blau verlangte ein anderes Verfahren als die Verarbeitung vieler roter und gelber Farbstoffe. Beizmittel konnten die Haltbarkeit und den Farbton beeinflussen. Welche konkreten Rezepturen in Skandinavien verwendet wurden, ist nur teilweise bekannt.

Die Funde aus Bjerringhøj, Hvilehøj, Gokstad und anderen Orten zeigen ein vielfältiges Farbspektrum und die Verwendung örtlich verfügbarer wie auch eingeführter Farbquellen. Sie machen zugleich deutlich, dass der Nachweis eines Farbstoffs nicht automatisch den Anbau einer bestimmten Pflanze oder die Färbung am Fundort beweist. Die naturwissenschaftliche Untersuchung erhaltener Textilien bietet deshalb die zuverlässigste Grundlage, um die Pflanzenfarben der Wikingerzeit zu verstehen.

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